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Auf Bad Nauheimer Friedhöfen bleiben Hunde am Grab verboten

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Von: Bernd Klühs

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Besucher der Friedhöfe - unser Bild zeigt die Anlage in der Kernstadt - dürfen auch künftig keine Hunde mitbringen. Die Finanzierung der Friedhofspflege wird für die Stadt immer schwieriger. Deshalb werden die Gebühren erhöht.
Besucher der Friedhöfe - unser Bild zeigt die Anlage in der Kernstadt - dürfen auch künftig keine Hunde mitbringen. Die Finanzierung der Friedhofspflege wird für die Stadt immer schwieriger. Deshalb werden die Gebühren erhöht. © Nicole Merz

In Bad Nauheim werden ab dem 1. März die Friedhofsgebühren deutlich angehoben. Angehörigen bleibt es untersagt, beim Besuch der Grabstätten Hunde mitzuführen.

Auch beim Betrieb eines Friedhofs geht es ums Geld. In Bad Nauheim ist es um die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen nicht allzu gut bestellt. Das wurde am Donnerstag in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses deutlich, in der über die Neufassung der Friedhofsordnung (inklusive Gebühren) beraten wurde. Einstimmig beschlossen wurde eine zweistufige Gebührenerhöhung.

Wie Heiko Heinzel (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) erläuterte, sei die Stadt grundsätzlich verpflichtet, Gebühren kostendeckend zu kalkulieren. Im Gegensatz zu anderen Gebührenhaushalten wird das auf Friedhöfen aber nicht praktiziert. »Durch die Anhebung in zwei Stufen wird ein Kostendeckungsgrad von 80 Prozent erreicht«, sagte Heinzel. Die Stadt übernimmt also 20 Prozent der jährlichen Ausgaben von rund 950 000 Euro.

Bad Nauheim: Immer mehr Urnenbestattungen

In der Beschlussvorlage heißt es, dass eine solche Subventionierung nötig sei, damit Bad Nauheim im Vergleich zu anderen Kommunen konkurrenzfähig bleibe. Heinzel hält den 20-Prozent-Zuschuss trotz der Gesetzesvorgaben für vertretbar. Für die Stadt werde es immer schwieriger, die Pflege der Friedhöfe zu finanzieren. Verantwortlich dafür sei der eindeutige Trend zur Urnenbestattung. Von den 288 Beerdigungen im vergangenen Jahr seien 75 Prozent auf diese Bestattungsform entfallen. Heinzel: »Mit Urnenbestattungen werden aber deutlich weniger Gebühren erwirtschaftet als mit Erdbestattungen.« Die Verwaltung versuche, alle Sparmöglichkeiten auszureizen und bei den Gebühren »nicht übers Ziel hinauszuschießen«.

Über die geänderte Gebührenordnung wurde im Ausschuss nicht diskutiert. Redebedarf gab es dagegen bezüglich der neuen Friedhofsordnung. Umstritten war die von Bürgermeister Klaus Kreß angestrebte Aufhebung des Hundeverbots. Bislang sind auf Friedhöfen nur Blinden- und Assistenzhunde erlaubt, der Magistrat wollte auch »Hunde von Angehörigen« zulassen.

Bad Nauheim: Regelmäßig Anfragen von Bürgern

Kreß zufolge erhält die Verwaltung regelmäßig Anfragen von Bürgern, die ihren Hund auf den Friedhof mitnehmen möchten. Das betreffe vor allem ältere Menschen, die zum Grab ihres verstorbenen Partners gingen. »Für viele alleinstehende Senioren ist der Hund treuster Freund und wichtigster Begleiter. Wenn sie das Tier angeleint mitnehmen, stört das niemand«, sagte der Bürgermeister.

