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Corona-Infektionen schnellen nach oben: Teilschließung von Waldorfschule Bad Nauheim

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Von: Bernd Klühs

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Viele Klassenräume der Waldorfschule Bad Nauheim sind seit Dienstag verwaist: Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 hat das Kreisgesundheitsamt eine Teilschließung angeordnet. © Nicole Merz

Die Corona-Infektionszahlen sind nach oben geschnellt, betroffen davon sind auch Schulen in der Wetterau. In der Bad Nauheimer Waldorfschule muss das Gesundheitsamt nun härter durchgreifen.

Bad Nauheim – Seit Dienstag (07.12.2021) müssen Lehrerinnen und Lehrer der Freien Waldorfschule in Bad Nauheim auf ihre umfangreichen Erfahrungen in Sachen Distanzunterricht zurückgreifen, die sie in den zurückliegenden Monaten der Pandemie gesammelt haben. Das Gesundheitsamt Wetterau hat für die private Bildungseinrichtung nämlich eine Teilschließung angeordnet, über die betroffene Eltern am Montag informiert wurden.

Aufgrund stark steigender Corona-Infektionszahlen darf es bis einschließlich 13. Dezember in den Jahrgängen 1 bis 9 keinen Präsenzunterricht mehr geben. »Alle Klassen haben bereits heute Morgen Distanz-Unterricht per Zoom, oder die Elternschaft hat gestern Abend Arbeitsaufträge von den Klassen- und Fachlehrern erhalten«, beschreibt Astrid Stark, Geschäftsführerin der Schule, am Dienstag die Konsequenzen.

Waldorfschule Bad Nauheim: Alle Corona-Regeln werden beachtet

Laut Stark werden in der Schule alle in Hessen gültigen Corona-Regeln eingehalten. An drei Tagen pro Woche müssen sich die Kinder und Jugendlichen einem Test unterziehen, im Unterricht gilt Maskenpflicht. »Einige Schüler haben sich von der Maskenpflicht befreien lassen und dem Gesundheitsamt eine entsprechende Bescheinigung vorgelegt«, sagt die Geschäftsführerin. Wie viele Fälle von Maskenpflicht-Befreiung es gibt, weiß sie nicht zu sagen.

Der rasante Anstieg der Covid-19-Infektionen in den Klassen 1 bis 9 konnte allerdings nicht verhindert werden. Wie es in einem Schreiben des Kreisgesundheitsamtes an die Schulleitung heißt, hätten sich aktuell 46 der rund 420 Schüler dieser Jahrgänge bei einem PCR-Test als infiziert erwiesen. »Aufgrund dieser Häufung befinden sich im Moment fünf von insgesamt 17 Klassen der Jahrgangsstufen 1 bis 9 in häuslicher Quarantäne. Darüber hinaus sind bereits fünf Lehrerinnen PCR-positiv getestet, im übrigen Lehrkörper gibt es weitere neun Krankmeldungen«, heißt es in dem Brief. Die Quarantäne-Maßnahmen hätten den Anstieg der Infektionszahlen allerdings nicht gestoppt. Deshalb sei die Teilschließung, die in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt erfolgt sei, unumgänglich.

Impfungen an der Waldorfschule in Bad Nauheim: Nur ein Corona-Fall in Oberstufe

Zur Zahl der geimpften Schüler kann Geschäftsführerin Stark keine Angaben machen. Für die Kinder unter zwölf Jahren komme eine Immunisierung bislang ohnehin nicht in Frage. Die Impfquote könne allerdings eine Rolle spielen. Denn in der Oberstufe, die kaum mit den anderen Schülern in Kontakt komme, habe es bislang nur einen positiv getesteten Jugendlichen gegeben. In diesen Klassen seien möglicherweise mehr Schüler geimpft. Die Oberstufe befinden sich weiterhin im Präsenzunterricht. Auch in der Waldorf-Kita sei die Situation nicht besorgniserregend. »Dort gibt es aktuell keinen bestätigten Verdachtsfall.«

Die übrigen Schüler sollen sich am kommenden Montag alle einem Schnelltest in einem Testcenter unterziehen. Wer ein negatives Ergebnis aufweise, könne am 14. Dezember wieder an die Schule zurückkehren.

Waldorfschule Bad Nauheim: Ab Dienstag wieder Präsenzunterricht?

Gibt es unter den Eltern und Lehrern der Waldorfschule besonders viele Impfskeptiker oder gar Querdenker? Dieser Verdacht könnte mit Blick auf Ereignisse an Waldorfschulen in Süddeutschland aufkommen. Daran glaubt Stark nicht. Sie hat unter anderem alle E-Mails im Blick, die Eltern an die Schulleitung und Geschäftsführung richten. Von Protesten gegen die Test- und Maskenpflicht oder die jetzt vollzogene Teilschließung sei in diesen Schreiben nichts zu spüren.

Gleiches gelte für das Lehrerkollegium. Nach den Worten der Geschäftsführerin gibt es in der Schulgemeinschaft Kritiker oder Gegner der staatlichen Corona-Politik. Sicher seien auch nicht alle Pädagogen geimpft. Doch das sei in anderen Gruppen der Gesellschaft nicht anders.

Corona an der Waldorfschule Bad Nauheim: Abgrenzung von Impfgegnern

Nach Angaben des Bundes der Waldorfschulen gibt es in Deutschland 254 Schulen mit dieser pädagogischen Ausrichtung, in denen rund 90 000 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Lediglich an zehn dieser Schulen gebe es Mitarbeiter, die gegen Corona-Regeln verstießen, Schulleitungen, die staatliche Anordnungen nicht konsequent umsetzten, oder Eltern, die dagegen protestierten. Schwerpunkte sind laut Medienberichten Bayern und Baden-Württemberg, wo ohnehin die meisten Impfskeptiker Westdeutschlands leben. Wie eine Studie der Universität Basel zeigt, sind vor allem in Südwestdeutschland die Querdenker stark im alternativen und anthroposophischen Milieu verankert. Viele Impfgegner berufen sich auf die Lehren von Rudolf Steiner (1861-1925), Begründer der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik.

In der Bad Nauheimer Waldorfschule gibt es nach Aussage von Geschäftsführerin Astrid Stark keine Probleme mit Impfskeptikern oder -gegnern. Die Schulleitung halte sich an die staatlichen Corona-Regeln, Widerstand dagegen sei bislang nicht laut geworden. Die Bad Nauheimer Geschäftsführung teilt die Haltung des Bundes der Waldorfschulen. Diese Dachorganisation hat sich mehrfach und nachdrücklich für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen ausgesprochen. »Wir grenzen uns ab von Maßnahmeverweigerern und Impfgegnern sowie jeglichen demokratie- und staatsfeindlichen Aussagen, von querdenkerischem und rechtsextremistischem Gedankengut«, heißt es einer Erklärung. (Bernd Klühs)

Die Sorgen der Gastronominnen und Gastronomen wachsen – auch in der Wetterau.

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