Lesungen im Freibad

Abtauchen in die Bücherwelten

  • VonDieter Deul
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Ein sommerliches Vergnügen bietet die Stadtbibliothek an: Lesungen für Kinder und Jugendliche im Freibad. Das Angebot soll mittwochs in den Sommerferien Drei- bis Zehnjährige neugierig machen.

Am Mittag ist noch unklar, ob es mit dem Freibad etwas wird. Nieselregen, Wolken – aber Bibliotheksleiterin Monika Wystrach ist optimistisch und packt zwei blaue Kisten voller Kinderbücher ein. Den elf Kindern, meist im Kita-Alter, und ihren Eltern erzählt sie auf der Freibadwiese, das sei nur eine kleine Auswahl der 8000 Kinderbücher. Und, dass sie die Idee zu der Schwimmbad-Sommerreihe in ihrer früheren Bibliothekarstätigkeit in Hattersheim schätzen lernte.

Im Halbkreis sitzen die Zuhörer vor Wystrach – in unmittelbarer Sichtweite des Schwimmbad-Spielplatzes, was Kleinkinder zu spontanen Ausflügen auf Kletterhaus und Rutsche animiert. Beim nächsten Mal will sie die Lesung deshalb etwas weiter weg verlegen. Auf dem Schoß hat sie das Bibliotheksmaskottchen, das der Lesereihe ihr Motto gibt: „Florentine taucht ab“.

Wystrach lässt die Kinder tief eintauchen in die Bücherkiste, aus der sie jene Titel wählen sollen, die kurz vorgelesen werden. Keine „richtige“ Lesung also, sondern ein Stöbern und Schmökern mit sommerlicher Unbeschwertheit. So geht es auch nicht darum, bestimmte Werke zu erkunden, sondern um Neugier und auch das Mitmachen.

Beim ersten Werk, dem Bildband „Tiere im Wald“, fragt die Vorleserin, welches Tier denn gewünscht sei. Wildkatze? Nein, lieber die Ameise. Tierisch ist auch das zweite Buch aus Kirsten Roies Reihe um das „Meerschweinchen King Kong“ und seinen jungen Besitzer. Eines der Kita-Kinder hat sich die „Großen Bauwerke“ ausgesucht, aber die richten sich eher an größere Leser. Dennoch zeigt Wystrach den jungen Besuchern die Illustrationen und sie rufen darauf spontan: „Tipi!“ oder „Iglu!“

Apfelmus und Schokokuss

Besonders interessant wird es beim Thema des Bildbands „Unser Essen“, bei dem auch die Ernährungsgewohnheiten der Kinder abgefragt werden: Apfelmus, Banane – Schokokuss! Dann geht es um Gemüse und Obst, als ein Mädchen ruft: „Wir haben Brombeeren im Garten.“ Ein Mädchen erzählt stolz: „Ich darf zu Hause Gurken schneiden.“ Und eine Großmutter merkt an, sie habe durch ihre Enkelin inzwischen auch Kartoffelgesichter kennengelernt.

Es ist schon verblüffend. Obwohl es kein festes Thema, keine längere Geschichte und dafür viele neugierig abschweifende kleine Zuhörer gibt, wird es in der Dreiviertelstunde nie langweilig. Die Kinder kehren mit ihrer Aufmerksamkeit immer wieder zu Wystrach und ihren Büchern zurück. „Ich finde das gut“, sagt die Dortelweilerin Daniela Bergamos, die mit ihrem achtjährigen Sohn der Lesung lauscht, während der Rest der Familie schwimmen geht. Dies, zumal seit zwei Jahren nicht mehr das Theater im Kurpark für junge Familien angeboten werde. Sie begrüßt auch, dass die Bücher ausgewählt werden können und nicht nur eines vorgestellt werde. Vielleicht, regt sie an, könnten ja auch ältere Kinder den jüngeren Kindern vorlesen.

Einfach ausprobieren

Für Monika Wystrach ist der Auftakt auch ein Ausprobieren. Weil doch mehr kleine Kinder da sind, wolle sie beim nächsten Mal die Bücherauswahl entsprechend ausrichten.

Und sie hofft auf sommerlicheres Wetter. Denn die Idee des Freibad-Ausflugs sei ja, „dorthin zu gehen, wo die Kinder hinkommen“.

Das nächste Mal gelesen wird am Mittwoch, 5. August, 16.15 Uhr. Wer sicher sein will, dass die Lesung auch tatsächlich im Freibad und nicht doch in der Bibliothek stattfindet, kann dort eine Stunde vor dem Veranstaltungsbeginn nachfragen unter der Telefonnummer (0 61 01) 4 07 32 20.

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