Die Pandemie trage zur Vereinsamung älterer Bürger bei, das Haustier sei von noch größerer Bedeutung. Kreß schilderte einen Fall aus Nieder-Mörlen. Das Kleinkind einer Familie sei nach schwerer Krankheit verstorben. Der Hund habe im kurzen Leben des Kindes eine zentrale Rolle gespielt. »Bei den täglichen Besuchen am Grab wollen die Eltern den Hund gerne mitnehmen«, berichtete Kreß. In solchen Fällen, die keine Seltenheit seien, werde das Beharren auf den bisherigen Regeln als unwürdig und unmenschlich empfunden.

Bad Nauheim: Koalition lehnt Kreß-Vorstoß ab

Laut Kreß geht es nicht darum, Kampfhunde auf dem Friedhof herumtoben zu lassen, sondern um eine stückweise Öffnung. Der Rathauschef räumte allerdings ein, dass es kaum zu kontrollieren sei, ob die Hundebesitzer tatsächlich das Grab eines Angehörigen besuchten.

Bei den Vertretern der Kenia-Koalition (CDU, Grüne, SPD) stieß Kreß auf wenig Gegenliebe. Nach Aussage von Manfred Jordis müssen Regeln kontrollierbar sein, sonst machten sie wenig Sinn. Der CDU-Fraktionschef, der nahe des Kernstadt-Friedhofs wohnt, beobachtet viele Menschen, die die Anlage mit Hund betreten. »Spricht man sie auf das Verbot an, kommen alle möglichen Ausreden.« Andere Besucher wollten in Ruhe trauern, fühlten sich durch Tiere gestört. Es gebe auch Hunde, die an Grabsteine pinkelten. »Auf Antrag kann ein Hund beim Begräbnis mitgeführt werden. Weiter wollen wir nicht gehen«, betonte Jordis.

Esra Edel (Die Grünen) nannte ein weiteres Argument gegen die Aufweichung des Verbots. Auf dem Kernstadt-Friedhof gebe es ein muslimisches Gräberfeld. Bürger dieser Glaubensrichtung sähen es als grobes Vergehen an, wenn sich ein Hund in der Nähe des Grabs aufhalte. »Darauf sollten wir Rücksicht nehmen«, sagte Edel. Er kenne keine Gemeinde, die Hunde auf dem Friedhof erlaube. Tatsächlich dürfen auch in Friedberg und Butzbach nur Blindenhunde rein. In Karben sind dagegen Hunde seit 2021 zugelassen.

Sieben Ausschussmitglieder stimmten gegen eine Aufweichung des Verbots, drei dafür.

Gerade für alleinstehende Bad Nauheimer ist ihr Haustier eine Art Familienmitlied. Nach dessen Tod wird getrauert. Das Stadtparlament möchte deshalb einen Tierfriedhof anlegen.

Bad Nauheim: Deutliche Gebührensteigerung

Die Stadt Bad Nauheim wird die Friedhofsgebühren in zwei Stufen anheben. Die erste Erhöhung tritt zum 1. März 2022 in Kraft, die zweite ein Jahr später. Die jetzt vom Haupt- und Finanzausschuss gebilligte Steigerung, die vom Parlament noch bestätigt werden muss, gilt bis Ende 2024. In der zweiten Stufe werden die Gebühren um bis zu 17,3 Prozent angehoben.

Unverändert bei 840 Euro bleiben die Kosten für den Erwerb einer personifizierten Urnenreihengrabstätte in einem Rasenfeld. Rechnet man Nebenkosten wie Beisetzung und Trägerdienst mit, erhöhen sich die Gebühren von derzeit 1337 Euro auf 1435 Euro ab 1. März 2023. Im selben Zeitraum müssen Angehörige für ein Urnenwahlgrab für zwei Personen an einem Baum rund 400 Euro mehr bezahlen. Ab dem kommenden Jahr werden dafür 2695 Euro fällig. Weit teurer ist die Erdbestattung. Für eine Grabstätte mit zwei Plätzen werden inklusive Nebenkosten derzeit 6683 Euro berechnet, ab 1. März 2023 sind es 7620.

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