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Waldbaden in Bad Nauheim: Wie es funktioniert und was es bringt

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Von: Hanna von Prosch

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Kornelia Stöhr ist zertifizierte Trainerin für Waldbaden. © Hanna von Prosch

Eine besonders intensive Form des Naturerlebnisses ist das Waldbaden. Der Kneipp-Verein bietet diese Form der körperlichen und seelischen Entspannung auch in Bad Nauheim an.

Shinrin Yoku - Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes« - schon das bedachte Aussprechen des japanischen Begriffs und der deutschen Bedeutung erfordert Behutsamkeit. Nicht schnell die Steigung hinaufhasten, nicht auf den Hund an der Leine achten und auch nicht reden, weder mit der Begleitung noch ins Handy. Entschleunigung ist das Zauberwort, das Trainerin Kornelia Stöhr versucht, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Waldbaden zu vermitteln.

Stille und Langsamkeit sind wichtige Elemente, um bei sich selbst und im Hier und Jetzt anzukommen. »Die meisten Menschen sind zielorientiert auf der Überholspur des Lebens unterwegs. Selbst wenn sie durch den Wald spazieren oder joggen, verfolgen sie ein Ziel. Dabei ist der Wald oft nur grüne Kulisse«, sagt die zertifizierte Kursleiterin.

Stress am Baum aufhängen

Zunächst fordert sie alle auf, sich einen Baum zu suchen, ihn zu berühren und den mitgebrachten Stress und alles, was einen beschäftigt, daran aufzuhängen. Die »Waldgarderobe« nennt sie diese symbolische Handlung. So sollen die Aufmerksamkeit von außen auf den eigenen Körper gelenkt und das Eintauchen und Einswerden mit der Natur möglich werden.

In Japan wird schon seit den 80er Jahren Shinrin yoku, das sich hierzulande als Waldbaden etabliert hat, als gesunde und wohltuende Lebensform praktiziert. Das hat gute Gründe, denn im Forst herrschen zum Beispiel eine höhere Luftqualität und eine niedrigere Lufttemperatur. Waldluft hat rund 90 Prozent weniger Staubteilchen als Stadtluft. Die reduzierten Luftschadstoffe entlasten die Atemwege und steigern die körperliche Leistungsfähigkeit. Die Lichtverhältnisse sorgen für eine bessere Stimmung, der Zivilisationslärm ist weit weg. Das wirkt stärkend auf die Psyche, das Nervensystem, das Immun- und Hormonsystem und reguliert den Blutdruck. »Bäume und Pflanzen geben chemische Botenstoffe, sogenannte Terpene, ab, die über Haut und Atemluft aufgenommen werden und wie eine Aromadusche wirken, in der wir baden können«, erklärt Stöhr.

Wer einmal erlebt hat, was Waldbaden mit Körper und Seele macht, will auch zu anderen Jahreszeiten seine Sinne verwöhnen: im Frühling, wenn die Vögel zwitschern, oder im Winter, wenn die Eiskristalle an den Zweigen glitzern. Im Herbst, wenn das bunt gefärbte Laub unter den Füßen raschelt, oder im Sommer, wenn man unter einem Baum oder an einem Bach sein Tuch ausbreitet. »Beim Blick in das Blätterdach der alten Buchen wird jedes Waldbad zum Kurzurlaub«, verspricht sie.

Mit verschiedenen Übungen sensibilisiert sie die Sinne. Ganz für sich alleine soll man einen Baumstamm von der Wurzel bis zum Blätterdach mit den Augen abtasten und alle Details vom Käfer bis zur Nisthöhle bewusst wahrnehmen, die Rinde fühlen, Muster in der Borke erkennen.

Geist befreit, Energie erzeugt

Stöhr baut Atem-, Dehn- und Tastübungen ein, schult die Aufmerksamkeit. Sie nimmt ihre Gruppe mit auf eine jahreszeitliche Fantasiereise zum Vogelflug oder aufs Blätterdach. Ob Blatt, Hölzchen oder Blume, das, worauf sich der Blick spontan richtet, wird zu einem Bild gelegt. Ein jedes Element steht symbolisch für etwas, wofür man dankbar ist.

Nach dem drei- bis vierstündigen »Schlendern« durch den Wald und zu den Ruhestationen sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um eine wunderbare Erfahrung reicher, wie es Carla aus Bad Nauheim formuliert. Bernd aus Grebenhain resümiert: »Es hat meinen Geist frei gemacht und neue Energie erzeugt.«

Karina aus Laubach erinnert sich an das Waldbaden im November, daran, wie unvergesslich die Klangschalen-Meditation am märchenhaften Bachlauf gewesen sei. Also: einfach darauf einlassen.

Das Mobiltelefon bleibt zu Hause

Waldbaden ist für jeden geeignet - ob für Kinder oder ältere Menschen, als Einzelperson oder mit Freunden, Familie oder im Kollegenkreis. Normale Kondition ist ausreichend, da keine langen und beschwerlichen Strecken zurückgelegt werden. Aber Trittsicherheit, gutes Schuhwerk und dem Wetter angepasste Kleidung sind notwendig. Außerdem sollen ein Sitzkissen, ein Handtuch, um sich darauf zu legen, und ein Getränk im Gepäck sein. Zu Hause bleiben soll alles, was ablenken könnte, vor allem das Mobiltelefon. Die meisten Krankenkassen akzeptieren ein Waldbad als Präventionsmaßnahme im Bonusheft. Die nächsten Termine in Bad Nauheim sind am Donnerstag, 12. Mai, um 14.30 Uhr und am Donnerstag, 30. Juni, um 17.30 Uhr. Treffpunkt ist die Weberhütte am Johannisberg. Anmeldung über die Geschäftsstelle des Kneipp-Vereins Bad Nauheim-Friedberg-Bad Salzhausen, Telefon 0 60 32/9 37 05 65 oder E-Mail an kontakt@kneipp-bn.de. Infos gibt es online: www.waldbaden-in-hessen.de.

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