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Kauflust oder Sparfrust? Was Händler zu den Folgen der Inflation sagen

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Von: Harald Schuchardt

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Stefan Feigenspan hofft, dass bei Geschenken für Kinder nicht zuviel gespart wird. © Loni Schuchardt

Steigende Preise und die Energiekrise sind derzeit die vorherrschenden Themen. Die WZ hat sich bei Händlern in Friedberg und Bad Nauheim umgehört. Und unterschiedliche Aussagen gehört.

Noch herrscht reger Betrieb im Spielwaren-Fachgeschäft Feigenspan in der Bad Nauheimer Parkstraße, doch das könnte sich bald ändern, befürchtet Stefan Feigenspan: »Das Jahr hat schlecht begonnen, vor und in den Sommerferien war das Geschäft gut. Ich bin momentan ganz glücklich, aber das täuscht.« Der Geschäftsmann weiß, dass das Sommergeschäft mit Schulbeginn zurückgeht. »Das ist jedes Jahr so. Im Urlaub wird mehr ausgegeben, im Alltag wird der Konsum zurückgefahren.« Veränderungen im Kaufverhalten hat der Geschäftsinhaber schon bemerkt: »90 Prozent der Kunden sind preisbewusst, und diese werden gezielter einkaufen.« Er befürchtet auch einen Rückgang im Weihnachtsgeschäft, hofft aber darauf, dass bei den Kindern nicht ganz so stark gespart wird.

Die Preise sind bei Feigenspan derzeit noch stabil. »Wir verkaufen das, was eben in den Regalen steht, noch zum alten Preis, doch neue Ware wird teurer, die entsprechenden Preislisten haben wir schon«, erläutert Feigenspan, der seine Geschäftsbeleuchtung nach und nach auf LED umgestellt hat, um Energie zu sparen.

Sein Luxussegment liegt brach

»Wir kommen aus zwei katastrophalen Corona-Jahren und jetzt noch der Krieg und seine Folgen. Wir Geschäftsleute in der Innenstadt merken das drastisch, jeder in seinem Bereich anders«, sagt Henry Christopher Alt, Inhaber von »Strese4« in der Bad Nauheimer Stresemannstraße und Vorstandsmitglied im Verein »Erlebnis Bad Nauheim«. Sein Luxussegment liege derzeit völlig brach, sagt Alt, der jedoch versucht, mit neuen Konzepten gegenzusteuern. So laufe die Kooperation mit der Stadtbibliothek sehr gut. Ferner stellten bis zu den Sommerferien Künstler aus der Region ihre Werke im Geschäft aus. Nach der Sommerpause wird dieses Angebot bald wieder aufgenommen. »Information und Kultur gemeinsam anbieten, das kommt gut an. Die Kunden möchten abgeholt werden«, ist sich Alt sicher. Ihm ist aber auch klar: »So wie vor Corona und dem unsäglichen Krieg wird es nie mehr werden. Da darf man sich keine Illusionen machen.«

Regionalität und Qualität

Jochen Ruths, Mitinhaber des Modehauses Ruths in Friedberg mit Dependance in der Bad Nauheimer Reinhardstraße und Vorsitzender des Hessischen Handelsverbands, schaut über den eigenen Tellerrand hinaus: »Wir können momentan noch keine Veränderungen im Kaufverhalten feststellen. Bei vielen Branchen liegt der Umsatz aktuell höher als 2019, dem letzten Jahr vor Corona.« Es werde auf hohem Niveau gejammert, besonders in der Lebensmittelbranche, sagt Ruths, der der Corona-Krise auch etwas Gutes abgewinnen kann: »Gerade im ländlichen Raum wird mehr vor Ort eingekauft. Regionalität und Qualität sind gefragt. Die Lust zum Einkaufen ist wieder da, und dank dem warmen Wetter läuft der Ausverkauf der Sommerware gerade bestens.«

Energiekosten als größter Preistreiber

Die aktuellen Angebote nutzt auch Tanja Loos, die gerade zwei reduzierte Sommerkleider gekauft hat. »Ich greife jetzt schon mehr zu Sonderangeboten. Keiner weiß genau, was da noch alles auf uns zukommt«, sagt die Stammkundin im Modehaus Ruths, dessen Inhaber gerade überprüft, was im Haus an Energie noch gespart werden kann. »Die Energiekosten sind der Preistreiber Nummer eins«, sagt Ruths, dessen Prognose gemischt ausfällt: »Ich glaube, dass wir ganz gut durchkommen werden. Vielleicht wird das nächste Jahr nicht ganz so fett.«

Berger rechnet mit normalem Weihnachtsgeschäft

Ähnlich sieht es Ulf Berger, Inhaber von Lederwaren Steck auf der Kaiserstraße und Vorsitzender des Vereins »Friedberg hat’s«. Er blickt positiv auf die vergangenen Monate zurück: »Wir können nicht klagen, sowohl was die Frequenz, als auch den Umsatz betrifft.« Momentan könne er keine Veränderungen im Kaufverhalten feststellen, denn »viele Menschen haben doch gut gespart, es gibt nicht ganz so viele, die jetzt schon rechnen müssen«. Berger geht von einem normalen Weihnachtsgeschäft aus, auch wenn die Preise steigen werden. »Was wir derzeit anbieten, wird nicht höher ausgezeichnet. Wer clever ist, der kauft jetzt,« sagt Berger, der in seinem Geschäft kein großes Einsparpotential bei den Energiekosten sieht, denn »wir haben schon vor Jahren auf LED umgestellt und alles, was Energie frisst, ersetzt«.

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