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»FilmBühne« Bad Nauheim eröffnet: Es lebe das Kino

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Von: Annette Hausmanns

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Im Kinosaal ist viel Raum für geselliges Miteinander, Kulturveranstaltungen, kleine Kongresse. © Annette Hausmanns

Bad Nauheim hat wieder ein Kino. Die »FilmBühne« begeistert bereits auf den ersten Blick als Kultur- und Begegnungsort im jugendstilvollen Ambiente.

Zur festlichen Eröffnung des liebevoll hergerichteten Programmkinos verwöhnten Giovanni Speranza und sein Team ihre ersten Gäste mit Stil, Charme und einem cineastischem Coup.

Geradezu ehrfürchtig durchschreiten festlich gekleidete Gäste die mit Jugendstilornamenten verzierte Eingangstür zur »FilmBühne«. Hinter gerafften roten Theatervorhängen und überlebensgroßem Filmpreis-Oscar öffnet sich das weitläufige Entree in stilvoll beleuchtetem Grau. Der Weg über den roten Teppich hat etwas Erhebendes. Ins Gespräch vertieft stehen und sitzen hier die Menschen, nippen an Sekt und Häppchen und begrüßen einander strahlend, willkommen geheißen und umsorgt von Giovanni Speranza und seinem Team.

Neugierige Blicke fallen in den geräumigen Innenhof und auf die stylischen Toilettenanlagen. Die Treppe hinauf zum Foyer erklimmt man mit Herzklopfen - und findet sich wieder in einem liebevoll hergerichteten Vestibül im Stil der 20er Jahre. Man kann gar nicht anders als beim Plausch zwischen antiken Möbeln, moderner Technik Zeit und Raum zu vergessen und sich im Jetzt wohlzufühlen. »Endlich wieder schick ausgehen und die hohen Pomps aus dem Schrank holen«, freuen sich Annette Wetekam, Bettina Olmo-Martin und Leila Bauss und sind begeistert: »Das richtige Konzept zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«

Akribische Liebe zum Detail

Er sei »geflasht«, strahlt Matthias Wieliki von der städtischen Öffentlichkeitsarbeit, und auch Bürgermeister Klaus Kreß sowie Erster Stadtrat und Kulturdezernent Peter Krank sprechen von einem »Wow«-Effekt bei Eintreten in das zu neuem Leben erweckte Kino. Mit einer Zeitreise vergleicht der Rathauschef sein Erleben und zeigt große Bewunderung für die akribische Liebe zum Detail, mit der Kinobetreiber Speranza alles herrichtete. Auch Mut gehöre zu einem solchen Projekt, würdigte Kreß die »FilmBühne« als Geschenk für die Kurstadt. Von einem »neuen Edelstein in der Krone der Stadt« und einem guten Konzept in unserer Zeit sprach Bad Nauheims neuer Stadtmarketing-Chef Harald Hock. Im begeisternden Ambiente und mit den hier erlebten Gastgeberqualitäten könne er sich neben der Kultur auch kleinere Kongresse auf der »FilmBühne« vorstellen.

Kaum hatten sich die Gäste, freundlich geleitet von »Platzanweiser« Dieter Seeger, in die bequemen roten Sessel sinken und sich mit frischen Getränken verwöhnen lassen, erlosch das Licht. Auf der großen Leinwand trat Giovanni Speranza mit seinen Gästen einen virtuellen Rundgang durch zwei intensive Jahre Umbaugeschichte vom ehemaligen »Fantasia« zur »FilmBühne« an. »Ich glaube fest daran, dass es hier sehr viele schöne Momente geben wird«, zeigte sich der Gastgeber selbst überwältigt vom aktuellen Zwischenstand seines Herzensprojektes für Filme, Kunst, Musik, Theater, Bildung.

»Ohne dass ihr es gemerkt habt, seid ihr schon mittendrin in der Filmbühne«, lächelte der Kinobetreiber und unterbreitete seine Überzeugung: »Alles, was gut ist, gab es schon«, erläuterte Speranza die Rückbesinnung auf das Kino als einen Ort, an dem Gesellschaft stattfindet, einen Ort der Kultur. »Es braucht euch, ständig und stetig, um diesen kulturellen Erlebnisraum und Treffpunkt am Leben zu halten. Ich möchte und tue alles dafür, dass er lange lebt.« Mit Förderreferent David Harth von Hessen-Film und Medien sprach Speranza über Programmkinos und nutzte die Gelegenheit zum persönlichen Dank: 140 000 Euro aus dem Kino-Investitionsprogramm von Hessen-Film habe wesentlich zur Verwirklichung seines Traums vom Arthouse-Kino beigetragen.

Im Gespräch mit dem aus Bad Nauheim stammenden Drehbuchautor Doron Wisotzky stellte Speranza den ehrenamtlichen Kurator der »FilmBühne« vor. Mit seinem guten Freund aus Kindheitstagen, spätestens seit »Schlussmacher« ein Shootingstar unter den Drehbuchautoren, wähle er die Filme fürs Programmkino aus. »Es geht um Unterhaltung«, sagte Wisotzky und skizzierte aktuelle Ansprüche: »Das Publikum sucht interessante und auch ernstere Themen, unterhaltsam und humorvoll verpackt«. Im Bad Nauheimer Kino habe er seinen ersten Film gesehen, dankte der Drehbuchautor dem Programmkinobetreiber, dass er das einstige »Lichtspielhaus« zu neuem Leben erwecke. »Das macht keiner alleine«, unterstrich Speranza in tiefem Dank an seine Lebensgefährtin, an seine Familie, an Freunde, Nachbarn und Unterstützer aus nah und fern.

Die cineastische Kostprobe am Eröffnungsabend geriet zum Volltreffer. Zum Einstieg in seinen »Coup«, eine perfekte Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm über eine unkonventionelle Art des Geldverdienens, entbot Regisseur Sven O. Hill in seiner Video-Botschaft herzliche Glückwünsche für die »FilmBühne« als einen Ort, an dem sich Menschen treffen und ins Gespräch kommen. »Das Leben schreibt die tollsten Geschichten«, lautete Speranzas Fazit, und »das hier ist das richtige Projekt«.

Das Programm

Zum Start in die »FilmBühnen«-Ära steht nach »Wunderschön« die ebenfalls unlängst für den Deutschen Filmpreis nominierte Filmkomödie »Contra« von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle auf dem Programm, Doron Wisotzky schrieb das Drehbuch.

Programm und Tickets findet man unter www.filmbuehne.de.

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