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Ist »Layla« aus Qualitätsgründen unspielbar?

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Von: Michael Humboldt

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Er hält sich seit fünf Wochen ohne Unterbrechung an der Spitze der deutschen Singlecharts und hat Goldstatus erreicht. »Layla« wird hierzulande gefeiert - und doch kritisch gesehen.

Sie ist schöner, jünger …« Und so weiter. »Layla« ist die Sommerhit-Königin 2022 und wird natürlich auch in der Wetterau rauf und runter gespielt. Im »Postwagen« auf der Bad Nauheimer Fußgängerzone oder im »Schiffchen« auf der Hauptstraße. Ähnliches kann auch WZ-Kolumnist Jürgen Komm bestätigen, der beim Tennis-Club Dorheim kürzlich eine rauschende Cocktail-Party mit »Layla« gefeiert hat, ansonsten aber keine Kritik am vermeintlichen Skandal-Song äußern will. »Solange die Leute ihren Spaß haben, spricht doch nichts dagegen«, erklärt der leidenschaftliche Dorheimer.

Lucas Cordalis aus Frankfurt, Sohn des verstorbenen Hit-Sängers Costa Cordalis, ist reichlich Ballermann-erfahren und erklärte kürzlich, dass in seiner Erinnerung noch nie ein Party-Volk so abgegangen sei wie bei »Layla«. Lucas und Costa haben für das Schlager-Duo Herzgold aus Karben auch die »Mallorca Nacht« komponiert und getextet, die auf der Insel in den Mega-Charts gelandet ist. Dementsprechend entspannt beurteilt auch Claudia App von Herzgold die Diskussion. »Man sollte die Sache nicht so bierernst sehen. Es gibt so viele andere Probleme auf dieser Welt, und Layla macht den Leuten halt Spaß«, erklärt die Sängerin, die allerdings auch einräumt, dass der Song nicht gerade frauen-freundlich sei.

Erinnerungen

an Böhse Onkelz

Produziert wurde die schöne »Layla« von Ikke Hüftgold, der aus Limburg stammt und spürbar dankbar ist für alle Diskussionen, die den Erfolg weiter befeuern. Nur die Radio-Macher haben nach wie vor Probleme mit »Layla«. »Das Radio hat die Relevanz, Hits zu machen, schon längst verloren. Insofern ist es gut, dass »Layla« gar nicht im Radio gespielt wird«, meint Stefan Müller, Radio-DJ bei Byte.FM und Mitgründer von Radio X aus Frankfurt, beim Spaziergang durch Bad Nauheim. »Dieser Song ist meiner Meinung nach aus Qualitätsgründen auch gar nicht spielbar. Ich erinnere mich an die Diskussion um die Böhsen Onkelz vor 25 Jahren beim Lokalradio Radio X in Frankfurt. Wir haben uns damals aus guten Gründen dagegen entschieden, diese Band zu spielen - und diese Entscheidung nie bereut.«

Auch der Bad Nauheimer Alexander Funke, der einst freier Mitarbeiter im WZ-Sport war und mittlerweile in Stuttgart als stellvertretender Musikchef bei SWR4 in Baden-Württemberg fungiert, ist kein großer Fan von »Layla«. »Im ICE von Mannheim nach Frankfurt ist mir der Song das erste Mal begegnet. Eine Handball-Mädchenmannschaft stieg zu und beschallte laut mitsingend das ganze Abteil«, erinnert er sich. »Ich hatte mich da schon gefragt, ob ihnen der Text egal ist. Hauptsache Party.« Das war vor knapp zwei Monaten. Mittlerweile ist »Layla« durch die Decke gegangen, und der Skandal um ein angebliches Verbot auf dem Volksfest in Würzburg tat sein Übriges. »Was man verbietet, wird interessant. Das war schon bei Rosi so und noch mehr bei Jeanny von Falco. Doch anders als bei den Skandalsongs der 80er hat kein halbwegs relevanter Radiosender ›Layla‹ die Rote Karte gezeigt. Wenn Radioprogramme wie wir den Titel nicht spielen, dann wohl vor allem aus musikalischen Gründen. Denn - auch da gibt es einen Unterschied zu den Songs der Spider Murphy Gang oder Falco. ›Layla‹ ist sehr viel anspruchsloser«, sagt der Musik-Experte. Dennoch weiß Alexander Funke natürlich: »Layla« macht auch hierzulande Spaß und hat sich als Ohrwurm in der Wetterau genauso eingenistet wie in Stuttgart oder Hamburg. Und Ohrwürmer wird man schwer wieder los.

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