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Ohne Leidenschaft geht es nicht

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Von: Hanna von Prosch

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»Es ist so wichtig, die Begeisterung zu behalten«: Die Klarinettistin und Bad Nauheimer Musikschullehrerin Franziska Görlach freut sich auf die Premiere. © pv

Bad Nauheim (hms). In ihrem Traumberuf wollte sie nicht die Lust an der Musik verlieren. Das ist für Klarinettistin Katharina Görlach unerlässlich. Leidenschaft, Begeisterung, ein bestimmtes Flair. Das spürte sie nicht in allen Orchestern, in denen sie spielte. Also zog sie es vor, ihre Freude an der Musik an Kinder weiterzugeben und kam 2012 an die Musikschule.

Jetzt steht sie vor einer neuen Herausforderung. Sie ist erstmals Solistin beim Konzert des Sinfonieorchesters Bad Nauheim. Ihre Schülerinnen und Schüler können beim Auftritt »ihrer« Lehrerin erleben, was man erreichen kann, wenn man fleißig übt. Nachdem es wegen Corona immer wieder Verschiebungen gab, beginnt die Sinfoniekonzertreihe am 1. Mai um 16 Uhr im Jugendstil-Theater. An diesem Tag wird für Katharina Görlach ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen.

Mit »Publikumslieblinge« könnte man dieses Sinfoniekonzert dirigiert von Florian Erdl überschreiben. Musikalisch mit der Freischütz-Ouvertüre von Carl Maria von Weber und seinem berühmten Klarinettenkonzert Nr. 1 und anschließend mit der beliebten Sinfonie Nr. 4 von Johannes Brahms. Nicht nur vom Publikum, sondern auch vom Orchester hoch geschätzt steht erneut Erdl am Pult. In die traditionsreichen Fußstapfen des 1853 von der Kurfürstlichen Regierung Hessen-Kassel gegründeten Sinfonieorchesters Bad Nauheim getreten sind die Musikerinnen und Musiker, zum Teil aus dem Kollegium der Musikschule stammend. Einst dirigierten es Berühmtheiten wie Johann Strauß Sohn oder Richard Strauß. Im Publikum saßen Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Zar Nikolaus oder Hollywood-Star Buster Keaton.

Nur eine ist neu in dieser Konstellation: Klarinettistin Franziska Görlach. Für sie ist der solistische Auftritt sogar eine Premiere. Orchestererfahrung hat sie hingegen reichlich. In Stuttgart und Essen studierte sie Klarinette und absolvierte nach dem Orchesterdiplom die Meisterklasse an der Musikhochschule Würzburg bei Prof. Manfred Lindner. Seitdem spielte sie mit großen Orchestern zum Beispiel bei den Düsseldorfer Symphonikern. Sie hilft bei den Münchner Symphonikern aus, und am Theater Meiningen, war mit dem Bach-Chor München auf Konzertreise. Aufgewachsen in einem Dorf bei Freiburg im Breisgau fand als Kind schnell ihren Platz in einer Blaskapelle. Dort reifte der Wunsch, klassische Klarinette zu lernen. »Ich bin bei der Klassik geblieben, dirigiere inzwischen aber auch mit Leidenschaft zwei Blaskapellen. Wenn ich Klezmer oder Jazz spielen könnte, würde ich das sehr gerne machen. Aber für mich das sind zwei Welten«, erzählt sie.

Das Orchesterleben begann für sie mit Zeitverträgen. Es waren wunderbare Auftritte dabei. Aber letztlich war es nicht das, was Görlach wollte. »In meinem Traumberuf wollte ich nicht die Lust an der Musik verlieren. Es ist so wichtig, die Begeisterung zu behalten, das Flair. Das spürte ich nicht überall in den Orchestern.« So zog sie es vor, ihre Freude an der Musik an Kinder weiterzugeben. 2012 übernahm sie die Fachbereichsleitung für Holzblasinstrumente an der Musikschule.

»Ich freue mich, wenn alle ehemaligen und jetzigen Schülerinnen und Schüler zu dem Konzert kommen würden. Dann könnten sie hören, was man erreichen kann, wenn man fleißig übt. Mit dem Klarinettenkonzert von Weber geht für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung«, erzählt die junge Frau, die inzwischen selbst Mutter von zwei und vier Jahre alten Jungen ist. »Das will ich auch mal spielen«, hatte sie sich damals fest vorgenommen. Nun ist es soweit.

Hat Görlach noch einen Lieblingskomponisten? Prompt kommt die Antwort: »Brahms! Gerade die vierte Sinfonie in e-Moll ist ein absoluter Höhepunkt. Ich habe sie schon mal mit dem Gürzenich-Orchester spielen dürfen. Das war unglaublich. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.« Diesmal wird sie aber nicht im Orchester mitspielen, denn das ist zu anstrengend neben dem Soloauftritt. »Für das Solokonzert braucht man soviel Emotionen und Empathie. Man muss mit dem Dirigenten und dem Orchester harmonieren, jede Reaktion wahrnehmen und eine Beziehung mit dem Publikum aufbauen«, gesteht sie in Vorfreude sowie Respekt vor ihrer Premiere.

Sicher wird man künftig nicht nur aus dem Musikschulunterricht von Görlach hören, sondern man wird sie auch in Kammermusikensembles erleben und als Vertretung in großen Orchestern.

Das Konzert des Sinfonieorchesters Bad Nauheim beginnt am Sonntag, 1. Mai, um 16 Uhr im Bad Nauheimer Jugendstil-Theater. Werke von Weber und Brahms stehen auf dem Programm:

Deutsche Romantik - Carl Maria von Weber, Ouvertüre zu »Der Freischütz« und Konzert Nr. 1 f-Moll op. 73 für Klarinette.

Johannes Brahms, Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98.

Für das Konzert gelten die aktuellen Corona-Regeln.

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