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Wo sind denn nur die Gänse hin?

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Die Zahl der im Kurpark brütenden Kanadagänse ist seit Jahren konstant. © Laura Eßer

Bad Nauheim (les). Wer gerne im Kurpark spazieren geht, dem dürfte aufgefallen sein, dass dort eine vorwinterliche Ruhe eingekehrt ist. Die sonst von Dutzenden Gänsen bevölkerten Wiesen sind mittlerweile leer. Nach dem Regen ist zwar endlich wieder zartes Grün gesprossen, doch gütlich tut sich daran kaum noch einer. Einzig ein paar Nilgänse und die zahmen Erna-Ente-Gänse flanieren noch durch den Park - wo sind nur die sonst anzutreffenden anderen Gänse abgeblieben?

Nur eine Familie mit Nachwuchs

Im Sommer war das Bild nämlich ein ganz anderes. Trotzdem es dieses Jahr bei den wilden Gänsen wenig Nachwuchs gab, hielt sich auf den Wiesen rund um den kleinen Teich über mehrere Wochen eine stattliche Zahl Kanadagänse auf. Rund 40 der großen braunen Gänse mit dem schwarzen Hals und den markanten, weißen Wangenflecken grasten zeitweise den Rasen ab, und so mancher Besucher ärgerte sich über die grünen Hinterlassenschaften auf den Wegen. Dann werden alljährlich schnell Klagen laut, dass die Population ausufern und es immer mehr Tiere würden.

Doch das stimmt eigentlich gar nicht. Schuld an diesem Eindruck sind vermutlich die stark schwankenden Bestandszahlen aller Arten im Laufe des Jahres. Denn die Gänse bleiben nicht das ganze Jahr über an einem Ort, und sie verteilen sich nicht immer gleichmäßig. Zu manchen Zeiten treffen sie sich in großen Gruppen - dann gibt es mancherorts sehr viele Gänse und an anderen keine mehr.

Tatsächlich ist die Anzahl der im Kurpark brütenden Kanadagänse in den letzten Jahren auf einem konstanten Niveau geblieben. Aus der Winterpause kehren stets die gleichen Paare zurück. Da in diesem Jahr nur eine Familie Nachwuchs führte, war die Zahl der fest ansässigen Tiere sogar vergleichsweise gering.

Vorübergehend flugunfähig

Doch der Kurpark ist nicht nur für Gänsepaare mit Kinderwunsch interessant, sondern auch ein Mauserplatz für Kinderlose. Einmal im Jahr wechseln Gänse ihr Großgefieder. Die großen Schwingen an den Flügeln fallen alle gleichzeitig aus. Es dauert etwa vier bis sechs Wochen, bis die Federn vollständig nachgewachsen sind. Während dieser Mauser sind Gänse flugunfähig. Sie können sich das leisten, da sie ihre Nahrung am Boden suchen und nicht auf das Fliegen angewiesen sind, um Futter zu finden. So geht der anstrengende Wechsel des Federkleids schneller vonstatten, doch die Flugunfähigkeit hat auch ihre Nachteile. Zum einen sind die Tiere dann eine leichte Beute für Fressfeinde, weshalb sie sich während der Mauser gerne zu größeren Gruppen zusammenschließen. Unter vielen gibt es stets jemanden, der aufmerksam ist. Zum anderen suchen sie Orte auf, an denen sie ihre Nahrungsgründe vom Wasser aus bequem zu Fuß erreichen können. Ein solcher Ort ist der Kurpark. Auf dem großen Teich finden die Gänse sichere Schlafplätze an den Inseln, und vom schmackhaften Menü trennt sie nur ein kleiner Spaziergang auf die großen Wiesenflächen. Deshalb kommen zu den Brutpaaren, die schon im Frühjahr an den Teichen eintreffen, im Sommer noch mal einige Tiere hinzu. So entsteht schnell der Eindruck einer stetig wachsenden Anzahl von Gänsen.

Jedoch legen die meisten von ihnen nur einen Zwischenstopp an den Teichen ein. Wenn die Mauser abgeschlossen ist, herrscht bereits wieder Aufbruchstimmung. Als erstes verlassen die wilden Graugänse die Teiche, denn sie mausern bereits im Mai und im Juni. Im Spätsommer haben auch ihre größeren Verwandten ihre Mauser beendet und sobald die Jungtiere auf allabendlichen Rundflügen über Bad Nauheim ihre Flugmuskulatur ausreichend trainiert haben, ziehen alle Kanadagänse gemeinsam ab. Dann schauen nur noch gelegentlich kleine Gruppen vorbei, die in der Regel schon am nächsten Tag oder wenig später wieder verschwunden sind.

Ganz ähnlich verhält sich die Situation bei den Nilgänsen. Zwar sind das ganze Jahr über einige Vertreter dieser Art da, doch die Anzahl der Brutpaare ist schon über mehrere Jahre relativ konstant, und die steigenden Zahlen im Sommer sind wie auch bei den Kanadagänsen auf Mausertrupps zurückzuführen. Mittlerweile haben auch die Nilgänse die Mauser beendet, und ein Großteil von ihnen ist wieder abgezogen.

Manche können gar nicht weg

Den Winter verbringen die meisten Gänse in großen Schwärmen, die an nahrungsreichen Orten in die Hunderte und Tausende gehen können. Zum Ende des Winters lösen sich diese Massen langsam wieder auf, und die Familien kehren in ihre jeweiligen Brutreviere zurück. Dann kommen auch die im Kurpark lebenden Wildgänse heim, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Eine neue Brut, eine neue Mauser, ein neuer Aufbruch.

Zurück bleiben ein paar wenige und jene, die nicht wegfliegen können. Die behinderte Nilgans Shila zum Beispiel oder die dicken Hausgänse Djanga, Elvis und Co. Sie bleiben das ganze Jahr über im Kurpark, gut versorgt und bestens verköstigt beim täglichen Erna-Ente-Treff.

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Die wilden Graugänse verlassen als erste die Teiche des Bad Nauheimer Kurparks. © Laura Eßer

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