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Gefährliche Brennhaare im Bad Nauheimer Kurpark

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Von: Larissa Wolf

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Etwa 60 Raupen des Eichenprozessionsspinners bahnen sich ihren Weg durch den Bad Nauheimer Kurpark. © pv

Der Eichenprozessionsspinner ist im Kurpark gesichtet worden. Nicht nur für Allergiker kann das zum Problem werden. Im Rathaus weiß man Bescheid.

»Ich konnte eine Prozession von circa. 60 Individuen des Eichenprozessionsspinners beobachten, die sich am nordwestlichen Ende des großen Teiches in Höhe ›Teichblick‹ von den auf der westlichen Seite des Weges stehenden Eichen in Richtung See auf den Weg gemacht hatte und den Weg kreuzte«, schreibt ein Leser dieser Zeitung. Zufällig sei ein Mitarbeiter vom Kur- und Servicebetrieb vorbeigekommen, der die Raupen eine nach der anderen mit einer Greifzange in einen mitgebrachten Müllsack verfrachtet habe.

Die sehr feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein Eiweißgift namens Thaumetopoein. Sie sind innen hohl und brechen leicht. Dabei setzen sie eine Brennsubstanz frei, die bei direktem Hautkontakt Rötungen, Quaddeln, insektenstichähnliche Knötchen oder gar eine Dermatitis (Hautentzündung) auslösen können. Dies kann beim Menschen eine Raupendermatitis auslösen. Die fast unsichtbaren Brennhaare dringen leicht in Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest. Für den Menschen gefährlich sind die Haare des dritten Larvenstadiums im Mai und Juni.

Probleme sind im Rathaus bekannt

Die Problematik mit dem Eichenprozessionsspinner, insbesondere im Monat Juni, ist der Stadtverwaltung bewusst. »Wir lassen die Nester des Eichenprozessionsspinners an stark besuchten Stellen entfernen«, erklärt Bürgermeister Klaus Kreß. Dazu zählten beispielsweise der Kurpark, die Spielplätze und auch die Außenbereiche der Kitas. Dort würden die Nester, sofern es zu einem Befall gekommen sei, von einem Fachunternehmen abgesaugt und die Raupen teilweise händisch entfernt. Zur Prophylaxe würden bereits im Frühjahr an stark frequentierten Orten die Bäume mit einem biologischen Mittel behandelt.

Im Wald jedoch sei diese Vorgehensweise aufgrund von Kapazitäten nicht umsetzbar, weshalb zur Sensibilisierung der Bevölkerung Hinweisschilder aufgestellt worden seien. »Ein vollständiges Beseitigen ist im Wald nicht möglich, daher werden die Waldbesucher zu umsichtigen Verhalten gebeten«, sagt Kreß.

Ein direkter Kontakt zu den Larven sei unbedingt zu vermeiden. Man müsse damit rechnen, dass einzelne Brennhaare der Raupen durch die Luft schweben, was besonders für Allergiker ein Problem darstellen kann.

Von einer solchen Reaktion berichtet auch der WZ-Leser, dessen 21-jähriger Nachbar einen anaphylaktischen Schock erlitten habe. »Er hat seinen kleinen Bruder zum Spielen auf den Bolzplatz Bodestraße begleitet, als er mit Atemnot und Gesichtslähmungen sowie Schwellungen am ganzen Körper vom herbeigerufenen Notarzt behandelt werden musste.« Eine allergie-supprimierende Behandlung habe den jungen Mann rasch stabilisieren können, zur weiteren Untersuchung und Überwachung sei er dennoch ins Hochwaldkrankenhaus eingeliefert worden. »Dort geht man davon aus, dass eine Kontaktallergie durch die Härchen des Eichenprozessionsspinners ausgelöst wurde«, schreibt der Leser.

Bislang sei das Wissen über die von dem Insekt ausgehende Gefahr in der Bevölkerung kaum vorhanden, denkt er. »Es scheint ratsam, hier Bewusstsein zu schaffen.«

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