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Trinkwasser to go: Ausschuss prüft Anlage von Brunnen

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An einigen Stellen im Stadtgebiet könnten in absehbarer Zeit Trinkbrunnen stehen, etwa in der neu gestalteten Alicestraße. Voraussetzung ist, dass der Prüfantrag der Koalition positiv ausfällt. © Petra Ihm-Fahle

Ist es nur ein »Mode-Antrag«, wie die Freien Wähler finden? Es geht um Trinkwasserspender in Bad Nauheim, deren Errichtung das Rathaus auf Antrag der Kenia-Koalition prüfen soll.

Durch Bad Nauheim schlendern und bei Bedarf etwas Wasser trinken - bei Hitze kann das eine gute Sache sein. Die Koalition aus CDU, Grünen und SPD sieht das jedenfalls so und stellte einen Antrag, die Errichtung von Trinkwasserbrunnen zu prüfen. Ort war die jüngste Stadtverordnetensitzung in der Trinkkuranlage. Wie Claudia Kutschker (Grüne) erklärte, wünscht sich die Koalition mindestens eine Trinkwasserstelle. Deren Einrichtung soll die Stadt im Rahmen des aktuellen Umbaus der Alicestraße prüfen. Zudem bat sie das Rathaus, die Möglichkeiten weiterer Trinkwasserstellen zu untersuchen, die in den Stadtteilen liegen könnten. Dabei soll die Verwaltung die Ortsbeiräte einbeziehen. »Wir wollen es als Prüfantrag im Bauausschuss behandeln«, sagte Kutschker.

Die Grünen-Stadtverordnete wies auf eine EU-Trinkwasserrichtlinie hin, wonach mehr Brunnen installiert werden sollten. Demnach gehöre zur Daseinsvorsorge, dass jeder Bürger, jede Bürgerin das Recht auf Wasser hat. Kutschker führte die Hitze-Sommer an: »Bad Nauheim war schon oft heißeste Stadt in Hessen.« Wie sie vermutete, dürfte es jedem schon einmal passiert sein, unterwegs eine Flasche Wasser kaufen zu wollen, aber der Laden hatte zu. Trinkbrunnen wären geeignet, schnell einen Schluck Wasser zu verzehren, sagte Kutschker. Besonders für eine Kur- und Gesundheitsstadt erachte die Koalition dies als richtig. Eine hygienische Prüfung sei dabei wichtig, wie Kutschker betonte. »Es würde auch Müll durch PET-Flaschen im Park vermeiden«, fügte sie hinzu.

»Modeantrag« oder Notwendigkeit?

Markus Philipp (FW) erklärte, einerseits eine Sinnhaftigkeit zu sehen, andererseits nannte er es einen »Modeantrag«. Er bezifferte die Kosten für Trinkwasserbrunnen auf vier- bis fünfstellige Beträge pro Stück. »Die Brunnen müssen sich aus hygienischen Gründen regelmäßig selber spülen«, argumentierte er. Das Wasser laufe dann in die Kanalisation. »Setzt man sich kritisch damit auseinander, halte ich es für falsch. Wer bei Hitze rausgeht, kann sich selber eine Flasche Wasser mitnehmen«, meinte Philipp. Gebe es Hygieneprobleme, werde die Stadt nachweisen müssen, nicht Verursacherin zu sein.

Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) gab Philipp hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit recht. »Aber es ist ein Prüfantrag, und wir können uns so etwas an der einen oder anderen Stelle vorstellen.« Nach Ansicht von Kreß treffen Trinkbrunnen den Zeitgeist. »Wir haben viele Senioren, die Temperaturen steigen«, sagte er. Die wachsende »Vollkasko-Mentalität« bezeichnete er allerdings als Problem: Dass Menschen nicht bereit seien, sich bei Hitze eine Flasche Wasser mitzunehmen.

Ein Wasserangebot für eine Stadt, die Kur- und Heilbad ist, gehört nach Ansicht von Kreß gleichwohl ein Stück weit dazu. »Aber wir müssen die Kosten im Blick haben«, mahnte er. Als Beispiele, wo sich der Rathauschef einen Standort vorstellen kann, führte er den umzugestaltenden Friedhofspark in Nieder-Mörlen, die Alicestraße und die neue Dorfmitte Wisselsheim an: Stellen, an denen sowieso eine Neugestaltung ansteht oder in Gange ist und die Stadt für den Brunnen nicht extra die Oberfläche aufreißen muss.

Das Problem sind die Folgekosten

Manfred Jordis (CDU) unterstrich: »Entscheidend ist: Die EU hat uns verpflichtet, etwas zu machen - und dann einfach zu sagen ›Wir machen nichts‹ - das finde ich schwierig.« Öffentliche Trinkwasserangebote gibt es laut Jordis etwa in Oberursel, Friedrichsdorf und Bad Homburg.

Joachim Lorych (Grüne) schlug vor, sich um Fördertöpfe zu bemühen. Dazu gab Bürgermeister Kreß zu bedenken, dass er als eigentlichen Punkt die Folgekosten sieht. »Pflege, Kontrolle und Wartung - das macht es richtig teuer«, betonte er. Mehrheitlich überwies das hohe Haus den Prüfauftrag in den städtischen Ausschuss.

Trinkwasser an den Schulen: Antrag im Kreistag

Im Verlauf der Debatte erinnerte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis die Freien Wähler an einen Antrag Ende 2021 im Kreistag. Grüne und Freie Wähler forderten dort, Wasserspender für Schulen im Wetteraukreis zu installieren. Sie hatten Bildungseinrichtungen im Blick, in denen es keine Möglichkeit zum Auffüllen von Trinkflaschen gibt (diese Zeitung berichtete). Die Koalition aus CDU und SPD plädierte daraufhin dafür, erst einmal den Bedarf zu prüfen. Künftig soll bei allen Neu-, Um- und Anbaumaßnahmen an Schulen des Wetteraukreises die Einrichtung einer Trinkwasserentnahmestelle geprüft werden. Das soll in Verbindung mit dem Bau von Mensen geschehen.

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