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Leichte Sprache für den Einstieg

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Von: Hanna von Prosch

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Ute König vom Inklusionsbüro der Stadt Bad Nauheim präsentiert Plakate, die sensibilisieren sollen, dass Inklusion alle angeht. © Hanna von Prosch

Am 31. Mai ist Tag der Vielfalt. Die Stadt Bad Nauheim widmet sich aus diesem Anlass mit mehreren Veranstaltungen der Grundbedingung für Inklusion und Teilhabe: der Kommunikation durch Sprache.

Bad Nauheim lebt bereits mit vielen Angeboten inklusiv. Seitdem 2016 die Fachgruppe Inklusion ins Leben gerufen wurde, entstanden unter anderem ein Inklusionshandbuch und eine interaktive Stadtkarte. Lange schon bestehen im Müfaz eine Formularsprechstunde und die Nachbarschaftshilfe, im Freiwilligenzentrum gibt es Angebote für demenziell Erkrankte und Angehörige. Ute König beschäftigt sich im Inklusionsbüro, beim Familienbüro in den alten Markthallen angesiedelt, gerade mit dem Tag der Vielfalt. Für Montag, 30. Mai, und Dienstag, 31. Mai, lädt die Stadt zu Informationen und Lesungen zum Thema »Kommunikation inklusiv« in die Trinkkuranlage ein.

Kurze Sätze, eindeutige Begriffe

Barrierefreie Zugänge sollten nicht nur in breiten Türen und Rampen bestehen, sondern auch in der Sprache. Das betrifft Menschen mit Lernschwierigkeiten, Gehörlose, Migranten oder - gerade auch aktuell - Geflohene. Oft wissen die Betroffenen aber nicht, wie und wo sie das Passende finden. Das liegt zum Teil daran, dass die Informationsquellen zu versteckt sind, Beschreibungen zu kompliziert oder Texte zu lang.

Schon seit geraumer Zeit sind die Behörden verpflichtet, Formulare und Informationen auch in sogenannter Leichter Sprache zu verfassen. Das ist eine Sprache, die nach dem Prinzip »kurze Sätze, einfache Ausdrucksweise, eindeutige Begriffe« angewendet wird. Bilder, Piktogramme und eine große Schrift ermöglichen schnelleres Erfassen und Merken. Dabei ist Leichte Sprache nicht zu verwechseln mit einfacher Sprache, also einer allgemeinverständlichen Ausdrucksweise.

»Verstehen, was geschrieben oder gesagt wird, ist der erste Schritt, um überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können«, ist Ute König überzeugt. »Die Betroffenen sind so sehr damit beschäftigt, diese ersten Hürden zu nehmen, dass sie keinen Mut mehr haben weiterzumachen. Da wollen wir weiterhelfen und mit unseren Veranstaltungen niederschwellige Impulse setzen.«

Strenge Regeln für Leichte Sprache

So wird das Müfaz Informationen für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen anbieten. Das Team der Stadtbibliothek stellt die neuen digitalen Nachschlagewerke für Kinder vor, denn die Sprache ist ähnlich einfach und bebildert. Interessierte können es ausprobieren. »Es sollte niemand Scheu haben, diese Angebote anzunehmen. Wir richten uns ausdrücklich an alle Interessierten«, macht König deutlich. So sind auch zur Abendveranstaltung sowohl Fach- und Lehrkräfte, als auch Vereine und Organisationen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Privatpersonen und vor allem Betroffene eingeladen. Erstmals wird es eine Lesung in Leichter Sprache geben: ein Märchen, einen Kurzkrimi, Gedichte und einen Presseartikel; dazu Harfenmusik.

Am Dienstag lesen Migrantinnen aus dem Buch »Ausgewundert« und kommen mit den Besuchern ins Gespräch. König, die das Märchen in Leichte Sprache übersetzt hat, merkte schnell, wie schwierig es ist, gerade metaphernreiche Texte einfach auszudrücken: »Es unterliegt alles einem strengen Regelwerk, das vom Wetterauer Büro für Leichte Sprache geprüft wird.«

Für den Ersten Stadtrat Peter Krank und Fachbereichsleiter Jochen Mörler ist es wichtig, dass sich Bad Nauheim für Inklusion stark macht. Die Plakate, die seit geraumer Zeit überall in der Stadt zu sehen sind, geben Anstoß für einen gesellschaftlichen Wandel: Inklusion bezieht sich nicht nur auf Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen, sondern es geht um ein gleichberechtigtes Miteinander aller. Ziel soll sein, dass es zur Haltung wird, Inklusion von vornherein mitzudenken. Die Behindertentoilette im Kino ist nur ein Beispiel. Ein anderes wird das Café-Bistro in der Trinkkuranlage sein, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam im Einsatz sind. König sagt: »Es geht nicht darum, alles mit Brailleschrift zu versehen, sondern sich um Lösungen zu bemühen.«

Das Programm an den Tagen der Inklusion

Am Montag, 30. Mai, gibt es von 16 bis 18.30 Uhr »Informationen: Leicht gemacht«. Die Stadtbücherei stellt ihre digitalen Nachschlagewerke zum Ausprobieren und viele Bücher in Leichter und einfacher Sprache vor. Das Müfaz informiert über Angebote für Erwachsene, die Lesen und Schreiben lernen möchten. Zu diesen beiden Veranstaltungen ist keine Anmeldung notwendig. Ebenfalls am 30. Mai heißt es - von 19 bis 20.30 Uhr - »Federleicht - Texte für ganz Viele«. Dabei lesen Jule Heck, Hanna von Prosch und Rita Mertes Gedichte, einen Krimi und ein Märchen, alles in Leichter Sprache und mit Begleitung von Dagmar Hoffmann an der Harfe. Am Dienstag, 31. Mai, lautet von 19 bis 21 Uhr das Motto »Ausgewundert - Geschichten vom Ankommen«. Autorinnen des Buches »Ausgewundert« lesen von ihrer ersten Zeit als Einwanderinnen in Deutschland. Für Begleitung am Piano sorgt Claudia Zinserling. Für die Veranstaltungen »Federleicht« und »Ausgewundert« ist eine Anmeldung erforderlich - unter Tel. 0 60 32/ 34 35 74 oder per E-Mail an familienbuero@bad-nauheim.de. Alle Angebote finden im kleinen Saal der Trinkkuranlage statt, der Zugang ist barrierefrei. Ende Mai startet auf der Homepage der Stadt Bad Nauheim eine Podcast-Reihe zu Inklusionsthemen.

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