1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Nauheim

»Die Situation ist frustrierend und erschöpfend« - Gastronomie in Corona-Zeiten

Erstellt:

Von: Sophie Mahr

Kommentare

smf_restaurant3_031221_4c_1
Petro Drogkogias wartet in seiner »Taverne Nikos in der Taunusklause« auf Gäste, doch noch ist keiner da. Zurzeit kommen wieder weniger Gäste. © Nicole Merz

Die vierte Corona-Welle flutet weiter das Land. Bund und Länder treffen sich vermehrt und diskutieren über Regeländerungen. Die Sorgen des Einzelnen wachsen - auch in der Wetterau. Wie ist die Lage bei den heimischen Gastronomen?

Bad Nauheim - »Die Leute haben immer mehr Angst«, sagt Dominico Ferraro, Sohn von Salvatore, dem Inhaber des Restaurants Adria in Bad Nauheim. Es sei weniger zu tun als noch vor ein paar Wochen. »Und es wird immer mehr storniert. Nicht nur Weihnachtsfeiern, sondern auch im Alltag«, sagt Ferraro. Da die Familie regelmäßig für das Tagesgeschäft einkaufe, könne sie bisher gut reagieren. »Wir wissen vom vorherigen Lockdown, was geht, und kaufen wieder mehr für Nudel- und Pizzagerichte«, sagt Ferraro. »Wir können nur abwarten und reagieren.«

Die Adria ist ein kleiner Familienbetrieb, und daher habe man im vergangenen Jahr keinen Mitarbeiterwechsel gehabt. Falls ein Lockdown kommt, will die Familie auf einen Lieferservice umstellen, sagt Ferraro. »Das lief beim letzten Mal okay.«

Wetterauer Gastronom »Geschäft ist sehr kurzfristig«

Die vierte Welle der Pandemie spürt auch Sebastian Dieckhoff, Inhaber des Bad Nauheimer Teichhauses. Unter 2G könnten derzeit um die 70 Personen dort essen. Doch »das Restaurant ist dauerhaft leer«. Und das seit Anfang Oktober. Da mache ein Lockdown fast keinen Unterschied mehr. »Natürlich wäre es besser, wenn das Leben normal weiterlaufen würde. Aber aus pandemischer Sicht würde es nicht schaden, wenn alle mal 21 Tage zu Hause bleiben würden.«

Das Geschäft sei zudem sehr kurzfristig. »Früher konnte man für zwei Wochen im Voraus planen, inzwischen nur noch für zwei Tage«, sagt Dieckhoff. Im Teichhaus seien alle Weihnachtsfeiern abgesagt. Vor zwei Jahren seien um die 60 gefeiert worden. Seit Corona nicht eine.

Gastronomie in der Wetterau: Mehr Bestellungen für Abholservice

Falls es zum Lockdown kommt, hat Dieckhoff eine Alternative: »Unser Kiosk bleibt zum Abholen geöffnet.« Zurzeit sei auch Gans-to-go wieder im Angebot. »Diejenigen, die das im vergangenen Jahr probiert haben, haben es auch dieses Jahr wieder bestellt.«

In der Friedberger Taverne Nikos ist die Situation ähnlich. »Diese Woche habe ich es extrem gemerkt«, sagt Petro Drogkogias. »Am Samstag waren zwar alle Tische besetzt, aber nur in Zweiergruppen.« Es kämen wieder weniger Gäste. Im Gegenzug würden die Bestellungen zur Abholung mehr werden. Dieses Angebot biete Drogkogias im Falle eines Lockdowns weiter an. »Ich glaube, der wird kommen. Aber die laufenden Kosten müssen gedeckt werden.« Corona-Hilfen habe er bisher keine bekommen. »Ich habe vergangenes Jahr am 28. Oktober eröffnet und am 2. November kam der Lockdown.«

Drogkogias ist unsicher, ob er, falls sich die Situation wiederholt, einen Lieferservice einrichtet. »Dafür müsste ich noch jemanden einstellen. Und meine Gerichte sind keine typischen Liefergerichte. Ich mache mir keine Gedanken mehr und lasse es einfach auf mich zukommen.«

Gastronomie im Wetteraukreis: Noch immer Personalschwierigkeiten

Auch im Süden der Wetterau bei »deftig&fein« in Karben ist die Lage nicht einfach. »Wir arbeiten immer mit Maske«, sagt Anja Kohler, die Geschäftsführerin. Das komme bei den Kunden gut an. »Es gilt safety first. Viele lassen lieber eine Weihnachtsfeier ausfallen.« Derzeit würden hauptsächlich Firmengruppen absagen.

Auch Köhler hat den Lockdown-Gedanken im Hinterkopf. »Die Zahlen im Wetteraukreis sind im Vergleich noch stabil, aber man fürchtet Einschränkungen.« Im Falle des Falles werde auf Abholungen umgestellt. Ein Lieferservice sei für »deftig&fein« nicht möglich. »Im ersten Lockdown haben wir noch geliefert, doch die Personalsituation hat sich geändert. Es fehlen helfende Hände, um das wieder anzubieten.« Bei der unsicheren Lage bleibe es schwierig, Personal zu finden.

Essen gehen in Hessen: Kein 2G-plus mehr möglich

Die Planungsunsicherheit sieht auch Julius Wagner, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Hessen, als ein großes Problem. »Wir sind grundsätzlich erleichtert, dass die 2G-Regel bestehen bleibt«, sagt Wagner zu den neusten Änderungen. Doch zum Unverständnis der DEHOGA werde das 2G-plus-Optionsmodell (also geimpft, genesen und zusätzlich getestet) für die Gastro in Hessen abgeschafft. Wer damit gearbeitet hat, konnte unter anderem mehr Personen in die Gaststätte lassen. »Für diejenigen, die das Modell genutzt haben, ist das ein herber Schlag«, sagt Wagner. Denn die müssten nun, in einer Zeit, in der viel abgesagt werde, von sich aus stornieren. »Die Situation ist frustrierend und erschöpfend.« Wagner blickt sorgenvoll auf die nächsten Beschlüsse.

Das gilt ab Sonntag für die Gastronomie in Hessen

Nach Informationen des Landes Hessen gilt ab Sonntag (05.12.2021) für Gaststätten, Hotels, Eisdielen, Eiscafés und andere Gewerbe, dass sie Speisen und Getränke

zur Abholung oder Lieferung anbieten dürfen, wenn ein Abstands- und Hygienekonzept vorliegt und umgesetzt wird.

zum Verzehr vor Ort anbieten dürfen, wenn sichergestellt ist, dass in der Innengastronomie nur Personen mit einem sogenannten Negativnachweis - Impfnachweis, Genesenennachweis oder im Fall, dass jemand nicht geimpft werden darf, ein ärztliches Attest mit zusätzlichem Negativtest) eingelassen werden und ein Abstands- und Hygienekonzept vorliegt und umgesetzt wird.

Für Veranstaltungen in Gaststätten und Betrieben gelten die gesonderten Corona-Regeln für Veranstaltungen allgemein.

Eventuelle Änderungen durch Anpassungen der Corona-Regeln aufgrund eines möglichen Anstiegs der Hospitalisierungsrate hat das Land noch nicht (Stand: 02.12.2021) veröffentlicht.

Auch interessant

Kommentare