Wo ist Platz für Solarfelder?

Bad Nauheim (kni). Die Energie wird knapp. Bei den Stadtwerken herrscht Sorge, dass der Gaslieferant kurzfristig höhere Preise verlangt. Die müssten dann entweder die Stadtwerke tragen und ihre Pleite riskieren - oder die Stadtwerke müssten die Preissteigerung an die vielen Tausend Privatkunden weiterreichen. Auch auf einen Ausfall des Gasnachschubs müsse man sich vorbereiten, sagte Bürgermeister Klaus Kreß in der Parlamentssitzung am Donnerstag.

Deshalb sei vorsorglich ein Krisenstab mit Vertretern der Stadtwerke, der Stadtverwaltung, der Feuerwehr und der Polizei gegründet worden. Einspar- oder andere Maßnahmen sind aber noch nicht beschlossen, so Kreß auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten und FDP-Stadtverordneten Peter Heidt.

In naher Zukunft muss die Stadt viel mehr eigenen Ökostrom produzieren, forderten die Freien Wähler am Donnerstag. Weil auch die Koalition aus CDU, Grünen und SPD den Antrag mittrug, muss die Verwaltung bis Oktober alle städtischen Flächen nennen, die für den Bau von Solarfeldern aus Fotovoltaik-Modulen infrage kommen. Die seien viel wirkungsvoller als Dachanlagen, heißt es im Antrag der FWG. Und durch den Umstieg auf Elektromobilität würden wieder Ackerflächen frei, auf denen zurzeit noch die Beimengen für die Kraftstoffe E5 und E10 erzeugt würden. Bad Nauheim könnte Strom produzieren, der nur sieben bis zehn Cent je Kilowattstunde kostet. Die FDP gab sich noch grüner. Für die Solarfelder sollte auch die Verwendung von Äckern aus städtischem und Privatbesitz in Bad Nauheimer Gemarkung geprüft werden, forderte der Liberalen-Fraktionschef Benjamin Pizarro. Von 1700 Hektar in Bad Nauheim reichten 74 aus, um den Strombedarf der ganzen Stadt zu decken. Unter den aufgeständerten Modulen könnten Pflanzen gezogen werden oder Scha- fe weiden, ergänzte sein Fraktionskollege Sven Klausnitzer.

Das war den Bad Nauheimer Grünen zu radikal. Unter den Solarmodulen könne nichts wachsen, meinte die Fraktionsvorsitzende Claudia Kutschker. Das Ackerland werde zur Lebensmittelproduktion gebraucht, ergänzte Manfred Jordis von der CDU. Und Ackerboden sei eine knappe Ressource, befand SPD-Fraktionschef Sinan Sert. »Wir sollten erst mal sehen, wo versiegeltes Land ist.« Sinnvoll sei zum Beispiel, über Parkplätzen Solardächer zu errichten.

Mehrere Studien hätten nachgewiesen, dass Biodiversität durch PV-Flächenanlagen nicht leide, im Gegenteil, konterte Klausnitzer. Und auf Bad Nauheimer Äckern werde meist nicht für den menschlichen Nahrungsmittelkonsum produziert.

Am Ende stimmten 19 Stadtverordnete für eine Suche nach versiegelten Flächen für Solardächer. 16 Abgeordneten reichte das nicht aus. Darunter waren auch einige Mitglieder der Grünen-Fraktion.

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

Mehr zum Thema

Kommentare