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Süße Revolution in Ghana

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Von: red Redaktion

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Dank des Projektes von Fairafric lohnt sich der Kakao-Anbau für die Schokoladenherstellung wieder. © pv

Bad Nauheim (pm). Voller Stolz erzählt Marvis Oppong, Kakao-Farmerin im ländlichen Ghana, was die neue Bioschokoladenfabrik in ihrer Nachbarschaft für sie bedeutet: »Ich wurde zur Bio-Farmerin ausgebildet und erhalte für meine Kakaobohnen nun so viel, dass ich endlich meine Familie ernähren und die Kinder zur Schule schicken kann.« Das Gespräch mit Marvis Oppong ist eine der Schlüsselszenen in dem Film »Decolonize Chocolate 2«, den der Verein »Bad Nauheim - fair wandeln« dieser Tage in der Wilhelmskirche gezeigt hat.

Der Film schildert die Geschichte der ersten Bioschokoladenfabrik in Westafrika - und die soziale Revolution, die sich hinter diesem Projekt verbirgt.

2,5 Millionen Tafeln in einem Jahr

Denn die Wirklichkeit hinter der süßen Schokolade in den Ladenregalen der Welt sei zumeist bitter, heißt es in einer Pressemitteilung von »Bad Nauheim - fair wandeln«. Auf den Kakao-Plantagen Westafrikas arbeiten demnach rund zwei Millionen Kinder »unter ausbeuterischen Bedingungen«. Die alte kolonial geprägte Arbeitsteilung lebe in der Schokoladen-Herstellung fort: Die Kakaobauern aus Afrika oder Lateinamerika liefern den Rohstoff. Von jeder Tafel Schokolade würden ihnen wenige Cent bleiben. Am meisten verdienten die Hersteller und Händler im reichen Norden.

Dieser ungerechten Arbeitsteilung setzte die Initiative Fairafric ihren Traum von einer Schokoladenfabrik in Ghana entgegen. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne sowie der Unterstützung durch die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG und einem Kredit der GLS Bank konnten die Initiatoren von Fairafric sieben Millionen Euro auftreiben. Von dieser Kampagne handelt der Vorgängerfilm »Decolonize Chocolate«. Mit diesem Kapital kauften sie modernste Maschinen, um die schmackhafte Schokolade dort herzustellen, wo auch die Kakaobohnen wachsen: in Ghana. In zahlreichen Gesprächen und Szenen schildert der neue Film das Engagement der »Schokoladenmacher« und ihren Stolz auf das Erreichte: Innerhalb eines Jahres entstand rund 25 Kilometer nördlich der ghanaischen Hauptstadt Accra eine moderne Bioschokoladenfabrik. Solarmodule auf den Dächern der Fabrik sorgen dafür, dass auch der benötigte Strom möglichst umweltfreundlich erzeugt wird. Im vergangenen Jahr stellte diese Fabrik 2,5 Millionen Tafeln Schokolade her, die über Weltläden, Fachmärkte und über das Internet vertrieben werden.

»Der Film untermauert eindrucksvoll, wie dieses Projekt die Lebensverhältnisse vieler Menschen verbessert. Durch die Herstellung der Schokolade in Ghana bleiben von jeder Tafel Schokolade 90 Cent im Land, mehr als zwanzigmal so viel wie von einer Tafel konventionell hergestellter Schokolade im Supermarkt«, heißt es weiter in der Pressemitteilung des Bad Nauheimer Vereins.

Vergleichsweise hohes Gehalt

Dies zahle sich aus: Die 80 Beschäftigten der Fabrik erhalten demnach ein Grundgehalt von 200 Dollar pro Monat, viermal mehr als der Mindestlohn in Ghana. Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien kranken- und rentenversichert. Und sämtliche Abteilungen achteten auf die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Unter den neun Mitgliedern der Geschäftsleitung seien vier Frauen. Zudem zahle Fairafric einen Mindestpreis für eine Tonne Kakao aus der Region und zusätzlich eine Bioprämie von 600 Euro pro Tonne.

Im Anschluss an den Film stand Stephanie Fröhlich, Graphic-Designerin von Fairafric, den Besuchern Rede und Antwort.

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