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Hausaufgaben fertig dank Tabletten? Das Medikament Ritalin soll Kindern mit ADHS helfen, sich besser konzentrieren zu können. Wie ihre Eltern mit dem Wirkstoff umgehen, ist eines der vielen Themen der Friedberger Selbsthilfegruppe für Betroffene der Krankheit. l

Nachfrage groß

ADHS-Selbsthilfegruppe geplant: Reden statt Ritalin

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, bekannt unter der Kurzform ADHS, ist eine Krankheit, die vor allem Kinder betrifft. Häufig belastet sie aber auch deren Familien. In Friedberg steht den Eltern nun eine Selbsthilfegruppe zur Seite. In Bad Vilbel fehlt ein ähnliches Angebot – noch.

Seit März diesen Jahres treffen sich in Friedberg an jedem vierten Donnerstag im Monat Eltern, deren Kinder unter ADHS leiden, um sich darüber auszutauschen, wie ihre Familien mit der Krankheit umgehen. Denn diese erschwert ihnen oft den Alltag: Die Betroffenen sind hibbelig, können sich kaum konzentrieren, handeln impulsiv, haben Probleme in der Schule.

Andreas Stock hat die Selbsthilfegruppe über die Selbsthilfekontaktstelle des Wetteraukreises ins Leben gerufen: „Wir sind rund zehn Paare, die sich austauschen“, erklärt er. Zum Reden kämen die Eltern aus dem ganzen Kreisgebiet. „Es gibt eine gewisse Nachfrage nach Unterstützung bei ADHS“, sagt Stock. Deshalb wolle die Friedberger Initiative auch bald auf der Selbsthilfe-Meile in Bad Nauheim vertreten sein.

„Wir sprechen über alles, was im täglichen Leben vorkommt“, schildert der Familienvater Stock. „Egal ob es um medizinische oder gesundheitliche Fragen geht, um Behördengänge oder Probleme in der Schule.“ Immer ein Thema: Der richtige Umgang mit dem ADHS-Medikament Ritalin. Auch gebe man sich gegenseitig Tipps zu Ärzten oder den Möglichkeiten, schneller an Therapieplätze zu kommen.

„Der eine hat immer schon etwas durchgemacht, was dem anderen noch bevorsteht. Und so hilft man sich“, meint er. „Auch wenn mal kein Treffen ist, sind wir in einer WhatsApp-Gruppe immer miteinander verbunden, falls jemand Hilfe braucht.“

Er könne Familien, die ein ADHS-krankes Kind haben, nur raten, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, so Stock. Und das wird in Zukunft für Menschen in der südlichen Wetterau einfacher, denn in der Quellenstadt ist auch eine Selbsthilfegruppe geplant.

Zwei Elternpaare hätten diese angeregt, erklärt Silke Schöck von der Bürgeraktive Bad Vilbel. „Bei uns finden derzeit circa 50 Selbsthilfegruppen Raum“, berichtet sie. Für die ADHS-Gruppe befinde man sich noch in der Planung. „Das heißt konkret, dass wir darauf warten, dass sich mehr Eltern für ein mögliches Treffen melden.“ Im September könnte es schon so weit sein. Das Thema ADHS werde nämlich oft von außen an die Bürgeraktive herangetragen. Auch in den Sprechstunden für Probleme in der Schule, die der ehemalige John-F.-Kennedy-Schulleiter Peter Mayböhm anbietet, komme da die Aufmerksamkeits-Störung häufig zur Sprache.

Allgemein schwärmt Silke Schöck von Selbsthilfegruppen: „Man ist mit einem Problem nicht allein und findet andere Betroffene. Das gegenseitige Verständnis ist dadurch gegeben“, weiß sie. Der Erfahrungsaustausch stehe im Vordergrund.

In der jüngsten Ausgabe der Selbsthilfezeitung für die Wetterau wird bereits auf die neue Selbsthilfegruppe in Bad Vilbel hingewiesen, auch beschäftigen sich die Autoren genau mit dem Krankheitsbild ADHS. Unaufmerksam und unruhig wirke ein Kind mit ADHS oft, in den ersten fünf Lebensjahren zeige ein Kind, das an der Krankheit leidet, bereits einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und hat die Tendenz zu etwas anderem zu wechseln, ohne das vorherige zu Ende geführt zu haben, schreibt Yvonne Messinger, Fachstellenleiterin Erziehungsberatung der Erziehungsberatungsstelle des Wetteraukreises, beispielsweise.

Die Beratungsstelle kann ebenfalls bei Problemen kontaktiert werden. Sie leistet die direkte Hilfe zu Erziehung und Zusammenleben in der Familie.

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