Oft in der Heimatstadt

Dieter Wedel hinterlässt in Bad Nauheim viele Spuren

  • Michael Humboldt
    VonMichael Humboldt
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Nach langer Krankheit ist Dieter Wedel verstorben. Der Regisseur aus Bad Nauheim hinterlässt nach seinem Tod Spuren in seiner Heimatstadt.

Bad Nauheim - Dieter Wedel ist tot und hinterlässt in Bad Nauheim viele Spuren. Der Regisseur war in seiner Heimatstadt stets verwurzelt und hat ihr regelmäßige Besuche abgestattet. Im leuchtenden Sommer oder im bunten Herbst, wenn die Bad Nauheimer ihre Runden durch den Park und um den Großen Teich drehen, fiel er vielen Besuchern sofort auf.

Denn er war einer, den man aus Film, Fernsehen und allen Gazetten kannte und der zwischen Enten und Kurhaus-Terrasse als Promi gleich zu erkennen war. Dieter Wedel war in seiner Heimatstadt stets verwurzelt und hat ihr regelmäßige Besuche abgestattet.

Regisseur aus Bad Nauheim: Spuren von der Wetterau bis in alle Welt

So erinnern sich viele noch heute an ein Geschäft, das seine Eltern in der Kurstraße einst betrieben haben. Nicht umsonst hinterließ der erfolgreiche Film- und Fernseh-Autor hierzulande auch beruflich eindrucksvolle Spuren in der Wetterau.

Der vielleicht größte Publikums-Erfolg war denn auch sein TV-Mehrteiler „Der Schattenmann“, bei dem in einer spannenden Handlung alle Ermittlungserfolge der Frankfurter Polizei auf dem Johannisberg erkannt wurden. Ein tolles TV-Panorama machte bei diesem Quoten-Erfolg Bad Nauheim über alle Grenzen bekannt.

Promi aus der Wetterau: Dieter Wedel war immer ein gern gesehener Gast

„Dieter Wedel war über Jahrzehnte bei uns zu Gast, und er liebte vor allem unsere Ananas-Törtchen“, erinnert sich Manfred Humboldt, Mitinhaber vom Café Müller am Aliceplatz, an die unzähligen Besuche des Promis. Klar, dass auch im Kurstadt-Cafe Mitgefühl und Trauer nach dem Tod des Filmemachers spürbar sind. Denn wer weiß, welche Erfolge Bad Nauheim den Wurzeln des Künstlers noch zu verdanken hat. Gut möglich, dass Dieter Wedel auch den legendären „Großen Bellheim“ mit den Schauspiel-Stars Will Quadflieg, Mario Adorf, Hans Korte und Heinz Schubert in Erinnerung an ein legendäres Kaufhaus in seiner Heimat kreiert hat.

Manfred Humboldt und Susanne Grimmel vom Café Müller erinnern sich gerne an den prominenten Stammgast.

„Unser ehemaliger Metzgermeister Gerd Schröder aus der Altstadt war damals in der Schulklasse von Dieter Wedel“, erinnert sich Manfred Humboldt an die unzähligen Begegnungen mit dem Promi, der am 12. November 1939 geboren wurde und sich dem Vernehmen nach drei Jahre älter machte, um seine erste Regie zu bekommen.

Der Starregisseur und seine dunkle Seite: Vorwürfe von sexualisierter Gewalt haben sich zuletzt gehäuft

Dieter Wedel war der Sohn des 1957 verstorbenen Ingenieurs Karl Wedel, dem Besitzer einer Lederwarenfabrik. Seine Mutter Ada, geborene Stroh, trat unter dem Künstlernamen „Ada Torana“ als Pianistin auf, heißt es in seiner Biografie. Im Rahmen seiner Schulzeit an der Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim inszenierte der früh Begabte schon im Jahr 1957 im Kurhaus der Stadt sein erstes Theaterstück, das Drama Massada. Im Alter von 17 Jahren war er zudem noch hessischer Tennis-Jugendmeister.

In den letzten Jahren überschatteten Negativ-Schlagzeilen die leuchtende Karriere des heimischen Stars. Einige Schauspielerinnen sowie ehemalige Mitarbeiter warfen dem Regisseur gewalttätige und sexuelle Übergriffe vor, die er in den 1990er-Jahren begangen haben soll. Dieter Wedel widersprach den Aussagen der Frauen und gab „eine eidesstattliche Erklärung“ zu den Anschuldigungen ab, die ihn entlasten sollte. Doch es ist zu befürchten, dass Dieter Wedel den letzten Frieden nach schwerer Krankheit im Herzen nicht mehr gefunden hat. Seine künstlerische Leistung wird ihn aber noch lange überleben.

Star aus Bad Nauheim: Das Geburtsjahr des Regisseurs war häufig Thema

Gerade in Bad Nauheim, wo Dieter Wedel seine Kinder- und Jugendjahre verlebt hat, war sein Geburtsjahr früher des Öfteren ein Thema - nicht zuletzt bei den Bad Nauheimern, die mit ihm die Schulbank gedrückt hatten. 1998, in einem Interview mit dem damaligen WZ-Redaktionsleiter Knut-Werner Cherubim, hatte der Starregisseur erklärt, er habe die Grundschule übersprungen und sei auf dem Gymnasium deshalb mit Abstand der Jüngste in seiner Klasse gewesen.

Stets gab er an, 1942 geboren zu sein. Nur einzelne Medien wie die Tageszeitung Die Welt würdigten den Macher zahlreicher bekannter Fernsehfilme und -serien bereits 2009 zu dessen 70. Geburtstag. Der Verfasser des Artikels hatte damals auch einen Beleg zur Hand: Wedels Doktorarbeit von 1965, die mit einem von ihm selbst verfassten Lebenslauf versehen ist. Darin wird das Geburtsdatum 12. November 1939 genannt - ein Datum, das nun auch das Münchner Landgericht in seiner Veröffentlichung der Todesnachricht bestätigte. (Michael Humboldt)

Rubriklistenbild: © Michael Humboldt

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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