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Tierheim in Sorge - »Brutale Fülle an Problemen«

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Von: Sabrina Dämon

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Die kleine Katze ist noch nicht lange im Tierheim. Kürzlich ist sie auf einer Straße gefunden worden, sagt Tierpflegerin Regina McGee. © Nicole Merz

Steigende Futterkosten, höhere Tierarztrechnungen, immer mehr ausgesetzte Tiere - »all das macht uns große Sorgen«, sagt Heiko Färber vom Tierheim Wetterau im Bad Nauheimer Stadtteil Rödgen.

Der Pitbull war angebunden. In Rödgen am Sportplatz, vom Halter keine Spur. Tierpflegerin Regina McGee holte ihn ins Tierheim - seither ist der Hund auf der Quarantänestation. Dorthin müssen alle Tiere, die ins Tierheim kommen. Und das sind seit einigen Wochen und Monaten mehr als gewöhnlich, berichtet Heiko Färber, der Vorsitzende des Vereins Tierheim Wetterau. Seit einiger Zeit sei es auffällig, wie viele Tiere abgegeben oder ausgesetzt würden. »Gerade in der Wetterau. Das waren wir hier gar nicht gewohnt«, sagt Färber.

Dass Hunde und Katzen ausgesetzt würden, sei teilweise eine Folge von Corona, vermutet Färber - »vielleicht haben sich manche unüberlegt ein Tier angeschafft und können sich jetzt nicht mehr darum kümmern.« Hinzukomme ein weiteres Problem: Auch Tierfutter und Tierarztkosten sind von den enormen Preissteigerungen betroffen. »Beim Futter gibt es Aufschläge von 10, 20 Prozent«, sagt Färber. Viele, die ohnehin Geldprobleme hätten, könnten sich ein Tier dann nicht mehr leisten - oder sorgten sich davor, dass es in Zukunft finanziell knapp werden könnte. »Im Prinzip trifft im Tierschutz gerade Corona auf Zukunftsangst.«

Die Folge sei, dass die Tierheime immer voller würden - und auch mit entsprechenden finanziellen Problemen zu kämpfen hätten. »Mehr Tiere bedeuten mehr Futter- und mehr Tie rarztkosten.« In Rödgen komme hinzu, dass der Gebäudebestand sehr schlecht sei, was vor allem bei den steigenden Energiekosten schwer ins Gewicht falle.

Verschmust, aber schwer vermittelbar

Viele der Tiere, die in Rödgen leben, sind schwer vermittelbar. Zum Beispiel Kater Kosmo, der in einem Raum auf der Quarantäne-Station untergebracht ist. Er ist ein zweijähriger Fundkater aus Nidda - und sehr menschenbezogen. Egal, wer den Raum betritt, Kosmo kommt angeflitzt, schmiegt sich an den Besucher und möchte schmusen. Dennoch gilt er als sehr schwer vermittelbar. Er ist inkontinent. Als er gefunden wurde, hatte er noch eine frische Wunde, berichtet Regina McGee. Sein Schwanz war gerade amputiert worden, die Wunde aber nicht richtig versorgt worden. »Leider wurde der Schwanz zu weit oben amputiert, sodass sein Schließmuskel nicht mehr funktioniert.«

Ein anderer »Problemfall« ist Kater Luca, der nur noch drei Beine hat. Wie McGee erzählt, ist er Anfang Oktober schwer verletzt mit mehreren Trümmerbrüchen ins Tierheim gebracht worden. »Wahrscheinlich wurde er von einem Auto erfasst.« Das vordere linke Bein musste amputiert werden.

Im selben Gebäude ist ein Raum, in dem Kaninchen und Vögel in einem Gehege wohnen. Die Kaninchen, eine ganze Schar, waren in einem Pappkarton gefunden worden.

Kapazitätsgrenze bald erreicht

Auch das Hundehaus ist so gut wie voll. Große und kleine Hunde warten hier auf neue Halter. Manche von ihnen sind so alt, dass es schwer wird, sie zu vermitteln. Einer zum Beispiel, 15-jährig, gutmütig, ist noch nicht lange im Tierheim. Oder der Deutsche Schäferhund Nero. Er ist zwar noch jung, zwei Jahre alt, seine Hüfte ist jedoch fehlgebildet.

Tierheime sind die erste Anlaufstelle für Fundtiere oder für solche, die vom Veterinäramt beschlagnahmt werden. Zurzeit seien die meisten Plätze im Tierheim belegt, sagt Färber. Im Hundehaus seien 23 der 27 Plätze belegt, und auch mit rund 40 Katzen sei die Grenze fast erreicht.

»Wir haben einen Engpass in der Quarantäne-Station. Sieben Plätze gibt es für Hunde, alles, was neu reinkommt, muss zuerst dorthin - gerade Fundhunde oder solche, die beschlagnahmt wurden.«

Hinzukomme, dass gerade ausgesetzte oder abgegebene Tiere schwer vermittelbar seien: »Es ist nicht die süße französische Bulldogge, teilweise sind es Problemtiere. Tiere, die groß, alt oder krank sind.« Drei Fälle, in denen Hunde ausgesetzt worden seien, habe man angezeigt. Zwei der Tiere seien Listenhunde. Ob jemals herausgefunden wird, wer die Tiere ausgesetzt hat - Färber bezweifelt es. In Deutschland gelte es als Ordnungswidrigkeit, ein Tier auszusetzen, erklärt er. Entsprechend würde die Tat mit einer Geldstrafe geahndet. »Viele spekulieren wohl darauf, dass nichts passiert.«

»Es ist zurzeit eine brutale Fülle an Problemen«, mit denen Tierheime konfrontiert würden, sagt Vereinsvorsitzender Färber. »Wir haben Sorge, wie wir das in Zukunft auffangen können.«

Angesichts der schwierigen Situation im Tierheim und der steigenden Preise, sagt der Vorsitzende des Vereins Tierheim Wetterau, Heiko Färber, sei man mehr denn je auf Spenden angewiesen (Geldspenden sind möglich auf das Vereinskonto mit der IBAN DE 24 5185 0079 0051 0068 95; BIC: HELADEF1FRI; Sparkasse Oberhessen). Zudem gibt es die Möglichkeit, Mitglied im Verein Tierheim Wetterau zu werden. Alle Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Tierheims. sda

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Kosmo, der schwarz-weiße Kater, ist seit Oktober im Tierheim und sehr verschmust. Als er gefunden wurde, hatte er eine frische Wunde: Sein Schwanz war amputiert worden. Er ist erst zwei Jahre alt, aber inkontinent. © Nicole Merz
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Tierpflegerin Regina McGee und der Schäferhund Nero. © Nicole Merz

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