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Die Macht der digitalen Oligarchen

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Von: red Redaktion

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Prof. Walter Simon © pv

Bad Nauheim (pm). »Die GAFAM-Krake« - so lautet der Titel eines neuen Buches des Bad Nauheimer Publizisten Prof. Dr. Walter Simon, das im BoD-Verlag erschienen ist. »GAFAM« ist das Akronym für Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Simon beschreibt diese Firmen als oligopolistische Marktbeherrscher mit weltumspannender Macht. Zwar unterscheiden sich ihre Geschäftsfelder, aber die digitale Überwachung von Nutzern und das Abgreifen von Daten zwecks Weiterverkauf an interessierte Unternehmen und Großorganisationen seien allen fünf gemeinsam.

»Es ist legitim, sie als Krake zu charakterisieren.«

Im ersten Teil seines Buchs beschreibt der Autor Entstehung und Entwicklung, Organisation und Angebote der »Big Five«. Die Leser erfahren wichtige Aspekte und Details, die einen tiefen Einblick in das Organisationsgefüge der digitalen Krake geben. Die Macht der »Big Five« beruht auf der Fähigkeit, exponentiell zu wachsen. Ihre wirtschaftliche Größe von knapp 9,31 Billionen US-Dollar (Stand 1/2022) macht sie zu »Torwächtern«, die den Zutritt in den Internetbereich kontrollieren.

Die Konkurrenz wird aufgekauft

Simon beschreibt, wie sie sich potenzieller Konkurrenten durch Aufkauf oder »Vernichtung« entledigen. Ihnen gehört ein Großteil der digitalen Infrastruktur. Ein nahezu wettbewerbsfreier Markt steht ihnen zur Verfügung. Dafür sorgt auch ihre Doppelrolle einerseits als Anbieter, andererseits als Vermittler von Waren und Leistungen. So hebt Amazon eigene Angebote zum Nachteil von Fremdanbietern besonders hervor. Simon: »Sie zwingen Nutzern ihre Bedingungen auf, steuern die Rahmenbedingungen des digitalen Marktes. Ihre globale Präsenz ermöglicht es, Steuern zu vermeiden. Tausende GAFAM-Lobbyisten wirken für einen beständigen Machtzuwachs.«

»Überwachungskapitalismus« lautet die Überschrift des zweiten Hauptteils des Buches. Der Autor zeigt, wie umfassend und tief die digitalen Techniken in die Lebensführung des Menschen, in seine Kommunikation, ja selbst in seine Gedanken und Gefühle eingreifen. Das ist das, worauf Amazon und Facebook letztendlich zielen. Sie wollen, wenn Smartphones und Laptops eingeschaltet sind, ein Gefühl der Zufriedenheit und Bequemlichkeit schaffen und so Gewöhnung und Abhängigkeit bewirken. Der damit verbundene Dopaminausstoß fördert die emotionale Abhängigkeit, steigert die Wirksamkeit der Werbebotschaften und ermöglicht das profitable Abfischen von persönlichen Daten.

Der heutige Mensch ist gezwungen, sich per E-Mail-Account in das Internet zu begeben. Anderenfalls droht ihm soziale Isolation. Bewerbungen oder Angebote ohne Angabe des E-Mail-Accounts oder der Webseite sind nutzlos. Simon: »Wir Menschen sind nicht nur im Netz, wir sind das Netz.« Je mehr Menschen eine Plattform nutzen, etwa Facebook oder Amazon, umso mehr steigert das die Anziehungskraft von Facebook & Co auf andere Menschen. Experten sprechen von sozialer Gravitation. Diese sorgt für einen unablässigen Fluss von Persönlichkeitsdaten an Industrie, Handel und Politik. Als Handelsgut dürften sie eigentlich nicht genutzt werden, das aber ignorierten die Techkonzerne. Simon schlussfolgert: »Im digitalen Zeitalter hat der Mensch die Selbstbestimmung über seine persönlichen Daten längst verloren. Er wird von den digitalen Saugnäpfen einer ihn steuernden Krake gefangen gehalten.« FOTOS: PV

Walter Simon: Die GAFAM-Krake, BoD-Verlag, Norderstedt, 182 Seiten, 21,50 Euro, ISBN 9783755777779.

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