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Weyrauch-Bauprojekt wird größer und kommt später

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Von: Bernd Klühs

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Das Verkaufszelt wird verschwinden, die Lagerhalle bleibt erhalten. An sie wird der viergeschossigen Neubau der Weyrauch GmbH mit Verkaufsräumen und Mietwohnungen angedockt. © Nicole Merz

Die Corona-Pandemie lädt Firmen nicht gerade zu Investitionen ein. Das zeigt sich auch bei der Bad Nauheimer Kaufhaus Weyrauch GmbH, die ihr Bauvorhaben Am Taubenbaum erneut verschiebt.

Würde ein ortsfremder Investor die vertraglich vereinbarte Frist für den Start eines Bauprojekts zweimal verstreichen lassen, wäre in der Bad Nauheimer Politik Skepsis angesagt. Bei der Kaufhaus Weyrauch GmbH ist das anders. Für deren Wunsch, das Vorhaben auf dem unternehmenseigenen Grundstück im Gewerbegebiet Am Taubenbaum erneut zu verschieben, zeigen die Stadtverordneten vollstes Verständnis. Die von Weyrauch beantragte Änderung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans »Am Taubenbaum« wurde von Bauausschuss und Kernstadt-Ortsbeirat sogar begrüßt. Die Einleitung des B-Plan-Verfahrens wurde in beiden Gremien, die am Dienstag gemeinsam tagten, einstimmig beschlossen.

Erfreut sind die Kommunalpolitiker vor allem deshalb, weil die Kaufhaus-Geschäftsführung den Baubeginn zwar auf einen bislang noch nicht bekannten Zeitpunkt verschiebt, ihr Konzept aber gleichzeitig erweitert. Die Verkaufsfläche für den Camping- und Gartenmöbelmarkt soll künftig 1200 Quadratmeter betragen, bisher war von 800 die Rede.

Zahl der Wohnungen verdoppelt sich

Noch wichtiger aus Sicht der Stadtverordneten: Die Zahl der vorgesehen Mietwohnungen wird etwa verdoppelt: Statt 15 bis 20, so die bisherige Ansage, sollen exakt 33 entstehen. Dabei verpflichtet sich Weyrauch, 15 Prozent der 2150 Quadratmeter umfassenden Wohnfläche 15 Jahre lang für 8,50 Euro/m2 zu vermieten. Vielleicht, so Bürgermeister Klaus Kreß, werde der Mietpreis noch niedriger ausfallen. Schließlich wolle das Unternehmen die Wohnungen nicht zuletzt seinen eigenen Mitarbeitern anbieten.

Die Versorgung der Beschäftigten, aber auch von anderen Geringverdienern mit bezahlbarem Wohnraum hatte Konrad Weyrauch bereits im Sommer 2017 gegenüber der WZ angekündigt. »Es ist gut, wenn ein Arbeitgeber sein Personal selbst unterbringt«, lobte Ausschuss-Mitglied Michael Schmale (Freie Wähler) diesen Aspekt des Investitionsvorhabens.

Zwei Fristen verstrichen

Am Konzept - Handel und Wohnen unter einem Dach - hat sich nichts geändert, nur an den Dimensionen und am Zeitplan. Bereits im Mai 2018 war der erste vorhabenbezogene Bebauungsplan rechtskräftig geworden. Ein Jahr später hätte der Bauantrag vorliegen, Ende 2022 das Gebäude stehen müssen. Daraus wurde nichts, vielmehr stimmte das Stadtparlament im August 2019 dafür, die Frist zum Einreichen des Bauantrags bis Ende 2021 zu verlängern. Doch wieder wird nichts passieren.

Während der damalige Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Jürgen Patscha, 2019 die Überlastung von Baufirmen und Pläne für die Kaufhaus-Standorte in Thüringen als Gründe für die Verschiebung anführte, nannte Bürgermeister Kreß diesmal die Pandemie. In der aktuellen Beschlussvorlage wird vorsichtshalber gar keine Frist mehr genannt. Verwiesen wird auf eine Durchführungsvertrag, der noch verhandelt wird und geänderte Fristen enthalten soll.

Lagerhalle bleibt erhalten

Die Pläne sehen einen Erhalt der Lagerhalle auf dem 4000-Quadratmeter-Grundstück vor. Der Neubau, der um ein Stockwerk auf vier wachsen soll, wird rechtwinklig an diese Halle angedockt. Eine kurze Diskussion entwickelte sich in der Sitzung über die Stellplatz-Frage. »Die Zahl der Stellplätze ist Spitz auf Knopf kalkuliert«, sagte CDU-Vertreter Steffen Mörler, angesichts von 50 Tiefgaragen-Plätzen für die Mieter und 29 Plätzen für Kunden des Marktes. Michael Schmale von den Freien Wählern würde sich in der städtischen Stellplatz-Satzung mehr Flexibilität wünschen. Bei solchen Bauprojekten hält er einen Stellplatz pro Wohnung für ausreichend. Vorgeschrieben sind 1,5.

Auf jeden Fall wird das Grundstück stark verdichtet bebaut. Heiko Heinzel (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) sprach von einer »ausgereizten Versiegelung« der Fläche. Eine Einschätzung, die von den Grünen geteilt wird. Deren Fraktionsvorsitzende Claudia Kutschker bemängelte das Fehlen eines Grünstreifens und vermisste in dem Planentwurf eine Spielecke für Kinder. »Gerade für die ganz Kleinen ist der nächste Spielplatz recht weit entfernt«, sagte sie. Eine Anregung, die Heinzel aufnehmen und in die weiteren Gespräche einbringen möchte.

Mischgebiet entsteht

Eigentlich sollte das Bauprojekt der Weyrauch GmbH die Vorreiterrolle für die Umwandlung des Gewerbegebiets Am Taubenbaum spielen. Daraus soll nämlich ein Mischgebiet werden. Dieses Ziel hatte die Bad Nauheimer Politik bereits vor Jahren formuliert. Durch die erneute Verschiebung des Bauvorhabens kommt ein anderer Investor dem Kaufhaus-Betreiber möglicherweise zuvor. Die Firmengruppe des Bad Nauheimer Immobilienunternehmers Peter Bach hat nämlich das 7000 Quadratmeter große Grundstück An der Birkenkaute 6 erworben und möchte dort 50 Eigentumswohnungen sowie Büroräume errichten.

In beiden Fällen wird der Beschluss des Stadtparlaments zur Förderung von bezahlbarem Wohnraum zum Tragen kommen. Während Weyrauch selbst für günstigen Wohnraum sorgt und 15 Prozent der Fläche 15 Jahre lang für eine Quadratmeter-Miete von 8,50 Euro anbieten will, hat Bach andere Vorstellungen. Er wird wohl die Investorenabgabe vorziehen. Das heißt, er zahlt 700 Euro pro Quadratmeter für 15 Prozent der entstehenden Wohnfläche. Allerdings gibt es in der Kenia-Koalition Überlegungen, diesen Prozentsatz schrittweise zu erhöhen. Sollte ein solcher Antrag, der schon mal vorlag, aber geändert werden soll, beschlossen werden, könnte es für die Bach-Gruppe teurer werden.

Bürgermeister Klaus Kreß ist eigentlich kein Freund solcher »Briefmarken-Bebauungspläne« wie dem für das Weyrauch-Projekt. Bei der Umwandlung in ein Mischgebiet sei es aber schwierig, die Interessen aller Anlieger unter einen Hut zu kriegen.

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