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Riesige Vorfreude auf neue Orgel für die Dankeskirche

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Von: Hanna von Prosch

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Frank Scheffler (l.) und Volker Gräfe freuen sich, nach langer Wartezeit dem interessierten Publikum die künftige Orgel für die Dankeskirche vorstellen zu können. © Hanna von Prosch

Der Einbau der neuen Orgel in der Bad Nauheimer Dankeskirche rückt näher. Wichtige Meilensteine sind gemacht. Und die Vorfreude bei der Präsentation war schon mal riesig.

Diesen Moment hatten viele Bad Nauheimer Musikinteressierte und evangelische Kirchenmitglieder herbeigesehnt. Am Montag erlebten sie in der öffentlichen Vorstellung, wie ihre neue Orgel in der Dankeskirche einmal aussehen, was sie können und wie sie klingen wird. Die Begeisterung war groß. Kurz nach dem Start der Spendenkampagne hatte der Orgelbaukreis der evangelischen Kirchengemeinde erstmals das ambitionierte Projekt präsentiert. Die Spendenbereitschaft war groß. Während der Coronazeit ging die Planung mit der europäischen Ausschreibung sowie der Prüfung und der Auswahl der Orgelbauer weiter.

Auch bei 2500 Pfeifen filigran und lebendig

Am 7. April diesen Jahres stand fest: Die renommierte, weltweit tätige Orgelbaufirma Klais aus Bonn wird die neue »Klangquelle in Herzen Bad Nauheims« bauen. Die Orgel in der Kurstadt reiht sich damit ein in bedeutende Kirchenorgeln im Kölner und im Frankfurter Dom, in der Paulskirche und in der Elbphilharmonie. Für Bad Nauheim werde sie einen Quantensprung bedeuten, bemerkte Erster Stadtrat Peter Krank und gab zu, dass seine Emotionen geweckt seien.

Ein Kurzbericht über den Werkstattbesuch bei Klais bestätigte die überzeugende Philosophie und Leidenschaft sowie die hohe Kompetenz des Orgelbauers. Dr. Volker Gräfe, Vorsitzender des Orgelbaukreises, leitete nach dem kurzen Rückblick über zur Vorstellung des neuen Orgelprospekts. »Klais hat nicht nur den Festpreis von 970 000 Euro geboten, sondern auch die Möglichkeit, dass wir am Prospektentwurf solange mitarbeiten konnten, bis er gefiel.« Der überzeugte das Publikum genauso wie die Landeskirche.

Grafikdesigner und Orgelbaukreis-Mitglied Thomas Hofbeck erläuterte die Optik so: »Der Prospekt wirkt auch bei 2500 Pfeifen filigran und lebendig. Die inszenierte Mitte neben den großen, aber nicht wuchtigen Flügelpfeifen wirkt im Spiel von statischer und freier Anordnung locker. Auch wenn die Orgel stumm ist, vermittelt sie Energie. Eine Quelle eben, in der man durchaus sprudelnde Fontänen erkennen mag.«

Wieder die großen Meister spielen

Kantor Frank Scheffler hatte zusammen mit Chefintonateur Andreas Sage von Klais das Klangkonzept erarbeitet. Den musikalischen Qualitäten galt in der Ausschreibung, neben der Optik, der höchste Stellenwert. Die dicken, in der jetzigen Orgel dominierenden Pfeifen verschwinden im Turm. Sie geben ein solides Bassfundament. »Platzsparend wirkt sich die Anordnung vorne aus, denn die 16 Pfeifen rechts und links kann man im Manual und im Pedal spielen. In der Mitte oben steht das Hauptwerk, so dass diese Pfeifen durch die bessere Klangabstrahlung sehr präsent sind. Das bestehende Fernwerk wird optimal eingebunden.«

Kostensparend sei zudem, dass die Pfeifen im Turm mit den ohnehin langsam ansprechenden Tönen elektrisch angesteuert würden, sowie die Verwendung von Zink statt Zinn. Schönheit und Klangfrische sollen das Instrument kennzeichnen. Es wird geprägt sein vom französisch-elsässischen Klang des 18. und 19. Jahrhunderts. Bach werde selbstverständlich wunderbar klingen, und man könne auch wieder die großen Meister wie Vierne oder Dupré spielen. Scheffler denkt zusätzlich an Stummfilmimprovisationen und Jazzbearbeitungen. Und er erinnerte daran, dass die Orgel als Weltkulturerbe durch Nachwuchsarbeit gewürdigt werden müsse. In Zusammenarbeit mit der Hochschule in Frankfurt könnten sich Absolventen hier auf ihre Prüfungen vorbereiten.

300 000 Euro fehlen noch

»Jetzt kommt es darauf an, wie groß die Orgel wirklich wird, also wie viel Spenden in den kommenden Monaten eingehen«, machte Scheffler deutlich, »denn bis September 2023 können wir noch Wünsche wie ein zusätzliches Register oder Aufstockungen, vor allem aber eine moderne Midischnittstelle für Improvisationsaufzeichnungen zufügen. Oder aber wir müssen reduzieren. Auch das steht im Vertrag.«

Bis jetzt sind 189 Patenschaften vergeben und 585 000 Euro an Spenden und Zuschüssen eingegangen. 100 000 Euro gibt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) dazu. So fehlen im Finanzierungsplan noch 300 000 Euro. Es sei eine gemeinsame Kraftanstrengung. Mit großem Dank an alle Geldgeber ergänzte Gräfe: »Diese Orgel ist Ihre Orgel, für die Kirchengemeinde und für Bad Nauheim. Eine Orgel für die nächsten hundert Jahre.«

Vorläufiger Zeitplan

Im September 2023 wird die endgültige Größe der Orgel festgelegt. 2022-2024: Bau bei Klais in Bonn, dort kompletter Aufbau; erstes Quartal 2024: Renovierung der Orgelempore in der Dankeskirche und Bearbeitung des denkmalgeschützten Sockels, da der Spieltisch frei stehen wird; Ende 2023: Abbau der jetzigen Orgel; Frühsommer 2024: Aufbau der neuen Orgel in der Dankeskirche und etwa zwei Monate Intonation; Oktober 2024: Fertigstellung. Während die alte Orgel abgebaut und die neue aufgebaut wird, stehen Leihinstrumente zur Verfügung, oder es wird mit Klavier oder Truhenorgel begleitet. Alles zu Spenden, Patenschaften, Orgelprodukten, Veranstaltungen und zur Disposition unter www.orgel-dankeskirche.de.

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