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Stadt sagt Licht- und Wassershow „Elementaro“ ab - Veranstalter fühlt sich „vor den Kopf gestoßen“

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Von: David Heßler

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Bunt erleuchtete Wasserfontänen tanzen 2019 rhythmisch zum Takt der Musik. Eine Wiederholung von »Elementaro« in Bad Nauheim wird es nicht geben. (Archivfoto)
Bunt erleuchtete Wasserfontänen tanzen 2019 rhythmisch zum Takt der Musik. Eine Wiederholung von »Elementaro« in Bad Nauheim wird es nicht geben. (Archivfoto) © Corinna Weigelt

Die drohende Trinkwasserknappheit zwingt die „Elementaro“ in Bad Nauheim in die Knie. Das Spektakel wird erneut nicht Tausende Touristen anlocken.

Bad Nauheim – Meterhohe Fontänen, während das Trinkwasser knapp wird. Eine aufwendige Lichtshow, während die Stadt ihre Straßenlaternen dämmt, um Energie zu sparen. Das passt aus Sicht des Magistrats der Stadt und des Aufsichtsrats der Stadtwerke nicht zusammen.

Man habe entschieden, die Wasser- und Lichtshow »Elementaro« abzusagen, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Veranstalter aus Bad Nauheim fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

„Elementaro“ in Bad Nauheim: Trinkwasserknappheit zwingt Event in die Knie

Vom 9. bis 11. September sollte das groß angelegte Zusammenspiel von Wasser, Feuer, Licht und Laser an der »Langen Wand«, den Gradierbauten IV und V an der Schwalheimer Straße, für Unterhaltung sorgen. Zweimal schon war das für 2020 geplante Event wegen der Pandemie verschoben worden.

Jetzt das endgültige Aus: »Aufgrund der angespannten Situation auf dem Energiemarkt, insbesondere der drohenden Gasmangellage, sowie der Trinkwasserknappheit im Wetteraukreis kann mit der Elementaro GmbH als Veranstalter kein Nutzungsvertrag für das Gelände am Gradierwerk geschlossen werden«, teilen Stadt und Stadtwerke mit, die zugleich Hauptsponsoren der Veranstaltung waren. Man bedaure die Absage, wird Stadtwerke-Chef Thorsten Reichel zitiert. »Aber sie ist das richtige Signal der Stadt an die Bürgerinnen und Bürger. Energiesparen bleibt das Gebot der Stunde.«

Im Frühjahr klang das noch anders. In einer Pressemitteilung lobte Reichel das bereits angepasste Konzept: »Wir sind stolz darauf, dass wir einen Weg der umweltverträglichen Brauchwassernutzung gefunden haben. So schonen wir gerade in der heißen Jahreszeit den Trinkwasserverbrauch und führen das Brauchwasser dem natürlichen Kreislauf zurück.« Angedacht war, das Becken mit Wasser aus der Usa zu füllen und dieses dann wieder zurückzupumpen. In der gestrigen Mitteilung nun verweisen die Stadtwerke auf die 2021 eingeführte, seitdem auf »gelb« stehende Wasserampel der Ovag.

„Elementaro“ in Bad Nauheim: Absage für Veranstalter ein „Schlag in die Magengrube“

Für Eric Friedrich und Eike Kuschmierz, Geschäftsführer der Elementaro GmbH, sei die Absage denn auch »ein Schlag in die Magengrube«. Bis zuletzt habe man in Abstimmung mit Stadt und Stadtwerken daran gearbeitet, den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Er fühle sich vor den Kopf gestoßen, sagt Kuschmierz dieser Zeitung. Drei Jahre habe man gemeinsam auf das Event hingearbeitet, und seine Veranstaltungsagentur sei stets im Glauben gelassen worden, dass der Nutzungsvertrag auch zustandekommen werde. Es seien bereits Verträge mit 20 Eventpartnern geschlossen worden. »Diese Kosten werden wir nun trotzdem tragen müssen.«

»Das Risiko liegt gänzlich bei uns«, ärgern sich die beiden Unternehmer über die Absage durch die Stadt. Rechtliche Schritte werde man prüfen. »Aber eigentlich möchte man die eigene Stadt ja nicht verklagen«, sagt Kuschmierz. Zuletzt hatte »Elementaro« die tägliche Licht- und Lasershow beim Steinfurther Rosenfest präsentiert. Die Stadt hatte auch das Konzept der Show an der »Langen Wand« immer wieder gelobt.

„Elementaro“ in Bad Nauheim: 7000 verkaufte Tickets behalten vorerst Gültigkeit

Als Schirmherr der Veranstaltung sollte Bürgermeister Klaus Kreß fungieren. Ihm machen die beiden Unternehmer den Vorwurf, die Absage als »Kurzschluss-Entscheidung« forciert zu haben: »Wie sich die Meinung des Bürgermeisters von völliger Begeisterung zu konsequenter Verneinung ändern kann, irritiert.« Die Großveranstaltung in ihrer Heimatstadt hätte zahlreiche Touristen angezogen und auch die Kultur in der Region belebt, sind sich Friedrich und Kuschmierz sicher. »Gerade in Zeiten der Krise« seien Begegnungen wichtig.

Laut Veranstalter wurden bereits 7000 Tickets verkauft. Sie behalten vorerst ihre Gültigkeit; man sei händeringend auf der Suche nach einem neuen Standort. Neuigkeiten werde man auf der Webseite elementaro.info verkünden. (David Heßler)

Seit mehreren Tagen spart die Stadt Bad Nauheim Wasser und Energie aufgrund der gestiegenen Kosten.

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