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Bad Salzhausen: »Therme ist das Herz des Kurortes«

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Circa 120 Personen versammeln sich vor der Justus-von-Liebig-Therme und fragen nach den Alternativen. © pv

Die Politik befürwortet Schließung und Abriss, doch bei Bürgern regt sich Protest: 120 Personen demonstrierten vor Ort gegen das Aus für die Justus-von-Liebig-Therme, 1200 weitere per Online-Petition.

Bad Salzhausen (myl). Die Verärgerung vieler Bürger über die angekündigte Schließung der Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen ist groß. Gestern nutzten weit über 120 Personen den Besuch des Hessischen Rundfunks, um gegen die Pläne der Stadt und der Fraktionen, die Therme Ende September zu schließen und mittelfristig abzureißen, ein Zeichen zu setzen. Als Grund hatten Bürgermeister Thorsten Eberhard und die Fraktionsvertreter den hohen Sanierungsbedarf und die gestiegenen Energiekosten genannt. Anstelle der Therme soll ein kleines Gesundheits- und Vitalzentrum entstehen (diese Zeitung berichtete).

Nutzer der Therme ohne Alternative

Etwa 40 Gruppen nutzen die Reha-, Präventions- oder Schwimmkurse in der Therme. Sie sehen sich nun ohne Alternative. Ortsvorsteher Hans Joachim Schwarz wies darauf hin, dass bis zum Bau des geplanten neuen Hallenbads in der Kernstadt mehrere Jahre vergehen würden. Ein luftleerer Raum, in dem den bisherigen Nutzern der Therme ein Angebot fehlen würde. »Die Stadt hat so viele Jahre gebraucht, nun reagiert sie mit einer Ruckzuck-Aktion.« Der kurzfristige Schließungstermin, die fehlende beziehungsweise äußerst späte Kommunikation mit den Beteiligten vor Ort, wie Ortsbeirat, Gastronomie- oder Hotelbetreibern oder den Bürgern brachte die Leute auf die Straße. Mit Plakaten und in Interviews brachten sie ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck.

Eine Lösung hat auch der Ortsbeirat nicht, man hofft auf eine Aufschiebung der Schließung, zumindest bis die neue Therme in Bad Nauheim gebaut ist. »Es ist erschreckend, dass die Leute, die die Therme brauchen, da stehen und nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Es gibt keine Alternative für sie.« Schwarz hofft auf das Gespräch mit dem Bürgermeister am 8. September, um ihn umzustimmen, bevor die Stadtverordneten entscheiden würden. Er vermutet, dass sich nicht alle Parteien einig sind.

Öffentlicher

Diskurs gefordert

»Die Justus-von-Liebig-Therme in Bad Salzhausen ist das Herz des kleinen Kurorts. Es darf nicht aufhören zu schlagen - vor allem nicht so kurzfristig und ohne öffentlichen Diskurs«, schreibt Nina Laupus, die eine Petition auf der Plattform Change.org gestartet hat. Knapp 1200 Personen hatten diese bis gestern Nachmittag bereits unterschrieben.

Auch die Unterzeichner fordern mit ihrem Klick eine Rücknahme der geplanten Schließung zum 30. September, die Prüfung des Energiesparpotenzials durch Sanierung und Einsparungen, die Prüfung und Beantragung von Fördermitteln. Zudem unterstützen sie einen öffentlichen Diskurs mit Bürgerbeteiligung über die Schließung sowie die zukünftige Nutzung, Sanierung oder Abriss der Therme.

»In Zeiten von sozialen Medien und Bürgerbeteiligung, in denen Beteiligung und Partizipation mehr Bedeutung denn je gewinnt, rühmt sich die politische Führung Niddas, dass nichts nach außen gedrungen sei«, steht im Text der Petition geschrieben. Gefragt wird, wie man stolz darauf sein könne, »eine Entscheidung ›im stillen Kämmerlein‹« getroffen zu haben - »ohne Partizipation der Bürger und die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie Medien« als wichtigen Akteuren politischer Diskurse«. Der politische Diskurs sei somit einfach umgangen worden.

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Vertreter der Rheuma-Liga und andere Nutzer verweisen auf den Bedarf des Gesundheitsangebots. © pv

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