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»Demo an Jom Kippur ist eine Provokation« - Gegendemo zu »Querdenkern«

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Von: Michael Humboldt

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Als Antwort auf den Demonstrationszug von sogenannten Querdenkern gibt es auf dem Bahnhofsvorplatz in Bad Nauheim eine Gegenveranstaltung. (Archivfoto)
Als Antwort auf den Demonstrationszug von sogenannten Querdenkern gibt es auf dem Bahnhofsvorplatz in Bad Nauheim eine Gegenveranstaltung. (Archivfoto) © Nicole Merz

Ausländerbeirat, Antifa-BI und FDP zeigen sich empört wegen einer »Querdenker«-Demo am Mittwoch. Diese soll am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur durch Bad Nauheim ziehen.

Bad Nauheim – In der WZ-Ausgabe vom Samstag haben wir darüber berichtet, dass auf Mittwoch, den 5. Oktober, in diesem Jahr der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur fällt. Dieses Versöhnungsfest ist auch für die Jüdische Gemeinde Bad Nauheim ein strenger Ruhe- und Fastentag. »Wir beten an diesem Tag in der Bad Nauheimer Synagoge den ganzen Tag«, erklärte Manfred de Vries, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Gleichzeitig treffen sich am Mittwoch die sogenannten »Querdenker«, um zu den Themen »Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung sowie Lebenshaltungskosten und Verarmung« ihre Meinung zu verkünden. Zu der Versammlung werden rund 50 bis 150 Teilnehmer erwartet. Oft ist diese Gruppe auch im Umfeld der Synagoge schon mit Trommeln, Trillerpfeifen, Lautsprecheranlagen und lauten Parolen durch die Kurstadt spaziert, was allerorten für Empörung sorgt.

Demonstration in Bad Nauheim: »Herabwürdigung und Despektierlichkeit des jüdischen Feiertags«

»Erneut wird ein Demonstrationszug von sogenannten Querdenkern durch Bad Nauheims Straßen ziehen, begleitet von schrillem Getöse und Getrommel«, schreibt Sinan Sert, der Vorsitzende des Ausländerbeirates Bad Nauheim. »«Als städtisches Gremium teilen wir die Einschätzung der Rathausspitze, dass die angemeldete Versammlung eine Herabwürdigung und Despektierlichkeit des jüdischen Feiertages darstellt und Konfliktpotenziale provozieren kann«, betont Sert.

Er kritisiert außerdem, dass Teilnehmende jener sogenannter Querdenker-Demonstrationen nicht aus Bad Nauheim, sondern als semiprofessionalisierte Demo-Touristen von Aktion zu Aktion ziehen würden. »Sie stromern durch unsere Stadt in der Hoffnung, unser funktionierendes Miteinander zu stören. Dass sie sich von religiösen Feiertagen nicht abhalten lassen, zeugt von mangelndem Taktgefühl und Intoleranz«, macht der Ausländerbeirat-Vorsitzende deutlich. In diesem Zusammenhang erinnert er: »Explizit an Jom Kippur vor drei Jahren versuchte ein Rechtsextremist, die Synagoge in Halle zu stürmen, um alle darin zu töten, erschoss anschließend in seinem Terrorwahn zwei Menschen und verletzte Passanten im Glauben, es seien Migranten.«

Demonstration in Bad Nauheim: Dringlichkeitsantrag zum Thema für den Kreistag

Auch Julia Katharina Wintermeyer von der Antifa-BI zeigt sich empört: »Diese Menschen spazieren und lassen dabei lautstark Reden, unter anderem von Eva Herrman, über Lautsprecher abspielen.« Die Gruppe der sogenannten »Querdenker« würde nett wirken. Dabei sei es wichtig, genau hinzuschauen. Die Themen seien mittlerweile vielfältig. »Sie positionieren sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, denn es sei der Krieg der Ukraine. Dass Putin der Aggressor ist, wollen sie weder sagen noch hören.«

Auf Anregung des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Wetterauer Kreistag, Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn, hat die FDP gemeinsam mit CDU, SPD, Grünen und Freie Wählern einen Dringlichkeitsantrag zum Thema für den heute tagenden Kreistag eingereicht. Sowohl der FDP-Bundestagsabgeordnete Peter Heidt, als auch der Landtagsabgeordneter Hahn werden ab 18.30 Uhr an einer Gegendemonstration auf dem Bahnhofsvorplatz teilnehmen. (mi)

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