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Bad Salzhausen: Kein Aufschub für Therme

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Die Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen wird Ende September geschlossen. Das neue Vital- und Gesundheitszentrum soll im Herbst 2026 stehen. © Myriam Lenz

Die Justus-Liebig-Therme schließt zum 30. September. Bei einer Gegenstimme von Jürgen Heldt (SPD) und zwei Enthaltungen aus der Bürger-Liste (BL) beschloss dies das Stadtparlament.

Die Justus-Liebig-Therme in Bad Salzhausen wird Ende September schließen. Mit dem Beschluss einer überwältigenden Mehrheit des Niddaer Parlaments geht das Votum für ein Gesamtpaket einher, sprich: Zügig ein energetisch nachhaltiges Hallenbad in der Kernstadt sowie ein Vital- und Gesundheitszentrum in Bad Salzhausen zu erbauen. Wichtige Ergänzungen beziehungsweise Präzisierungen beruhen auf einem gemeinsamen Änderungsantrag der Fraktionen SPD, CDU, Bürger-Liste und Fraktion Bündnis 90/Grüne. Ort der Sitzung am Dienstagabend war das gutgefüllte Bürgerhaus. Substanzreiche Reden prägten den Tagesordnungspunkt, darunter von Udo Franzke, dem stellvertretenden Ortsbeiratsvorsitzenden von Bad Salzhausen.

Energieverbrauch und Sanierungsstau

Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU) fasste zahlreiche Punkte zusammen, die seines Erachtens die Schließung der Therme unausweichlich machen: Zum einen der immense Energieverbrauch, dazu die Gas- und Stromkrise durch den Ukraine-Krieg. Zum anderen der hohe Sanierungsstau und ein enormer Zuschussbedarf. Die geschätzt 2 Millionen Euro für den Thermenbetrieb 2023 könnte die Stadt nur über eine massive Verteuerung der Eintrittspreise und eine deutliche Erhöhung der Grundsteuer abfangen.

»Aber wir wissen auch, dass die Therme das Herzstück von Nidda ist«, räumte Eberhard ein. Insofern treffe das Stadtparlament an diesem Abend eine Entscheidung für die Zukunft des Stadtteils - für den Bau eines energetischen Solequellen-Gesundheitszentrums mit allen notwendigen Therapieeinrichtungen, -becken und Gastronomie. »Wir werden in der Zeit des Umbaus dafür sorgen, das kulturelle Angebot vor Ort zu stärken«, stellte er in Aussicht. Ziel sei, dadurch die Restaurants und Cafés vor Ort zu unterstützen. »Ich bin derzeit in Gesprächen mit dem Gesundheitsamt, um ein Angebot für ein Teil der Reha-Gruppen zu schaffen«, sagte der Rathauschef. Zudem habe er Kneipp-Vereinsvorsitzenden Dr. Lutz Ehnert angeschrieben. Ehnert hatte mitgeteilt, Kontakt zu einer Investorin herstellen zu können, die sich für den Thermenbetrieb in Bad Salzhausen interessiere. »Mit dem Beschluss heute erfolgt nicht der sofortige Abriss, nein. Wir werden ab morgen mit voller Kraft an der Neuentwicklung arbeiten. Und bis zum Abschluss der Planung 2023 sind wir auch offen für Investoren.«

Der Bad Salzhäuser Udo Franzke appellierte: »Treffen Sie die richtige Entscheidung«. Er ging auf die Kommunikationsprobleme im Vorfeld ein, um dann Aspekte zu nennen, die es nach Ansicht seines Gremiums zu bedenken gilt. Eine Schließung der Therme könne das Hohe Haus nur beschließen, wenn die Existenzen in Bad Salzhausen während der Übergangszeit gesichert würden, Kliniken keinen Schaden nähmen und Gesundheitssuchende Ersatzangebote erhielten. Die Planung eines Nachfolgekonzepts müsse vor einem Abriss oder Teilabriss der Therme erfolgt sein, zudem müssen nach Überzeugung des Ortsbeirats alle Beteiligten einbezogen werden. Der Ortsbeirat fordert laut Franzke, sich engagiert um Investoren, Förderungen, eine energetisch langfristig tragbare Lösung und die Prädikatisierung zu bemühen. »Wir reichen Ihnen geschlossen die Hand mit der Botschaft: Lasst uns zusammenarbeiten«, betonte er.

Vitalzentrum soll Herbst 2026 stehen

Christine Jäger (SPD) lieferte einen zeitlichen Überblick über die anstehenden Vorhaben: Demnach ist es Ziel, das neue Hallenbad in Passivbauweise im Herbst 2025 in Betrieb zu nehmen. Die Öffnung des Vital- und Gesundheitszentrums ist laut Jäger für Herbst 2026 vorgesehen.

Eine Gegenstimme, zwei Enthaltungen

Rouven Seum (BL) sprach wohl den meisten Stadtverordneten aus dem Herzen, als er sagte: »Mit Blick auf Bad Salzhausen tragen wir die Beschlüsse schweren Herzens mit.« Es bestehe auch die Verantwortung für die gesamte Großgemeinde mit allen 18 Stadtteilen. Marcus Stadler (Grüne) führte horrende Kosten auf, die auf die Kommune zukämen »und von denen wir heute noch nichts wissen«. Insofern sei es sehr wichtig, mit dem vorhandenen Geld sehr vorsichtig umzugehen. Hagen Puttrich (CDU) ging auf die 3500 Unterstützer einer Online-Petition gegen die Schließung ein. Wie er vorrechnete, müsse jeder Unterzeichnende 600 Euro pro Jahr zahlen, um die finanziellen Verluste auszugleichen. Allein SPD-Mann Heldt sprach sich gegen die Schließung aus. »Für mich erschließt sich leider noch nicht, weshalb die Therme übereilt geschlossen werden soll. Es bleiben zu viele Fragen für mich offen.« FOTO: IHM

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