1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis
  4. Bad Nauheim

Wenn der starke Regen kommt: Herausforderung in Bad Nauheimer Stadtteil

Kommentare

agl_Starkregen1_060623_4c_2
Jens Mack (l.) und Sven Klausnitzer erinnern sich an damals: Von den abschüssigen Feldern oberhalb des Rosentals in Wisselsheim ist der Starkregen heruntergekommen und wie ein Fluss ins Dorf geströmt. © Petra Ihm-Fahle

Was Hochwasser angeht, sieht sich Bad Nauheim relativ gut geschützt Aber wie ist die Lag im Stadtteil Wisselsheim, wenn Starkregen herunterkommt?

Wenn Gewitter aufzieht, wird Jens Mack aus Wisselsheim mulmig zumute. Er erinnert sich wieder an Freitag, den 30. Mai 2008, als es etwa 20 Minuten lang extrem regnete und Keller durch Wassermassen überflutet wurden. Auch der stellvertretende Ortsvorsteher Sven Klausnitzer (FDP) hat diesen Tag nie vergessen. Im Bad Nauheimer Parlament stellte der Liberale jüngst eine große Anfrage zu dem Thema. Wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) erläuterte, hatte die Stadt gerade den Bescheid über Fördermittel für eine Starkregen-Gefahrenkarte erhalten.

Zurück zu dem Abend im Mai 2008. Als die damaligen starken Niederschläge vorbei waren, ging Familie Mack nach draußen. »Plötzlich sahen wir das Wasser«, schildert Jens Mack. Es schoss aus Richtung Rosental über Södeler und Wisselsheimer Hauptstraße die Fahrbahn herunter bis in die Weihergasse. Wie ein Fluss sah die Straße auf einmal aus.

Mann rettete sich durch ein Oberlicht

Mack holte schnell Blumenkübel, um damit das Tor abzuriegeln. Ohne Erfolg. Das Wasser drang ein und stieg bis auf zwei Meter an. Alles im Untergeschoss war zerstört und voller Schlamm von den Feldern. Eine Reihe von Häusern im Stadtteil war betroffen. Die Einliegerwohnung der Mieterin seiner Eltern war völlig zerstört, ein anderer Mieter war im Heizungskeller eingeschlossen. Durch ein Oberlicht konnte sich der Mann mit Mühe retten.

Mack ist wichtig, auf die Ursache hinzuweisen: Es habe sich nicht um ein Hochwasser durch die nahe gelegene Wetter gehandelt. Auch war es bei ihm nicht hochdrückendes Wasser aus dem Kanal wie bei den Eltern von Klausnitzer. »Es war Oberflächenwasser, das durch Tür und Tor strömte.« Grund ist die Hangneigung der Felder oberhalb des Rosentals, wodurch das Wasser den Berg herunterläuft. Zwar liegt dort ein Kanal, allerdings reicht das Fassungsvermögen offenbar nicht aus.

Um etwas für die untere Weiherstraße zu tun, baute die Stadt 2012 ein Schmutzwasserpumpwerk und einen Entlastungskanal ein. Für jemanden, dessen Grundstück etwas oberhalb liegt und der von Oberflächenwasser betroffen ist, bringt das nach Überzeugung von Mack nichts.

Er hat Fotos, die das Ausmaß der Schäden zeigen. Schaut er die Bilder an, wird ihm auch heute noch anders. Es sei traumatisch gewesen - allemal, da es 1981 ein ähnliches Ereignis gegeben hatte.

Laut Bürgermeister Rückstau im Kanalnetz möglich

Im Parlament sagte Klausnitzer nun: »Wisselsheim liegt in einer Art Kessel und wird von vier Seiten potenziell vom Hochwasser bedroht.« Im Namen der FDP-Fraktion wollte er unter anderem wissen, wie und wann der Hochwasserschutz in dem Dorf das letzte Mal überprüft worden war. Eine weitere Frage drehte sich um das Thema Starkregen: Ob ein Abfließen der Wassermenge bei Starkregen über die Kanalisation möglich sei.

Bürgermeister Kreß gab Antworten: Das Regierungspräsidium stellte seinen Worten zufolge im November 2015 Hochwasserrisiko-Karten bereit. Wie aus den Daten hervorgehe, bestehe keine allgemeine Gefahr für Wisselsheim durch ein 100-jährliches Hochwasser. »Die Hochwasserrisiko-Karten zeigen jedoch nur die Bereiche auf, die bei einem Hochwasser durch die Wetter gefährdet sind«, räumte er ein. Hierdurch ließen sich keine Rückschlüsse auf Gefahren durch Starkregen ziehen. Die Abwasserleitungen und Kanäle wurden laut Bürgermeister nicht für Starkregen-Ereignisse ausgelegt. Bei extremen Vorkommnissen könne im Kanalnetz daher ein Rückstau entstehen.

Idee: naturnahes Rückhaltebecken

Die Stadt plant laut Kreß aktuell die Erstellung von Starkregen-Gefahrenkarten - zahlreiche deutsche Kommunen hätten nach der Katastrophe im Ahrtal Fördergelder beantragt. Die Ausschreibung sei aktuell in Vorbereitung.

Jens Mack hat eine Vorstellung, wie sich das Problem für den Stadtteil lösen ließe. »Ein naturnahes Rückhaltebecken, nichts Betoniertes. Man könnte das Wasser auf natürliche Weise dort oben kurz zwischenspeichern, auf dem Feld halten und dann kontrolliert abfließen lassen.« Seiner Ansicht nach ließe sich das vielleicht sogar mit kleinem Geld machen.

Auch interessant

Kommentare