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Einfach dazugehören: Bad Nauheimer Inklusionstage großer Erfolg

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Lerntrainerin Inka Kamradt macht bei den ersten Bad Nauheimer Inklusionstagen auf Angebote des Müfaz aufmerksam, etwa zum Thema »Besser lesen und schreiben«. FOTOS: IHM © Petra Ihm-Fahle

Bad Nauheim ist in Sachen Inklusion nachhaltig unterwegs. Das Ziel: einen gesellschaftlichen Wandel und Sensibilität für das Thema erreichen. Ein großer Erfolg: die Inklusionstage.

Bad Nauheim - Zart klimpert die Harfe durch den Saal in der Trinkkuranlage. »Dagmar Hoffmann spricht mit ihrem Instrument eine Sprache, die jeder versteht«, sagt Ute König, die bei der Stadt Bad Nauheim für Inklusion zuständig ist. Die Lesung »Federleicht - Texte für ganz viele« steht gerade auf dem Programm der ersten städtischen Inklusionstage. Am Nachmittag machten bereits die Stadtbücherei und das Mehrgenerationenhaus des Mütter- und Familienzentrums (Müfaz) Angebote. Gaëlle Götz, Leiterin der Stadtbücherei, hatte Bücher in leichter Sprache mitgebracht.

»Ich habe 2017 eine Fortbildung zu dem Thema gemacht«, erzählt sie. Damals kaufte sie einen kleinen Bestand ein, den die Bücherei jedes Jahr um einige Titel erweitert. Leichte Sprache eignet sich Götz’ zufolge nicht nur für Menschen, die schlecht lesen können. »Es ist auch interessant für Personen mit Hörschwäche oder Migrationshintergrund, die Deutsch noch nicht richtig beherrschen.« Götz stellte auch die digitalen Angebote der Stadtbücherei vor, etwa den Brockhaus mit vielen gut verständlichen Infos und Lernprogrammen.

Abends ist etwas mehr los als nachmittags, als drei Frauen Vorträge in leichter Sprache halten. Krimiautorin Jule Heck steuerte die Erzählung »Der Überfall« bei, Journalistin und Poetin Hanna von Prosch eine einfach geschriebene Reportage über den Greifvogelpark sowie zwei Gedichte. Märchenerzählerin Rita Mewes ist mit »Der Wasserkrug« dabei. »Im Park am Bahnhof in Bad Nauheim könnt ihr jetzt Greifvögel besuchen«, zeigt von Prosch, wie ein Artikel auch ganz einfach anfangen kann.

Kostenlose Kurse der Alphadekade

Jule Heck beginnt stimmungsvoll: »Die Nacht ist da. Es ist dunkel.« Und Rita Mewes fängt mit den Worten an: »Es war einmal eine alte Frau. Jeden Tag holt sie Wasser am Fluss.« Ute König, Namensvetterin der Organisatorin, prüfte die Texte vorab - sie ist vom Wetterauer Büro für leichte Sprache. Unter den Zuhörenden ist auch die Lerntrainerin Inka Kamradt, sie ist Kursleiterin im Müfaz und war nachmittags Ausstellerin. »Wir bieten im Rahmen der Alphadekade Kurse an, unter anderem ›Besser lesen und schreiben‹", sagt sie. Die Alphadekade ist ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, um die Grundbildung voranzubringen. »Dadurch können wir die Kurse auch kostenlos anbieten.« Jeder, der möchte, kann teilnehmen und jederzeit einsteigen. »Wenn die Menschen kommen und merken, dass die Atmosphäre nett ist und da andere sind, die auch ihr Päckchen zu tragen haben, gehen sie freudestrahlend nach Hause.« Dienstags von 16.30 Uhr bis 18 Uhr ist der Kurs terminiert,

Tags darauf steigt die Lesung »Ausgewundert« einer Autorinnengruppe, die über ihre erste Zeit in Deutschland berichtet. Mit ihren Geschichten berühren Mahnaz Jafary, Lamia Mekhael-Maksso, Alena Nemudrova und Maria Wierz die Herzen des zahlreich erschienenen Publikums. »Das passt einfach zusammen in das Bild von Inklusion: Die Frage ›Wie geht es mir, wenn ich in der Fremde ankomme.‹ Wir wollen jedem Menschen die Teilnahme ermöglichen - ob er nun die Sprache noch nicht versteht, ob er keine finanziellen Möglichkeiten oder eine Behinderung hat«, sagt König.

Jochen Mörler (Fachbereichsleiter Soziales) schildert: »Ursprünglich wollten wir 2020 einen Inklusionskongress machen, der corona-bedingt ausfiel.« Nun, nachdem der Verlauf der Pandemie es zulässt, hätten die Verantwortlichen gedacht: »So etwas Großes wird wohl noch nicht funktionieren, deshalb setzen wir mal mit den Inklusionstagen an.« Für nächstes Jahr ist laut Mörler eine Inklusionswoche geplant. Die Stadt mache auch die Plakatkampagne zur Inklusion. Mörler: »Wir glauben, man muss Menschen immer wieder damit berühren und sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass Inklusion einfach dazu gehört.«

Drei Fragen an Ute König

Sie bringen gerade einen Podcast zum Thema Inklusion auf den Weg. Wie kamen Sie auf die Idee?

Als ich mich im Inklusionsbüro eingearbeitet habe, habe ich gemerkt, in Bad Nauheim gibt es schon viel Gutes zum Thema. Diese Dinge möchte ich im Podcast darzustellen, der demnächst über Homepage der Stadt abrufbar ist.

Wieso haben Sie sich für das Format entschieden?

Es ist sehr zeitgemäß, viele Menschen hören das mittlerweile beim Autofahren oder beim Spülen. Es sind leicht zugängliche und »corona-konforme« Informationen.

Wie lange dauern die Folgen?

Die Folgen dauern von 20 bis höchstens 30 Minuten. Die erste ist mit Inka Kamrath.

Ute König ist Mitarbeiterin des Bad Nauheimer Familienbüros und für den Bereich Inklusion zuständig. ihm

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