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Neues Angebot in Bad Nauheim: Bewegen gegen die Demenz

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Bringen den Reha-Seniorensport auf den Weg (v. l.): Lutz Ehnert, Andreas Lorz, Marlene Tschernatsch, Stefan Fuchs, Ulrike Ackermann, Stephanie Amend und Eckhard Lieberich. © Petra Ihm-Fahle

Wer etwas gegen eine beginnende Demenz tun will, sollte diese abklären lassen und unter anderem auf Bewegung setzen. In Bad Nauheim startet in Kürze ein Sportangebot.

Gibt es Übungen, die besonders zum Kopf gehen und Dinge in Bewegung bringen?«, fragt eine Seniorin. Sie sitzt gemeinsam mit etwa 20 Zuhörern in einem Saal des KWA-Parkstifts Aeskulap, wo der Kneipp-Verein Bad Nauheim/Friedberg/Bad Salzhausen sein neues Kurskonzept vorstellt. Es geht um ein Sportangebot mit Übungsleiterin Ulrike Ackermann, das sich an Menschen mit beginnender Demenz richtet. Geplant sind je ein Kurs im Aeskulap und im Diakoniewerk Elisabethhaus, Mitte Oktober geht es los. Auch Externe können teilnehmen.

»Wir müssen den Körper ganz in Schwung bringen, damit die Durchblutung überall passiert«, antwortet Ackermann. Wie die 65-Jährige feststellt, sind manche Menschen nicht mehr so flott zu Fuß. »Dann machen wir das als Hockergymnastik, fangen mit den Beinen an und bewegen den ganzen Körper durch. Und dann fließt das Blut auch wieder im Kopf.« Dabei kommt es laut der Übungsleiterin darauf an, auch Dinge zu tun, die ungewohnt sind, um dem Gehirn etwas zu tun zu geben. »Da gibt es tolle Spiele und Übungen. Wir werden nicht klettern, nicht mit dem Fallschirm springen, sondern machen Einzel- und Gruppenübungen, die uns wieder in Schwung bringen und bei denen wir unseren Kopf auch ein kleines bisschen anstrengen müssen«, kündigt sie an.

Auf dem Podium sitzt neben Ackermann eine Reihe Beteiligter, die diese Sparte des Seniorensports gemeinsam auf den Weg bringen wollen: Kneipp-Verein-Vorsitzender Dr. Lutz Ehnert, Neurologin Dr. Marlene Tschernatsch, Stefan Fuchs (Einrichtungsleiter Elisabethhaus), Eckhard Lieberich (Vorstand Kneipp-Verein) und Stephanie Amend (Kneipp-Verein). Auch Aeskulap-Stiftsdirektor Andreas Lorz ist da und freut sich über die vielen Interessentinnen und Interessenten.

Wo fängt die Demenz an?

Eine Frau berichtet von einem Blackout, den sie manchmal habe. »Ist das normal?«, erkundigt sie sich - es mache sie nervös. Neurologin Tschernatsch antwortet: »Wenn es sich häuft, dass es den Alltag betrifft, wenn man die Kaffeemaschine nicht mehr bedienen kann oder wenn das Umfeld einen darauf anspricht - dann ist es Zeit, abzuklären, ob Demenz vorliegt.« Alle hätten schon einmal etwas verlegt oder kurz den Namen eines Medikaments vergessen. »Das passiert jedem, auch mir. Es ist keine Demenz, aber wenn eine Vergesslichkeit mehr wird, kann es ein Zeichen sein.«

Die Therapie ist laut der Ärztin bei allen ähnlich, man bekomme ein Medikament - viel wichtiger seien aber Training für das Gehirn und körperliche Aktivität.

Arzt kann Rezept für Kurs schreiben

Wie Lutz Ehnert hinzufügt, gibt es in seiner Hausarztpraxis einen Fragebogen für die Abklärung. Das Papier gemeinsam mit einer Mitarbeiterin auszufüllen, dauere eine halbe Stunde.

Eine Zuhörerin erkundigt sich, ob sie ein Attest vom Arzt braucht, um an dem Sport-Kurs teilzunehmen. »Wenn die Diagnose schon steht und der Haus- oder Facharzt es weiß, gibt es das ›Formular 56‹. Das ist ein Rezept, das der Arzt ausfüllt. Er und Sie unterschreiben es und dann wird es der Kasse eingereicht«, erläutert Ehnert. Darauf stehe »50-mal Übungsbehandlung«, das seien die Sportstunden, für deren Abarbeitung in der Regel eineinhalb Jahre Zeit seien. Sobald die Kasse es genehmigt habe, könne man mit dem Rezept zur Übungsleiterin in die Sportstunde kommen.

Austausch mit Betroffenen

Die Idee zum Kurs hatten er und Tschernatsch, weil sie gemeinsam im Ausschuss Medizin des Hessischen Behinderten- und Reha-Sportverbands sind und dort darüber sprachen. »In Bewegung bleiben ist wie ein Medikament - und Ernährung auch«, erklärt Ehnert. Übungsleiterin Ackermann macht seinen Worten zufolge extra eine Ausbildung für den Fachbereich Neurologie. Ende September ist sie fertig, womit die zwei Gruppen Mitte Oktober starten können.

Wie Tschernatsch ausführt, hat die Demenzsportgruppe überdies den positiven Effekt des Austauschs mit Betroffenen. »Aber auch wenn die Teilnehmer anschließend noch einen Kaffee trinken gehen und zusammen reden«, sagt sie. Genau das tun die Zuhörer nun. Mindestens acht Teilnehmer sind pro Gruppe erforderlich, damit es sich trägt, eine Mitgliedschaft im Kneipp-Verein ist nicht erforderlich. Alle weiteren Infos und die Anmeldung erfolgen über das Büro des Kneipp-Vereins.

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