+
Im Bad Vilbeler Stadtteil Dortelweil sitzt die Konzernzentrale der Stada AG. Weltweit arbeiten rund 11 000 Menschen für das Unternehmen, etwa zehn Prozent davon am Hauptsitz. Foto: Dennis Pfeiffer-Goldmann

Pharmakonzern

Stada baut 63 Stellen in Bad Vilbel ab

  • schließen

Die Stada AG baut ihren Hauptsitz in Bad Vilbel um und will im operativen Bereich stärker werden. 63 Mitarbeiter sollen die Zentrale des Pharmakonzerns verlassen. Mindestens 50 neue Leute will das Unternehmen aber auch einstellen.

Bad Vilbel - Manch einer in Bad Vilbel hatte in den vergangenen Tagen ein wenig gebangt. Selbst die Furcht vor Massenentlassungen bei der Stada AG geisterte durch die Stadt. Die Gerüchte aber stellen sich als deutlich weniger dramatisch heraus, fast sogar gegenteilig: Ja, Stada will Mitarbeiter entlassen. Unterm Strich dürfte der Generikaspezialist die Zahl seiner Mitarbeiter am Konzernsitz in Dortelweil jedoch wohl nur um 13 reduzieren. 

Allerdings müssen sich deutlich mehr Mitarbeiter umorientieren: „Bis März 2020 ist es geplant, 63 Stellen in Deutschland zu reduzieren beziehungsweise zu verlagern“, sagt Frank Staud, Vizepräsident für globale Kommunikation bei Stada. Er will dies aber als „Verlagerung“ verstanden wissen, da der Konzern auch 50 neue Stellen aufbaue. „Mindestens“, betont Staud. „Wir haben eine Überkapazität in der Verwaltung, auch im internationalen Branchenvergleich.“ So soll der Stellenabbau vor allem die Bereiche Finanzen, Beschaffung und Kundendienst betreffen, während neue Stellen in Bereichen wie Marktentwicklung, Marketing und Verkauf geschaffen werden sollten. „Da haben wir zu wenig Leute,“ sagt Frank Staud, „dort, wo das Geld verdient wird.“

Beschäftigten sollen Wechsel-Angebote erhalten

Von den Veränderungen werde allein der Konzernsitz in Bad Vilbel mit seinen 1050 Beschäftigten betroffen sein. Da die Zahl der neuen Stellen noch nicht fixiert sei, könne es „insgesamt sogar zu einem Nettoaufbau kommen“. Denn Stada plane „weitere Wachstumsmaßnahmen“ wie Produkt-Neueinführungen, sagt der Konzernsprecher. Wie der Stellenabbau vor sich gehen solle, werde Stada mit dem Betriebsrat aushandeln. „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, verspricht Frank Staud. 

Denn Stada wolle ein Freiwilligenprogramm auflegen, um Mitarbeiter zum Wechsel zu ermutigen. Die Gespräche mit dem Betriebsrat begännen nun „und sind optimistisch, dass wir hier zu einem für beide Seiten positiven Verhandlungsergebnis kommen“. Zuletzt hatten die Finanzinvestoren Bain und Cinven 2017 den Generikahersteller nach einem Übernahmepoker übernommen. Die neuen Eigner sind derzeit dabei, das Unternehmen nach 21 Jahren von der Börse zu nehmen. Aktuell läuft auch noch der Rückkauf einer bis 2022 laufenden Anleihe.

Sogar Mitarbeiter-Plus möglich

Zum Standort Bad Vilbel als Sitz des Konzern hatten sich sowohl die Investoren bekannt wie auch der neue Vorstandsvorsitzende Peter Goldschmidt. Das gelte weiter, sagt Frank Staud. Der Umbau beim Personal nahezu ohne Stellenabbau – oder womöglich sogar mit einem Mitarbeiter-Plus – sei „eine extrem positive Nachricht für den Standort“. Das 1895 gegründete Unternehmen ist seit 1957 in Bad Vilbel präsent. 

Für das Beibehalten des Standorts sprächen ganz besonders das Know-how und der Einsatz der Mitarbeiter, betont der Sprecher. 60 Prozent des Stada-Geschäfts machen Generika-Produkte aus. Die Produkte von Stada sind weltweit in rund 130 Ländern erhältlich. Der Konzern beschäftigt an die 11 000 Mitarbeiter und unterhält 19 Produktionsstandorte. 2017 erwirtschaftete der Pharmakonzern einen Jahresgewinn von knapp 200 Millionen Euro bei einem Umsatz von 2,25 Milliarden Euro.

Der Pharmakonzern Stada baut sein Engagement aus. Es ist die größte Übernahme in der Firmengeschichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare