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Bad Salzhausen: Ausflug in die Welt der Kräuterfrau

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Gewebestärkend und entwässernd: Kräuterfrau Tanja Adam zeigt ihren Führungsteilnehmerinnen die Vogelmiere. © Elfriede Maresch

Welche Pflanzen gehören zur »Apotheke der Natur«? Eine gute Ansprechpartnerin zu diesem Thema ist Tanja Adam aus Schotten, die in Bad Salzhausen regelmäßig Führungen anbietet.

I n Kooperation mit der Kur- und Touristik-Info bietet Adam dreimal jährlich Heilkräuter-Rundgänge an und war nun mit einer Gruppe in der Feldflur am Unteren Kurpark unterwegs. Allerdings - spektakuläre Blüten und üppiger, weithin spürbarer Duft waren dieses Mal nicht zu erwarten, eher kleine, unscheinbare Exemplare, durch die Trockenheit gestresst. Adams Rundgang war zugleich eine kleine Schule der Naturbeobachtung und Botanik, die Mitwandernden ließen sich interessiert darauf ein.

Mehr als lästiges Unkraut

Fein gefiedert, mit kleinen weißen Blüten war am Wegrand der Vogelknöterich zu finden. Als Tee ist die kieselsäurehaltige Pflanze gewebestärkend, entwässernd und zeigt gute Wirkung bei Blasenentzündung. Weit stärker ins Auge springt die Brennnessel, von Gartenbesitzern nicht unbedingt geschätzt. Aber sie ist mehr als »lästiges Unkraut«. Brennnesseltee hilft bei Erkrankungen von Niere und Blase oder bei Rheuma. Die zarten Blättchen der jungen Pflanzen kann man als Suppe oder Gemüse essen. »Superfood« aus Brennnessel? »Ja«, meinte Adam, »wenn die Samen abgestreift und gesammelt werden. Sie sind reich an Eiweiß, Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Man kann sie zum Beispiel über Joghurt oder Müsli streuen, mit denen ihr nussiger Geschmack gut harmoniert.«

An einer Feuchtstelle in der Wiese zeigte Adam ein »pflanzliches Antibiotikum«, die Gundelrebe, auch Erd-Efeu genannt, mit günstiger Wirkung bei eiternden, schlecht heilenden Wunden. Adams Spezialtipp: »Tauchen Sie die Blätter in geschmolzene Schokolade und lutschen diese. Das erinnert an After eight!«

Doch wie bleiben Heilkräuter haltbar? Manche Arten verlieren beim Trocknen ihre Wirkung. Adam gab gute Tipps, etwa zum Bereiten von Tinkturen. Die sauber gewaschenen, kleingeschnittenen Pflanzen werden in Speiseöl oder Alkohol von neutralem Geschmack eingelegt, die Flasche verschlossen und an einen warmen Ort gestellt. Sechs Wochen lang wird täglich geschüttelt, dann die Flüssigkeit in dunkle Flaschen abgeseiht und kühl aufbewahrt.

Genussvoll und heilsam

Die Blütenknöpfe des Rotklees schmecken leicht süß, was Kinder gern ausprobieren. Pimpinelle, auch Wiesenknopf genannt, wird in manchen Gärten toleriert, weil sie mit ihrem mild-bitteren Geschmack ein gutes Gewürz für Salatsaucen oder Kräuterbutter ist. Die Gerbstoffe wirken entzündungshemmend. Als Heilteepflanze bekannt ist die Schafgarbe mit ihrer krampflösenden Wirkung bei Menstruationsbeschwerden und Magen-Darm-Infekten. Linderung bringt sie, äußerlich angewandt, bei Hautbeschwerden wie Ekzemen, Allergien oder Insektenstichen. »Vorsicht aber bei weißen Doldenblütlern«, warnte Adam: »Auch giftige Arten sind dabei.« Das weiße Wiesenlabkraut hat nicht umsonst seine Beinamen Soldatenkraut oder Zimmermannskraut, mit gutem Erfolg setzt man es bei Wunden ein.

Auch den gelb blühende, früher als Färbepflanze genutzte Odermennig, das »Sängerkraut«, zeigte Adam. Seine Gerbstoffe helfen als Tee bei Heiserkeit, Erkältung der Atemwege und Erkrankungen von Leber und Galle. Reich an Vitamin C sind die Beeren des schwarzen Holunders, aber die Kräuterfrau warnte vor spontanem Naschen - roh sind sie leicht giftig, empfehlenswert aber gekocht, so in Marmelade und süßen Suppen. Holundertee ist bei Erkältungskrankheiten bewährt und stärkt die Immunabwehr. Beifuß, den die Gruppe am Wegrand entdeckte, ist bekannt als Gewürz für fette Speisen und regt den Verdauungstrakt an. Am Salzbach war das Mädesüß zu finden, aus seinem Namen Spierstrauch leitete man die Bezeichnung für Aspirin ab, denn der Wirkstoff ist ähnlich: Entzündungshemmend und lindernd bei Kopf- und Gliederschmerzen.

»Wie können Heilkräuter so problematische Trockenperioden überleben?« - die Frage beschäftigte die Gruppe. Adam nannte verhältnismäßig resistente Pflanzen: Beifuß, Schafgarbe, Gundelrebe und einheimischen Sandthymian (Quendel).

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