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Bad Salzhausen vor Einwohnerverdopplung

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Von: Petra Ihm-Fahle

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In der Idylle soll neuer Wohnraum in Bad Salzhausen entstehen. Die Pläne erhitzen die Gemüter im Ort. © Petra Ihm-Fahle

Auf großes Interesse stieß die jüngste Sitzung des Niddaer Bauausschusses im Bad Salzhäuser Bürgerhaus. Dort beschloss man einstimmig einen Kompromiss zum geplanten Wohngebiet West.

Die mutmaßliche Verdoppelung der Bewohnerzahlen von Bad Salzhausen erhitzt derzeit die Gemüter. Zu Zuwächsen in dieser Höhe könnte es durch die neuen Häuser in der Liebigstraße, dem Neubaugebiet der Firma Lupp im Osten und dem geplanten Wohngebiet West kommen. Dass diese Entwicklung die Bürgerinnen und Bürger bewegt, zeigte die jüngste Niddaer Bauausschusssitzung.

Sicherheitshalber machte Ausschussvorsitzender Jürgen Heldt (SPD) zu Beginn der Sitzung im Bad Salzhäuser Bürgerhaus eine klare Ansage: »Gäste sollen von jedweder Bekundung Abstand nehmen, sonst führe ich den Tagesordnungspunkt ›West‹ unter Ausschluss der Öffentlichkeit.«

Drei Varianten der Bebauung

Zunächst hatte Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU) das Wort. »Man sieht, dass das Baugebiet auf großes Interesse stößt«, stellte er angesichts der vielen Besucher fest. Wie er weiter erklärte, kam es nach der vergangenen Ausschusssitzung zum Kompromissvorschlag, nachdem zunächst drei Bebauungsvarianten auf dem Tisch lagen. Zum einen sollen laut dieser Übereinkunft alle am Rand liegenden Mehrfamilienhäuser auf zwei Stockwerke zuzüglich Staffelgeschoss reduziert werden. Im Mittelbereich sieht der Kompromiss Einfamilienhäuser vor. Wie viele Einheiten es sind, steht noch nicht ganz fest, auf jeden Fall über 30. Verschiedene weitere Bedingungen des Ortsbeirats bezeichnete Eberhard als unkritisch. »Es gibt allerdings einen Punkt - das ist der Wunsch, die Bauarbeiten zu verschieben, bis die Landesgartenschau vorbei ist. Das ist zu lang.« Nidda habe im Moment keinen einzigen Bauplatz zu vergeben, die Nachfrage sei aber groß.

Zwischen den Jahren 2011 und 2021 gab es, laut Eberhard, nur ein Bevölkerungswachstum von 2,77 Prozent. Zu wenig, um Firmen zu erreichen, die sich ansiedeln wollen - Nidda müsse sich aber günstig entwickeln. Nach Ansicht des Rathauschefs gilt es daher, Bauland rasch zu erschließen, um mögliche wirtschaftliche Schäden wie sinkende Gewerbesteuereinnahmen abzuwenden.

Wie Ortsbeiratsmitglied Ingo Heller anschließend schilderte, stimmte der Beirat in außerordentlicher Sitzung am Vorabend einstimmig dem Kompromissvorschlag zu.

Er beschrieb dann die Bedenken der Einwohnerinnen und Einwohner. Etwa, dass der Ort von den vielen gleichzeitigen Baustellen zu stark beeinträchtigt werde. Fraglich sei, laut Heller, auch, ob Kita- und Schulplätze sowie Einkaufsmöglichkeiten in ausreichendem Maß vorhanden seien und es genügend Busverbindungen und Radwege gebe.

Thorsten Eberhard zeigte dafür Verständnis. Was Beeinträchtigungen angeht, liege das Gebiet West direkt an der Bundesstraße, das Baugebiet der Firma Lupp an einer anderen Ortsgrenze mit einer Baustellenstraße, die um den Ort führe. Insofern halte sich die Belastung innerörtlich in Grenzen. Das Problem mit der Nahversorgung besteht, laut Rathauschef, in vielen Stadtteilen. Eventuell sei ein To-Go-Konzept denkbar, was aber davon abhänge, ob sich ein Betreiber findet. Eine Kita ist, laut Eberhard, im Lupp-Bereich vorgesehen. Nach Aussage des Fachdienstleiters für Bauverwaltung, Pablo Hildebrandt, wäre ein kleiner Laden im allgemeinen Wohngebiet möglich. Wie Hildebrandt klarstellte, wurde der Flächennutzungsplan 2004 aufgestellt, der den Bereich West als Wohngebiet bereits enthielt. »Es ist also nicht gestern auf dem Reißbrett entstanden.«

Ortsvorsteher Hans-Joachim Schwarz betonte, dass dem Ortsbeirat seine Empfehlungen zu Infrastruktur und Verkehrsregelung wichtig sind: Konzepte zu Energie, Verkehr, Entwässerung, Parkplatz und Infrastruktur. »Darauf legen wir Wert«, unterstrich er. Laut Marcel Walther, dem Fachbereichsleiter fürs Technische Rathaus, sind diese Punkte im Rahmen der Gesamtentwicklung mit anderen Bauvorhaben und der Landesgartenschau in Arbeit.

Möglichkeit für nachhaltiges Bauen

Judith Könnecke (Grüne) ergänzte, dass ihre Fraktion mit dem Kompromissvorschlag zufrieden ist. »Es gibt eine relativ hohe Dichte«, sagte sie. Allerdings gingen die Grünen aufgrund der gestiegenen Bau- und Energiekosten von exorbitanten Preisen aus. »Uns wäre es ein großes Anliegen, auch die Möglichkeit zur Doppelhausbebauung zuzulassen, um Geld zu sparen und energetisch sinnvoll und nachhaltig zu bauen.«

Wie Hans-Joachim Schwarz dieser Zeitung sagte, ist er persönlich nicht glücklich mit den Plänen. »Ich sehe die Gefahr, dass der gesamte Ort zur Baustelle wird.«

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