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Die Wartelisten für Schwimmkurse sind voll.

Schwimmen lernen

Warten auf den Schwimmkurs-Platz

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Es war schon vor Corona nicht einfach, einen Platz im Schwimmkurs zu bekommen. Inzwischen sind die Wartelisten aber noch länger. Aussicht auf Besserung gibt es allerdings kaum.

Die Wartelisten sind lang. »Wir haben 150 Kinder auf der Liste«, sagt Marlis Krell-Moder von der DLRG Friedberg-Bad Nauheim. »Das ist schon eine ziemliche Hausnummer.« Sie ist technische Leiterin Schwimmausbildung und bietet mit dem Team aus Übungsleitern aktuell zwei Anfängerschwimmkurse (pro Kurs sind es 15 Kinder) an - immer montags im Usa-Wellenbad. An diesem Tag ist das Schwimmbad nur für die Vereine geöffnet - und entsprechend voll mit Schwimmschülern. Denn neben den Anfängerschwimmkursen gibt es auch zahlreiche weiterführende Kurse. Deswegen wird jede freie Fläche im Schwimmbad genutzt: das große Schwimmbecken, das beheizte Außenbecken sowie der sogenannte Badebrunnen (das kleine Becken im vorderen Bereich). Im Sommer hatte die DLRG zudem noch Intensivkurse angeboten.

Dass im Lockdown 2020 die Schwimmbäder über mehrere Monate geschlossen waren, macht sich neben den langen Wartelisten auch am Alter der Kinder bemerkbar, sagt Krell-Moder. »Die Kinder, die jetzt in den Anfängerkurs kommen, sind älter.« Also die, die eigentlich vergangenes Jahr im Schwimm-Lern-Alter gewesen sind. Was zudem hinzukomme: das Einzugsgebiet. Die Schwimmschüler, berichtet Krell-Moder, kommen teilweise aus dem Wetterauer Ostkreis, zum Beispiel aus Nidda. Dort gab es bis 2016 ein Hallenbad. »Es wäre gut, wenn es in diesem Bereich wieder ein Schwimmbad gäbe.« Andere Kinder kommen aus dem Taunus, etwa aus Neu-Anspach. »Die Eltern sind bereit, große Strecken zurückzulegen.«

So wie Familie Oertel aus Bad Vilbel. Die Mutter fährt ihre Tochter jede Woche nach Bad Nauheim zum Schwimmkurs. Die Sechsjährige lernt dort im Usa-Wellenbad in einer privaten Schule schwimmen. An sich sei alles bestens, erzählt die Mutter. Einziges Manko: die Entfernung - »im Berufsverkehr dauert eine Fahrt eine Dreiviertelstunde«. Doch im Umkreis habe es keinen freien Kursplatz mehr gegeben. »Wir standen seit Herbst 2020 bestimmt auf acht Wartelisten bei unterschiedlichen Vereinen.« Geplant war eigentlich, dass die Tochter mit der Einschulung - die war im Sommer - schwimmen kann, zumindest das Seepferdchen hat.

Das Problem, wie Oertel sagt: »Es kommen immer wieder neue Jahrgänge nach - plus alle anderen, die auch ins Schwimmbad gehen wollen.«

Deswegen hat Stephanie Müller aus Bad Nauheim ihre Tochter nicht mehr für den Silber-Schwimmkurs angemeldet. »Sie hat noch rechtzeitig vor der Schließung 2020 ihr Bronze-Abzeichen gemacht.« Daher wolle die Familie nun anderen Kindern, die noch gar nicht schwimmen können, den Vortritt lassen. Aus ihrem Freundeskreis kennt Müller das Problem: Manche warteten schon lange auf einen freien Platz. Es sei sowieso schon lange schwierig gewesen, in einen Kurs zu kommen, nicht erst durch Corona. Nun jedoch habe sich das Problem verschärft.

Der Betriebsleiter des Usa-Wellenbads, Sascha Rieck, kann das bestätigen. Auch das Schwimmbad bietet eigene Kurse an - »bis in den kommenden Sommer hinein können die belegt werden. Und nächstes Jahr werden auch wieder potenzielle Kandidaten dazukommen.« Wegen der langen Wartelisten habe man Zusatzangebote im Schwimmbad eingeführt, auch die Vereine und Schulen hätten zusätzliche Wasserzeiten bekommen. »Es gibt Zusatzangebote und zusätzliche Flächen, auch für Vereine und private Schwimmschulen. Im Moment vergeben wir etwas großzügiger«, sagt Rieck. Aber: »Man versucht natürlich auch, dem Individualgast seine Fläche zu geben.«

Ein Problem, das hinzukomme, seien die fehlenden Übungsleiter für Kurse. »Es mangelt an Personen, die dafür qualifiziert sind, die Kurse durchzuführen.«

Bei den Kursen für Fortgeschrittene gebe es keine so großen Probleme mit vollen Wartelisten. Wenn die Kinder also schon schwimmen können - zum Beispiel, weil sie es mit den Eltern gelernt haben -, wäre es einfacher, einen Platz zu bekommen. »Wenn man zehn, zwölf Wochen regelmäßig mit seinem Kind ins Schwimmbad geht, kann man schon einiges bewirken. Gerade in Sachen Wassergewöhnung.«

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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