1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Nauheim

Drohende Schließung in Bad Nauheim: Besitzer des »Fellini« kämpft für sein Lokal

Erstellt:

Von: Michael Humboldt, Nici Merz

Kommentare

_3aLOKFBN501-B_100445_4c
Pasquale Albergamo kämpft um seinen Lebenstraum, sorgt sich aber auch um seine vielen Mitarbeiter. Im »Fellini« treffen sich Jung und Alt und machen hier ein bisschen Alltags-Urlaub im Dolce Vita. © Nicole Merz

In Bad Nauheim musste der »Kuckuck« aufgeben, dem »Postwagen« droht die Schließung. Und nun ist auch dem »Fellini« die fristlose Kündigung ins Haus geflattert.

Bad Nauheim - In der vergangenen Woche hat Pasquale Albergamo die fristlose Kündigung für das »Fellini« in Bad Nauheim (Wetteraukreis) erhalten. Doch das klingt so unglaublich, dass wir diese Nachricht bei unserem Treffen erst einmal verdrängen inmitten der vielen Gäste, die sich an den Tischen fröhlich und angeregt unterhalten.

»Ich hatte den Traum von einem Kaffeehaus, das eine Begegnungsstätte für alle werden sollte. Dass ich das hier so umsetzen konnte und es ein voller Erfolg wurde, ist für mich natürlich immer noch eine große Genugtuung«, sagt Albergamo. Spürbar melancholisch schaut er sich um. Die Bilder an den Wänden mit Filmstars und anderen Legenden hatte er lange gesammelt und mit viel Liebe in unterschiedlichen Formen selbst eingerahmt. Die Möbel und das Interieur hat er an verschiedenen Plätzen entdeckt und für das »Fellini« zusammengefügt.

Dem „Fellini“ droht die Schließung: Nächstes Lokal in Bad Nauheim betroffen

In seinem früheren Leben hatte Pasquale Albergamo Großküchen und technische Geräte für die Gastronomie verkauft und dabei seinen Traum entwickelt. »Ich hatte rund 500 Kunden, habe sehr viel gesehen. Das Fellini ist die Vision, die aus all dem entstanden ist. Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht und wusste von vornherein, wie es aussehen sollte«, erzählt er. Die Räumlichkeiten hatte er 2010 übernommen vom Blumenhaus Dorothee Powilleit. Aus lauter Dankbarkeit für diese perfekte Umgebung hat er seiner Vorgängerin lebenslang 50 Prozent Rabatt im »Fellini« gewährt.

Auch Gäste aus der anspruchsvollen Mainmetropole haben oft schon bestätigt, dass das »Fellini« ein Café und Restaurant auf Großstadt-Niveau ist. »Wir haben hier ein vielseitiges Publikum. Es kommen Menschen aller Coleur, die in dieser Atmosphäre gut essen und sich unterhalten wollen und die aus allen Generationen stammen. Ältere Leute, die vielleicht einsam sind und sich hier aufgehoben fühlen. Aber auch jüngere Leute besuchen uns gerne. Und manchmal sitzen auch Schüler hier mittags und machen ihre Hausaufgaben«, erzählt der Chef stolz.

„Fellini“ in Bad Nauheim: Café auf Großstadt-Niveau

»Café und Vinoteca sind ein Ort der Begegnung, der Behaglichkeit und des Genusses - ein Stück Dolce Vita«, ist auf der Homepage zu lesen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Keine Frage, das »Fellini« ist mit hochwertiger Küche und fairen Preisen ein großer Teil der Lebensqualität geworden in Bad Nauheim. Am 31. Dezember 2025 wäre der Mietvertrag offiziell ausgelaufen und wohl sowieso nicht verlängert worden. In den letzten Tagen ist er zum 30. November 2022 fristlos gekündigt worden. Als Grund sei von der Vermieterin angegeben worden, dass die Hintertür im Sommer immer offen gestanden habe. Dieser Streitigkeit seien aber auch schon viele andere juristische Auseinandersetzungen über Lärm- oder Geruchbelästigung vorausgegangen, erklärt der Inhaber.

»Ich kann mich in meinem 70. Lebensjahr auch gerne zurückziehen. Doch natürlich werde ich keinen Nachfolger finden, wenn der Vertrag sowieso nicht verlängert wird. An mir liegt das alles nicht. Ich möchte nur nicht, dass das Fellini stirbt. Das ist mein Baby, sagt Pasquale Albergamo spürbar bewegt.

„Teil dazu beitragen, dass Bad Nauheim lebendig ist“: Inhaber des „Fellini“ will sich gegen Kündigung wehren

Zum einen sorgt er sich um die drohende »Friedhofsruhe« in der Bad Nauheimer Innenstadt, zum anderen betreibe er sein Kaffeehaus auch aus Loyalität zu seinen Mitarbeitern. Im Schnitt arbeiten 27 bis 28 jüngere Leute für ihn im Schichtdienst. Er selbst sieht sich als »Diener seiner Angestellten« und kämpft auf allen Ebenen für sie. »Ich wollte einfach einen Teil dazu beitragen, dass Bad Nauheim lebendig ist«, sagt er. Deshalb erhofft er sich auch von den Stadt-Verantwortlichen Rückenwind, die mit dem Programm Lokale Ökonomie das »Fellini« einst gefördert haben. »Mit einer pulsierenden Innenstadt ist Bad Nauheim letztlich auch für überregional tätige Unternehmen oder Kliniken noch attraktiver«, hieß es damals im Schreiben der Stadt.

Doch wie geht es nun weiter mit dem Fellini? Pasquale Albergamo und sein Anwalt werden Widerspruch gegen die fristlose Kündigung einreichen. An der Eingangstür sucht er gerade neues Personal, denn seinen Lebenstraum gibt er nicht auf. (Nici Merz und Michael Humboldt)

Hier kauften schon Sissi und Elvis ein: Traditionsladen in Bad Nauheim schließt.

Auch interessant

Kommentare