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Lebensfreude durch Musik

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Von: Hanna von Prosch

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Der Cellist Victor Plumettaz kann auch Georg Kreisler singen - und wie! © Hanna von Prosch

Bad Nauheim (hms). Kinder lieben es, Musik zu machen. Auch die Kinder in und aus der Ukraine. In der Musikschule Bad Nauheim organisierte Fachbereichsleiterin Ines Strecker mit 20 Schülerinnen und Schülern und vier Lehrkräften kurzfristig eine zweistündige Matinee zugunsten der Hilfsorganisation »Save the Children«. Die Musikschule hilft aber auch den Geflüchteten, weiterhin Musik zu machen.

Traditionelle und klassische Musik und der Unterricht an Streichinstrumenten sind in der Ukraine fest etabliert. Umso mehr schmerzt es die Kinder, die auf der Flucht aus dem Kriegsgebiet ihr Instrument zurücklassen müssen. So ging es auch der 16-jährigen Olena, die Ines Strecker kurz vor dem Konzert kennenlernte. Sie bekam eine Leihgeige und darf nun im Orchester mitspielen.

»Damit können wir ihr und hoffentlich vielen anderen Kindern aus der Ukraine ein Stück Lebensfreude zurückgeben«, hofft die Musikerin. Über Gastfamilien und Schulen erwarten die Musikschulen Bad Nauheim, Friedberg und Butzbach Meldungen, wer ein Instrument sucht oder am Unterricht teilnehmen möchte. »Geld spielt keine Rolle. Und auch mit der Verständigung kommen wir schon hin«, versichert Strecker.

Das Konzertprogramm bestand, auf schnellem Weg organisiert, vorzugsweise aus Streichkompositionen und Liedern. Von den jüngsten bis zu den erwachsenen Schülerinnen und Schülern waren die beiden Streichorchester besetzt. Die Lehrkräfte Victor Plumettaz (Cello), Georg Klemp (Klavier), Norman Reaves und Ines Strecker (Violine) gestalteten einen eigenen Teil.

Völkerumspannend zuerst Beethovens Ode an die Freude und die Eurovisionsmelodie von Charpentier; am Ende dann die Ukrainische Nationalhymne. Dazwischen Linus Ernst am Cello mit Faurés Elegie, der bekannte Pachelbel- Kanon und ein Adagio von Mozart mit Charlotta Paul, Louisa Schultheis und Ines Strecker, und ein Satz aus dem lebhaften Doppelkonzert von Vivaldi mit Mirjam Brendel. Den 2. Platz im Landeswettbewerb bei »Jugend musiziert« belegten vor Kurzem Hanna Kreuter (Querflöte) und Kim Schulte (Klavier) mit einer wahrhaft pfiffigen, flotten Sonate von Francis Poulenc. Zum Bundeswettbewerb fährt das Gesangsquartett Maria Mincheva, Paula Adler, Kristina Neubauer und Shanice Gräber. Für ihre nuancenreiche Interpretation von zwei schwedischen und englischen Chansons bekamen sie langen Applaus.

Sanft gesungen von Alina Korolenko erinnerte John Lennons »Imagine« daran, dass man, gemeinsam geträumt, vieles erreichen kann. Victor Plumettaz dann mal ganz anders, am Klavier genauso leidenschaftlich wie am Cello, mit zwei gesellschaftskritischen Kreisler-Liedern. Die 19 Strophen des Liedes »Ohne Krieg« interpretierte er Kreisler-typisch bissig in Zeilen wie »Tränen, die jetzt nicht mehr tropfen können, weil die kranken Herzen kaum noch klopfen können.« Mit »Wenn alle das täten« forderte er auf, darüber nachzudenken, wie man sich dauerhaft engagieren kann: den Mund aufmachen, nicht angepasst sein, aus der Spur gehen - konsequent.

Eine fantastische Überraschung in einer eigenwilligen Bearbeitung von Johan Halvorsen bot er sodann mit Norman Reaves: Händels Passacaglia wurde zum Ritt durch die Variationen. Zwischen sakralen Klängen von Mozart, leidenschaftlichen und meditativen von Suk und Massenet und vertrautem Barock von Purcell konnte sich das Publikum in der jeweiligen persönlichen Stimmung wiederfinden.

Zwei junge Frauen aus der Ukraine waren sehr glücklich, dass sie das Konzert miterleben durften, und bedankten sich herzlich. So war Musik wieder einmal ein Brückenschlag und der Funke, der Freude entfacht, aber auch Anlass zum In-sich-gehen.

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dab_hms1_060422_4c © Hanna von Prosch

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