Ende Januar schließt die Sparkassen-Filiale im Parkstift Aeskulap. Die Schließfächer sollen bis Ende des kommenden Jahres erhalten bleiben.
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Ende Januar schließt die Sparkassen-Filiale im Parkstift Aeskulap. Die Schließfächer sollen bis Ende des kommenden Jahres erhalten bleiben.

Parkstift Aeskulap

Bad Nauheim: Sparkassen-Filiale schließt, Senioren verärgert

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Früher wurde persönlicher Service bei Regionalbanken großgeschrieben. Diese Zeiten sind vorbei, immer mehr Filialen werden geschlossen. Jetzt trifft es das Bad Nauheimer Parkstift Aeskulap.

Bad Nauheim – Im Carl-Oelemann-Weg, direkt am Stadtwald, verbringen 270 Senioren im KWA-Parkstift Aeskulap ihren Lebensabend. Sie genießen die idyllische Lage, wohnen aber auch weit weg von den Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsangeboten der Bad Nauheimer Innenstadt. Deshalb ist die kleine Sparkassen-Filiale in dem Wohn- und Pflegeheim von großer Bedeutung für die Senioren. Diesen außergewöhnlichen Service für die oft zahlungskräftige Kundschaft offeriert die Sparkasse Oberhessen dort seit der Eröffnung der Anlage Mitte 1983. Ende Januar wird die Zweigstelle aufgegeben.

Einen Kunden weniger wird das Kreditinstitut in Kürze definitiv haben. Denn Andreas Lorz, Leiter des Parkstifts und bisher ebenfalls Nutzer der Sparkassen-Dienstleistungen, wird seine Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmen beenden. Wie er im Gespräch mit der WZ deutlich macht, ist er nicht nur über die Entscheidung selbst, sondern auch über die Art der Kommunikation verärgert,

»Ich bin in der Bad Nauheimer Innenstadt von Bekannten auf die bevorstehende Schließung angesprochen worden. Bis dahin wusste ich von nichts. Die Verantwortlichen der Sparkasse haben es nicht für nötig gehalten, die Direktion oder die Bewohner persönlich zu informieren«, sagt der Leiter des Seniorenwohnheims. Inzwischen hat das Kreditinstituts einen Aushang an der Filial-Eingangstür angebracht, um auf die baldige Schließung aufmerksam zu machen.

Bad Nauheim: Aeskulap-Chef spricht von »Unding«

»Seitdem steht mein Telefon nicht mehr still. Bewohner beschweren sich, wollen etwas über die Gründe wissen und erfahren, wie es weitergeht«, sagt Lorz. Diese Fragen kann er nur unzureichend beantworten. Bereits Mitte Oktober habe er die Sparkassen-Verantwortlichen angeschrieben und ihnen ein Kompromiss-Angebot unterbreitet. Das Parkstift sei bereit, die Räume künftig mietfrei zur Verfügung zu stellen und die Nebenkosten zu übernehmen. Die Öffnungszeiten könnten halbiert werden. Bislang ist die Filiale, die fast ausschließlich von Bewohnern und Mitarbeitern des Parkstifts besucht wird, viermal wöchentlich jeweils zwei Stunden besetzt. Auf eine Antwort auf diesen Vorschlag wartet Lorz bis heute.

Die Vorgehensweise der Sparkasse bezeichnet er als »Unding«. Viele der Bewohner sehen das ähnlich, wollen nach Angaben des Aeskulap-Direktors Protestunterschriften sammeln. Möchten sie ab 1. Februar eine Sparkassen-Filiale aufsuchen, müssen die Senioren den recht weiten Weg in die Kurstraße in Kauf nehmen. »Die allermeisten Bewohner haben kein Auto, viele sind auf den Rollator angewiesen. Onlinebanking ist für die Senioren oft keine Alternative«, sagt Lorz.

Sparkassen-Schließung in Bad Nauheim: Service bleibt umfangreich

Auch Sicherheitsaspekte sprächen gegen die Schließung. Zum einen bestehe im Sparkassen-Center in der Kurstraße eine größere Corona-Ansteckungsgefahr, zum anderen könnten Senioren, die in der Innenstadt größere Mengen Bargeld bei sich führten, Opfer von Trickbetrügern oder Räubern werden.

Zahlreiche Bewohner seien aufgrund der Filiale Kunde der Sparkasse Oberhessen geworden. Für manche sei dieser Service mit ein Grund gewesen, sich am Rand des Hochwalds niederzulassen. Laut Lorz hat das Kreditinstitut unter den Bewohnern etliche Kunden. Bleibe es bei den Schließungsplänen, dürften es etliche weniger werden.

Sparkassen-Pressesprecher Eric Zimdars vermeidet bei der Beantwortung von WZ-Fragen zu diesem Thema das Wort »Schließung«. Stattdessen heißt es: »Unser Serviceangebot werden wir zum 1. Februar 2022 umstellen.« Die Niederlassung im Parkstift sei keine klassische Filiale, sondern ein Serviceangebot für Senioren. Aktuell würden die Bewohner in persönlichen Gesprächen über die Entscheidung informiert.

Online-affine Senioren?

Nach Angaben des Pressesprechers wird den Aeskulap-Bewohnern weiter ein umfangreicher Service geboten. Kunden werde zweimal im Monat kostenfrei Bargeld nach Hause geliefert. Unter einer Telefon-Hotline könnten werktags zwischen 8 und 20 Uhr zahlreiche Angebote genutzt werden. Das reiche von Überweisungen, Lastschriften und Daueraufträgen bis zur Sperrung von Karten. »Für persönliche Beratungen kommen wir nach Terminvereinbarung weiterhin zu den Bewohnern des Parkstifts nach Hause«, betont Zimdars.

Zudem hätten sich ältere Menschen durchaus als online-affin erwiesen. »Jeder dritte Kunde über 70 Jahre nutzt bereits unser Onlinebanking oder die Sparkassen-App.«

Nicht nur Bad Nauheim: Sparkassen-Filialnetz immer mehr ausgedünnt

Aus wirtschaftlichen Erwägungen schränken deutsche Banken ihren persönlichen Service in Filialen immer mehr ein. Als Argumente für diese Kostenersparnis werden unter anderem der scharfe Wettbewerb und der Strafzins, den die Europäische Zentralbank von den Kreditinstituten verlangt, ins Feld geführt. Diese Entwicklung läuft seit Jahren parallel zu dem Versuch, die Kunden vom Onlinebanking zu überzeugen.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank wurden 2020 deutschlandweit gut 2500 Standorte aufgegeben, etwa dreimal mehr als im Jahr zuvor. Besonders aktiv bei der Filialschließung sind die Großbanken, die im vergangenen Jahr 17,3 Prozent ihrer Filialen aufgegeben haben. Die Sparkassen (einschließlich Landesbanken) verfügen zwar nach wie vor über das dichteste Filialnetz, haben die Zahl ihrer Niederlassungen 2020 aber ebenfalls deutlich verringert - um 679 auf 8528.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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