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»Bad Nauheimer Zeitzeugen«: Spannende Geschichten über Promis

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Von: Bernd Klühs

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Passendes Ambiente: In der Trinkhalle der Trinkkuranlage können Besucher bald spannende Geschichten über »Bad Nauheimer Zeitzeugen« nachlesen. ARCHIVFOTO: HAU © Annette Hausmanns

An »Weltbad«-Zeiten erinnern die Verantwortlichen der Stadt Bad Nauheim gerne, um die Tourismus-Werbetrommel zu rühren. Bald wird das Marketing-Konzept um ein interessantes Projekt erweitert.

Großherzog Ernst-Ludwig von Hessen und der Architekt Wilhelm Jost haben Bad Nauheim in einen Jugendstil-Kurort verwandelt. Aufgrund des hervorragenden Rufs der Ärzteschaft fanden sich bereits vor 1912, als Sprudelhof und Trinkkuranlage fertiggestellt waren, etliche prominente Kurgäste ein. Nach der Einweihung dieser Gebäudekomplexe wurde die kleine Stadt in der Wetterau endgültig international bekannt. Die »Weltbad«-Epoche wird einen Schwerpunkt des neuen Projekts »Bad Nauheimer Zeitzeugen« bilden, mit dem das städtische Kulturamt Bewohnern und Besuchern die Geschichte der Stadt schmackhaft machen möchte. Die Grundlage dafür hatte das Parlament im Sommer vergangenen Jahres geschaffen.

Wie der zuständige Fachbereichsleiter Jochen Mörler in der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung erläuterte, werden Informationen über Personen, die für die Stadt von besonderer Bedeutung waren, digital und analog vermittelt. Er hat bei der Erarbeitung des inhaltlichen Konzepts auf das Fachwissen des Stadtarchivs und einer Historikerin zurückgegriffen. Vermittelt werden die Informationen mithilfe moderner Technik, die bereits in zahlreichen Museen zum Einsatz kommt. Innerhalb weniger Sekunden erhalten Interessenten Zugriff auf Text und Fotos. Laut Mörler werden nicht nur Fakten über die »Zeitzeugen« aufgelistet. »Wir wollen lesenswerte Geschichten erzählen, und davon gibt es in Bad Nauheim eine ganze Menge«, sagte der Fachbereichsleiter.

Postkarten und digitale Technik

Zum Beispiel die über Wilhelm Jost. Dem Können dieses Architekten hat die Stadt in erster Linie ihre Jugendstil-Bauten zu verdanken. Wie Mörler erzählte, sei Jost zunächst nur damit beauftragt worden, die vorhandenen Kuranlagen in Bad Nauheim zu erweitern. Nach einem Besuch in Karlsbad habe er die Pläne für eine umfassende Neugestaltung der Wetterauer Kurstadt mit Jugendstil-Gebäuden entwickelt und Großherzog Ernst Ludwig für dieses Mammutprojekt gewonnen. Mörler: »Eine großartige Geschichte. Jost hat sich im Badehaus 5 übrigens selbst abgebildet, wacht dort über sein Werk.«

Wilhelm Jost gehört zu den ersten zehn »Zeitzeugen«, die nach den Sommerferien in der Trinkhalle der Trinkkuranlage vorgestellt werden. Dort wird ein Ständer mit Postkarten zu jeder dieser zehn Personen stehen. Die Karten sind aufwendig gestaltet, zeigen vorne das Portrait des Prominenten, genannt werden Name, Funktion und Lebenszeit. Außerdem ist das Sprudel-Logo der Kurstadt zu sehen. Auf der Rückseite wird ein kleiner Stadtplan abgedruckt, zudem ein QR-Code, der den Nutzer zu einem Internet-Auftritt mit etlichen Infos über die Persönlichkeit führt. »Die Postkarte ist ein tolles Medium. Sie kann kostenlos mitgenommen werden«, erklärte der Fachbereichsleiter.

Neben dem Postkarten-Ständer werden ein Tisch und ein »intelligenter Beamer« zu finden sein. Wer die Wilhelm-Joste-Karte auf den Tisch legt, erhält automatisch die Geschichte über den Jugendstil-Architekten eingeblendet.

Drei Kaiserinnen sind mit dabei

Die Erstauswahl der »Zeitzeugen« umfasst auch bekannte Bad Nauheimer Ärzte, den Großherzog, Kurpark-Architekt Heinrich Siesmayer und die drei Kaiserinnen, die sich in Bad Nauheim zur Kur aufhielten: Sisi von Österreich, die russische Zarin Alexandra und die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria. »Bad Nauheim ist das einzige Drei-Kaiserinnen-Bad in Deutschland«, wies der Fachbereichsleiter auf einen besonderen Aspekt hin.

Als Standort für die »Bad Nauheimer Zeitzeugen« wurde die Trinkkuranlage auch deshalb gewählt, weil dadurch eine direkte Verbindung zum »Walk of Fame« geschaffen wird, der in der Rosenallee auf prominente Besucher und Bürger der Kurstadt hinweist. »Für den auswärtigen Betrachter ist die Bronzeplakette von Wilhelm Jost substanzlos, in der Trinkhalle bekommt er spannende Informationen dazu«, sagte der Fachbereichsleiter.

Für ihn und sein Team wird es in den Folgejahren schwierig sein, aus der Fülle der prominenten Besucher und wichtigen Bewohner der Stadt diejenigen auszusuchen, die aufgenommen werden. Denn das Projekt soll nicht nur als Anlaufpunkt für Touristen dienen, sondern auch bei Bad Nauheimern das Interesse an der lokalen Historie wecken.

Start nach den Sommerferien

Nach den Sommerferien startet das Projekt »Bad Nauheimer Zeitzeugen« mit einer Auswahl von zehn Persönlichkeiten. Aktuell wird der vorgesehene Standort, die Trinkhalle der Trinkkuranlage, nämlich saniert, der Zutritt ist nicht möglich. Mit ihrer Auswahl an prominenten Besuchern und Bürgern der Stadt möchte der Fachdienst Kultur & Sport verschiedene Themen abdecken, die für die Kurstadt von besonderer Bedeutung sind: Gesundheit und Kur, Jugendstil, Wissenschaft, Kultur, Politik sowie Elvis und seine Zeit. In den kommenden Jahren sollen jeweils zehn weitere »Zeitzeugen« hinzukommen. »Das kann ein sehr vielfältiges Projekt werden, an dem wir immer weiter arbeiten werden«, sagte Erster Stadtrat Peter Krank.

In die Ausstattung investiert die Stadt zunächst 15 000 Euro, dieselbe Summe muss jedes Jahr für die neuen »Zeitzeugen«-Geschichten aufgewandt werden. Da Postkarten-Ständer, Tisch und Beamer nicht viel kosten und wenig Platz benötigen, ist eine Ausweitung des Informationsangebots auf andere Standorte denkbar, etwa die Stadtbücherei oder die Tourist-Info.

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