1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Nauheim

Gospels wie ein Wasserfall

Erstellt:

Von: Petra Ihm-Fahle

Kommentare

hed_Jim_Brown9_160822_4c
Jim Brown, hier mit Sängerinnen des Lüneburger Gospelchors, kommt mit seiner Darbietung gut in der Trinkkuranlage an. © Petra Ihm-Fahle

Bad Nauheim (ihm). Die spirituelle Seite von Elvis Presley zeigte sich beim Gospel-Konzert »Let Us Pray« am Sonntag mit Jim Brown. Schwung, Genuss, aber auch viel Humor prägten den Vormittag in der Trinkkuranlage, wo die Sonne auf die Fans herunterknallte. Die hatten trotz der Hitze jede Menge Spaß.

»Es macht mich glücklich, hier zu sein - und dann auch noch beim 20. Festival«, bekannte Elvis-Interpret Jim Brown. Er habe damit nicht gerechnet, nachdem er bereits 2021 aufgetreten sei - umso mehr habe ihn die neuerliche Einladung gefreut. Die Bescheidenheit war sympathisch, denn wer seine Darbietung im Vorjahr miterlebte, weiß: Jim Brown muss nicht tiefstapeln.

Wie er erzählte, ist er Fan des King, seitdem er sechs oder sieben Jahre zählte. Einfach sei es nicht, in Bad Nauheim aufzutreten, konstatierte er. Dabei bemühte er sich höflich, den Städtenamen nicht »Bäd Nauheim« auszusprechen, wie es andere Gäste aus dem englischsprachigen Sprachraum mitunter tun. Herausfordernd sei der Auftritt deshalb, weil die Zuhörenden alles echte Elvis-Kenner seien. »Du bist großartig«, rief ihm eine Frau mit Stars-and-Stripes-Hut zu. »Wenn es von einem Elvis-Fan wie dir kommt, Honey«, erwiderte er charmant.

In der gleißenden Sonne gaben er, seine Band, der Musiker Roman Leon Weiss und der Gospelchor Lüneburg um Chorleiterin Joana Toader alles. Zunächst waren nicht viele Stühle im leeren Wasserbecken besetzt, die meisten Gäste saßen unter den Platanen. »Es ist so heiß! Sie sehen so glücklich aus, im Schatten zu sitzen«, scherzte der Künstler und sang »Oh, I wish to … sit in a refrigerator!« (»Oh, ich wünschte, ich säße in einem Kühlschrank!«) Humor zog sich durch seinen gesamten Auftritt.

Nach einer Weile füllte sich das Becken mit mehr Menschen, die der heißen Temperaturen zum Trotz frohgemut tanzten, mitsangen und applaudierten. Auch wenn dort kein kühles Nass eingefüllt war, klang zumindest das Klatschen in dieser Akustik wie das Plätschern eines Wasserfalls.

Gelungenes

Gegengewicht

Zwischen den Songs plauderte der Künstler mit den Gästen, animierte sie, die Arme zu schwingen, mitzuklatschen oder mit den Hüften zu wippen. Etwa zu »Swing Down, Sweet Chariot«, das sich dazu bestens eignete. Ein gutgelaunter Gospelchor sang und bewegte sich hinter ihm. In den Pausen zwischen den Stücken wedelten sich die Frauen Luft mit Elvis-Fächern zu.

Seine Show teilte Brown in unterschiedliche Blöcke ein: Zum einen waren dies eher rhythmische Gospels wie »Feeling in my Body«, »I, John« und »Help Me«, zum anderen Gefühlvolles wie »Lead Me, Guide Me« und »Amazing Grace«.

Beeindruckend waren das Timbre und der Schmelz in der Stimme Jim Browns. Wer die Augen schloss, konnte sich vorstellen, wirklich Elvis zu hören. Manche Lieder konnten die Zuhörenden in eine fröhliche und eine traurige Stimmung zugleich versetzen. »Stand by me« etwa, in dem der King appelliert hatte, zu ihm zu halten, »wenn die Stürme des Lebens wüten«. Einige Stücke waren besonders deutlich von Elvis’ Gläubigkeit geprägt, wie »If the Lord Wasn’t Walking By My Side«. Darin beschreibt er seine Freude darüber, dass Gott an seiner Seite ist und er nicht wüsste, was er anderenfalls täte.

Großartig waren auch die Musiker, die die Songs spür- und sichtbar mitempfanden, etwa Roman Leon Weiss am Piano. Der Lüneburger Gospelchor untermalte den Gesang Browns virtuos. In ihren Umhängen boten die Sängerinnen nicht nur ein gelungenes stimmliches Gegengewicht, sondern auch einen optischen Kontrast zum Jeanshemd des Elvis-Interpreten. Als Brown sein Konzert beendete, erschollen Zugabe-Rufe, doch damit wurde es wegen der Hitze nichts. »Die kochen auf der Bühne«, bat Maria Hesterberg, Vorsitzende der Elvis-Presley-Gesellschaft, um Verständnis. Das hatte wohl jeder.

Auch interessant

Kommentare