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Streit ums Fernwärme-Heizwerk

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Von: Michael Humboldt

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Das Bad Nauheimer Fernwärme-Heizwerk muss viel Kritik einstecken, die der Betreiber EAM relativiert. © Michael Humboldt

Das Heizkraftwerk am Bad Nauheimer Goldstein betreibe Energieverschwendung, kritisiert ein ehemalger Kraftwerks-Ingenieur aus der Kurstadt. Der Betreiber EAM wehrt sich dagegen vehement.

Aus einer Zeit, in der es noch richtig kalte Winter mit viel Schnee und Eis gab, berichten alte Bad Nauheimer von langen schneefreien Streifen im Kurpark. Verursacht haben das die verlegten Fernwärmeleitungen aus dem Heizkraftwerk am Goldstein, die zu den großen Hotels der Stadt führten. Nun gibt es Kritik bezüglich der »Energieverschwendung« an der ehrwürdigen Anlage hinterm Bahnhof, die ein Bad Nauheimer Jugendstil-Denkmal ist.

Beim Versuch, vor Ort einen Ansprechpartner anzutreffen, stößt man zunächst auf das Schild »Durchgang für Unbefugte verboten«. Als der WZ-Redakteur schließlich doch noch durchgewunken wird, wird er gleich damit konfrontiert, dass keiner der Mitarbeiter Auskünfte geben dürfe. Am Ende zeigt sich die Pressestelle des Betreibers EAM (Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mittelhessen) aber sehr kooperativ.

Beim Blick hinein verbreitet das Kraftwerk, das unter Aufsicht des Architekten Wilhelm Jost in den Jahren 1904 bis 1906 errichtet wurde, auch heute noch den Flair der alten Zeit. Doch neben denkmalgeschützten Kesseln oder der alten Schalttafel ist natürlich auch modernste Computertechnik mittlerweile vonnöten. »Seit dem Jahr 1995 wird das Heizwasser mit einem gasbefeuerten Kessel des Heizwerks erwärmt, mit dem sich nicht mehr die energetischen Vorteile des einstigen Heizkraftwerks nutzen lassen. Der Transport des Heizwassers zu den Hotels in Bad Nauheim erfolgt weiterhin über das alte acht Kilometer lange Rohrnetz, das im meist erdverlegten Teil 110 Jahre alt ist und dessen Wärmedämmung Fragen aufwirft«, kritisiert ein ehemaliger Kraftwerks-Ingenieur aus Bad Nauheim; er habe sich viele Jahre mit dem Thema beschäftigt, betont er. Und weiter: »Im Gegensatz zu Energieträgern Öl, Gas und Strom, die verlustarm transportiert werden können, verliert der Energieträger Warmwasser seine Energie auf dem langen Weg zum Verbraucher. Diese Verluste müssen kontinuierlich durch Nacherwärmen ausgeglichen werden, um beim Verbraucher volle Temperatur zu sichern. Besonders verlustreich ist die Fernwärme im Sommer. Beim Ausfall der Heizung steht den gleich hohen Leistungsverlusten ein geringer Energiebedarf für Warmwasser gegenüber.«

Die Bad Nauheimer Fernwärmeanlage am Goldstein sei eine Kombination von »uralten Leitungen aus Kaisers Zeiten« mit einem modernen Gaskessel, jedoch ohne energiesparende Kraft-Wärme-Kopplung. Das führe zu einem riesigen Jahresverlust, sagt der Leser. So sei das Heizwerk »eine Fabrik zur Erzeugung von CO2, bei der auch noch Wärme für die Beheizung des Kurparks verschwendet« werde.

Betreiber wehrt sich gegen Vorwürfe

»Im Heizkraftwerk in Bad Nauheim setzen wir ein modernes Biomethan-Blockheizkraftwerk ein, das durch Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Das eingesetzte Biomethan stammt dabei zu großen Teilen aus eigenen Anlagen«, widerspricht der Betreiber EAM. »Der Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist, die Wärme wird ins angeschlossene Nahwärmenetz eingespeist und für die Versorgung von rund 60 Gewerbe- und Privatkunden in Bad Nauheim genutzt.« Der Wärmebedarf und die Qualität der Wärmeversorgung für die Liegenschaften in Bad Nauheim seien nicht vergleichbar mit einem Wohngebäude. Zu den versorgten Gebäuden gehörten ein Forschungsinstitut, eine Klinik und künftig wieder die Therme. »Diese Kunden haben einen ganzjährigen Wärmebedarf mit hohem Anspruch an Versorgungssicherheit.«

Die 1995 eingebauten Gaskessel seien, so ein EAM-Sprecher, durch zwei moderne Erdgas-Blockheizkraftwerke ergänzt worden, die zur Vorwärmung für die Wärmebereitstellung genutzt würden und effizient durch Kraft-Wärme-Kopplung Strom für das Heizwerk produzierten. »Durch die steten Modernisierungen konnte die Energieeffizienz des Heizkraftwerks in der Vergangenheit kontinuierlich gesteigert werden.« Auch das Nahwärmenetz sei stetig modernisiert worden, zuletzt in den Jahren 2021 und 2022 im Rahmen der Vorbereitung des Neubaus der Therme, schließt der EAM-Sprecher.

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