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Dieses Gebäude-Ensemble an der Frankfurter Straße wird durch ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus ersetzt. Zu massiv, meinen manche Stadtverordnete. ARCHIVFOTO: NIC

Nur FDP sagt Nein

»Zu massiv« Kritik im Parlament an Zahnfabrik-Bauprojekt

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Vier wichtige Bauprojekte in Bad Nauheim hat das Stadtparlament in seiner jüngsten Sitzung auf den Weg gebracht. Nur beim Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan »Ehemalige Zahnfabrik« gab es einige kritische Anmerkungen und Gegenstimmen aus den Reihen der FDP.

Auf dem Gelände der Zahnfabrik, das die Grenze zwischen der Kernstadt und Nieder-Mörlen bildet, möchte ein Investor drei Mehrfamilienhäuser mit 54 Wohnungen errichten. Die Stellplätze entstehen in einer Tiefgarage. FDP-Sprecher Peter Heidt bemängelte zwei Punkte. Aus Sicht der Liberalen ist das größte Gebäude, das direkt an der Frankfurter Straße errichtet wird, zu hoch und zu wuchtig. »Dort entstehen fünf Geschosse. Das hat uns erstaunt, denn ursprünglich war eines weniger vorgesehen«, sagte Heidt.

Außerdem sind nach Auffassung der Freidemokraten die Rechte der Betreiber von Tapas-Restaurant und Weinhandel im Rahmen des Planungsprozesses nicht genügend berücksichtigt worden. Dieses benachbarte Grundstück wurde in den B-Plan »Ehemalige Zahnfabrik« einbezogen, was Heidt kritisch beurteilte. »Es handelt sich um Bad Nauheimer Geschäftsleute, die mit diesem Bebauungsplan benachteiligt werden. Falls sie die Bebauung ihres Areals weiterentwickeln möchten, müssen sie eine Planänderung beantragen und die Kosten übernehmen.«

Diese Kritik wurde von Sinan Sert (SPD) geteilt. »Die Kommunikation der Stadt mit den Nachbarn hätte besser laufen können«, sagte er. Die SPD sehe das Projekt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Positiv sei die Investorenabgabe, die der Bauherr entrichte, um damit die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen. Lieber hätte es die SPD allerdings gesehen, wenn der Investor 15 Prozent seiner 54 Wohnungen über einen längeren Zeitraum günstig vermietet hätte.

CDU-Sprecher Steffen Mörler ging kurz auf die historische Bedeutung der Zahnfabrik ein, die heute allerdings keine Augenweide mehr sei. Die Massivität des fünfgeschossigen Hauptgebäudes, das an der Frankfurter Straße entsteht, sei auch in der CDU kritisch diskutiert worden. »Fortgesetzt wird mit diesem Projekt die einseitige Entwicklung in der Stadt, denn es werden wieder hochpreisige Eigentumswohnungen gebaut«, betonte Mörler. Von Investoren mit solchen Projekten eine Abgabe zu verlangen, sei sehr berechtigt: »Sie können nur solche hohen Preise verlangen, weil die Stadt für ein attraktives Umfeld sorgt.«

Für den Satzungsbeschluss votierten schließlich UWG, CDU, Grüne und SPD, nur die FDP stimmte mit Nein. Der Investor aus Aschaffenburg kann loslegen, sobald er die Baugenehmigung erhalten hat.

Grünes Licht für Hospiz-Planung

Einen weiteren Weg bis zur Realisierung haben dagegen die drei übrigen Bauvorhaben zurückzulegen, für die das Parlament jeweils einstimmig die Einleitung des Bebaungsplanverfahrens beschloss. Den Bau eines zweiten Parkhauses am Hochwaldkrankenhaus und die Errichtung einer neuen Kindertagesstätte Süd auf dem Schwimmbad-Parkplatz-Gelände halten die Stadtverordneten ebenso für sinnvoll wie das stationäre Hospiz an der Johanneskirche (die WZ berichtete über diese drei Projekte bereits).

Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

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