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Steinfurtherin veröffentlicht erstes Kinderbuch

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Von: Sabine Bornemann

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Eine Geschichte - zwei Enden! Geht das? Bei Melanie Apel-Qureishis Buch schon. Die Steinfurtherin hat ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. In »Ich entscheide selbst!« können Leser genau das tun.

Mit dem Ende eines Buches war das immer so einer Sache: Das hat Melanie Apel-Qureishi und ihren Kindern manchmal nicht gefallen. Nach dem allabendlichen Vorlesen haben sich die Mutter und ihre drei Kinder den Schluss einer Geschichte oft selber ausgedacht oder weitererzählt. Das ist ein Grund, warum Apel-Qureishi ein Buch geschrieben hat, in dem der Leser genau das kann: Selber entscheiden, wie es ausgeht.

Passend dazu ist der Titel: »Ich entscheide selbst! Eine Geschichte und zwei unterschiedliche Enden. Geschichten zum aktiven Zuhören, Mitfühlen und Mitentscheiden.« Damit wird die Botschaft des Buches schnell deutlich: »Jeder hat eine Wahl, und jeder kann sich entscheiden, besonders, wenn es um Mobbing geht«, sagt die Förderlehrerin aus Steinfurth.

Es sind fünf Geschichten, verteilt auf knapp 60 Seiten. Geeignet zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren oder zum Selberlesen für Kinder ab der zweiten Klasse. »Auch wer sonst vor ganzen Büchern zurückschreckt und nicht so gerne liest, hat hiermit schnell Erfolgserlebnisse«, meint Apel-Qureishi.

Sie weiß, wie es ist, wenn man Kindern und Jugendlichen erst mühsam die Welt der Buchstaben und Bücher näherbringen muss. Sie arbeitet als Förderschullehrerin an der Berufsschule im Berufsbildungswerk in Karben. Aus ihrer langjährigen Arbeit mit Kindern und an Schulen kennt sie auch zwischenmenschliche Konfliktsituationen, die in ihren Geschichten behandelt und - vor allem - mit viel Einfühlungsvermögen gelöst werden.

Da ist zum Beispiel ein neu zugezogener Junge, der nicht so leicht in der Fußballmannschaft ankommen. Richtiges Mobbing ist nicht ersichtlich. Es sind Gesten, er wird nicht beachtet oder ihm der Ball nicht zugespielt. Schnell ist er alleine und fühlt sich ausgegrenzt. Bis einer der Mannschaftskameraden aufsteht und sagt: »Das geht so nicht!«. Genau das braucht es in Gruppen, damit niemand zum Mobbing-Opfer wird. Einer, der dem anderen das Gefühl gibt: »Du bist nicht alleine!«.

Alleine sind die drei Freundinnen einer anderen Geschichte zwar nicht, aber es gibt Unstimmigkeiten in der Dreierkonstellation. Je nachdem, wie sich der Leser in der Geschichte entscheidet, weiterblättert und weiter liest, kann er sich in die jeweilige Situation hineinversetzen. Erspüren, wie der Konflikt gelöst werden kann. »Ausgrenzung und Mobbing sind tabu. Es gibt andere Wege der Konfliktlösung«, sagt Apel-Qureishi. Jeder könne sich entscheiden, auch wenn das viel Mut braucht.

Im Buch und in den einzelnen Geschichten geht es darum, für solche Situationen sensibilisiert zu werden. »Beide Seiten zu sehen«, wie Apel-Qureishi erklärt. So wie in der Geschichte zweier Freunde, die Nachmittags mit dem neuen Spielzeug des einen spielen. Der Freund steckt »versehentlich« das neue Spielzeug ein und geht nach Hause. Ihn plagen schließlich Gewissenbisse: »Wie fühlt sich mein Freund?«. Aber er würde doch auch so gerne dieses Spielzeug besitzen. Er leiht es sich ja nur »kurz« aus, überlegt er.

Überlegt, den Schritt als Autorin zu wagen, und ein Buch zu schreiben, hat Apel-Qureishi eigentlich seit ihrer Kindheit, wie sie erzählt. Vor drei Jahren hat sie den ersten vorsichtige Schritt gewagt, während der Pandemie und Lockdowns immer mehr Zeit zum Schreiben gefunden. Familie und Freunde haben ihr sofort zugeraten und sie unterstützt. Ihre Kinder sind zwischen elf und 17 Jahren alt.

»Sie waren meine ersten und strengsten Kritiker«, erinnert sie sich.

Mit Erfolg: Apel-Qureishi hat ihr Buch verlegt, es ist kürzlich mit ISBN-Nummer erschienen. Etwas gegen Ausgrenzung und Mobbing im Alltag zu tun ist Apel-Qureishi wichtig. Sie hat das Buch bereits in örtlichen Kitas und Schulen ausgelegt.

Jetzt plant sie direkt vor Ort zu gehen, um daraus vorzulesen. Um weiter zu sensibilisieren. Damit bei Konflikten jemand aufsteht und sagt: »So nicht.« Das Ende der eigenen Geschichte selber bestimmt und hilft, dass die Welt im Kleinen ein kleines Stückchen besser wird.

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