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Ewige Metamorphose

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Von: Annette Hausmanns

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Die Gäste lauschen dem Spiel des Percussion-Ensembles mit (v. l.) Felix Herbst, Alexander Fry und Nico Rasch. © Annette Hausmanns

Bad Nauheim (hau). Ein Glockenton durchdringt den Wald, schwingt hinüber zu Xylofon und Kastagnetten, Trommeln und Becken, versunken ins »Gespräch zwischen drei gescheiten Personen«, wie Dr. Friedhelm Häring die Percussion-Performance zum Auftakt der Hommage an Gerhard Burk kurz darauf charakterisieren wird.

Wie die vielen Umstehenden im Skulpturenpark zeigte sich der geistreiche Laudator beeindruckt von der Klangreise dreier Musiker mit Wurzeln in der Musikschule Bad Nauheim.

Auch Gerhard Burk, selbst Schlagzeuger und in engem Kontakt zur Musikschule, wäre begeistert gewesen, versicherte Häring.

»Irgendwann sind Worte zu Ende, dann gibt es nur noch Schwingungen.« Im Skulpturenpark sei durch den Bildhauer Gerhard Burk etwas in Liebe entstanden, ein magischer »Landeplatz für Gedanken, der bewahrt und weitergetragen werden soll«, lud Häring ein und freute sich über die riesige Resonanz. Kollegen aus aller Welt seien gekommen und hätten ihre Schaffenskraft hier entfaltet - »an einem Ort, dessen Besonderheit viele lange nicht begriffen«.

Der Liebhaber der Künste unterhielt die Gäste des außergewöhnlichen Festaktes, zu dem Liss Burk als Hommage an ihren verstorbenen Mann eingeladen hatte, mit Skizzen aus dem bewegten Bildhauer-Alltag, er würdigte die versammelten Werke und lenkte den Blick auf die ewige Metamorphose und die Gedanken der Freiheit, die Burk mit ungeheurer Konsequenz gelebt habe.

»Aus unendlichen Sehnsüchten steigen endliche Taten wie schwache Fontänen«, zitierte er Rilke und schlug den Bogen zu irdischem Stückwerk, tanzenden Tränen gleich. Was Burk schuf, habe von Beginn an buchstäblich Hand und Fuß gehabt, rief Häring in Erinnerung. »Für seine spinnerten Ideen haben wir ihn alle geliebt!«, seien sie doch auf den anderen zugelaufen und nicht um sich selbst gekreist. »Sitzweise sinnlich« beispielsweise mit unterschiedlichsten Stühlen, »Resonanzkörpern menschlicher Befindlichkeiten« oder »Arschfesseln der Menschen«, wie Burk es ausdrückte.

Mit Blick auf Gastkünstler Bruno Feger schwärmte Häring von dessen Epitaph für Gerhard Burk: eine vom fest verwurzelten Stängel gefallene Tulpenblüte, eine in Stahl gefasste Versinnbildlichung der Vergänglichkeit, ein Fingerzeig gen Himmel. »Tu fai nel ciel« (aus Bellinis »Norma«) schrieb Bruno Feger seiner Hommage an Gerhard Burk zu, ein kraftvoller Gedanke zur Schaffenskraft im Himmel.

Alles sei in diesem erschütternd schönen Gedächtnismal enthalten, fand Laudator Häring bei Hesse die richtigen Worte: »Wie jede Blüte welkt und jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch und jede Tugend zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.« Und, dem Künstler und Menschen Gerhard Burk regelrecht auf den Leib geschrieben: »Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.« Unter herzlichem Beifall rief Häring »Gerhard, ich danke Dir für die vielen schönen Stunden!« und hob sein Glas lachend gen Himmel.

Zuvor hatte Erster Stadtrat Peter Krank mit seinem Grußwort berührt.

Er ging ein auf den außergewöhnlichen Menschen Gerhard Burk, der Bad Nauheim reich beschenkt habe. Künstler und Besucher aus aller Welt seien gekommen, »um an diesem fast magischen Ort, in der engen Verbindung zwischen Kunst und Natur, Kraft und Inspiration zu tanken«.

Der Kulturdezernent zeigte sich dankbar, dass Gerhard Burks Witwe die Tradition des Bad Nauheimer Skulpturenparks fortsetze. Über seinen Tod hinaus wirke Gerhard Burk »in unsere kleine städtische Gesellschaft hinein« und weit darüber hinaus.

»Ich möchte Künstler Gerhard Burk an dieser Stelle ausdrücklich meine Anerkennung und meinen Respekt zollen für die Vision, die er als Künstler entwickelt und umgesetzt hat«, sagte Krank. Er dankte abschließend Liss Burk für die Unterstützung und die Wiederbelebung der Initiative Skulpturenpark. »Ebenso wie Ihr Mann es war, liebe Frau Burk, sind Sie ein Geschenk für unsere Stadt!«

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Das Epitaph von Bruno Feger für Gerhard Burk im Kreise bereits stehender Werke. © Annette Hausmanns
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Liss Burk (l.) und Dr. Friedhelm Häring nach dessen Laudatio. © Annette Hausmanns

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