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Dr. Albert Chambré: Vom Bildungsbürger zum Volksfeind

Chambré setzt sich sehr für seine Schule ein. „Er nimmt sich der Ausstattung der Schule an und richtet auch das Lehrerzimmer ein“, erzählt Vered Zur-Panzer.

Chambré setzt sich sehr für seine Schule ein. „Er nimmt sich der Ausstattung der Schule an und richtet auch das Lehrerzimmer ein“, erzählt Vered Zur-Panzer. Sie engagiert sich in der jüdischen Gemeinde von Bad Vilbel. Ihr Vater ist deren inzwischen verstorbene, langjährige Vorsitzende Raphael Zur.

Mit 22 Jahren legt Chambré sein Staatsexamen ab und ist von 1917 bis 1920 Leiter der höheren Schule in Bad Vilbel. Von da an ist er bis 1925 Studienrat in Gießen. Nachdem der Nationalsozialismus immer mehr zunimmt, wird Dr. Albert Chambré 1933 aus seinem Staatsdienst entlassen. Als seine Entlassung in den Ruhestand umgewandelt wird, ist er erst 45 Jahre alt. Mit seiner Frau Gertrud und den zwei Töchtern Elisabeth und Hildegard zieht er schließlich nach Frankfurt. Dort lässt es sich einfacher in der Anonymität leben. Doch kurz nach der Progromnacht vom 09. November 1938 wird Dr. Albert Chambré nach Dachau ins Konzentrationslager deportiert. Am 14. November 1938 stirbt er. Wie, ist unklar. Buchautorin Monica Kingreen und Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann sagen, er habe sich selbst umgebracht. Vered Zur-Panzer hingegen ist sich sicher, dass er ermordet wurde. .

Er habe Schülern, die sich die Realschule nicht leisten konnten, Schulmaterialien bezahlt und unentgeltlich Nachhilfe gegeben, erzählt die SPD-Politikerin. Sie beschreibt Chambré als hoch angesehen und hilfsbereit. „Dr. Chambré hat viel für die Bürger unserer Stadt gemacht und war ein Teil der intellektuellen Bevölkerung. An diesen hervorragenden Pädagogen und Gründer der Realschule Vilbels ist es wichtig zu erinnern und ein Denkmal zu setzen.“ Ihr Vater Rafael Zur habe sich damals zusammen mit der SPD für die Umbenennung der Stadtschule Bad Vilbel in Dr.-Albert-Chambré-Stadtschule eingesetzt. Walter Lochmann (SPD) sieht diese Namensgebung als einen guten Anlass, an sein Leben und Wirken zu erinnern.

Keine Namensänderung

„Eine Schule zu benennen ist ein weiterer wichtiger Baustein in der Erinnerungsarbeit“, sagt er. Immerhin seien damals mindestens 22 jüdische Bewohner Bad Vilbels Opfer des Holocausts geworden. Inzwischen gebe es aber eine Gedenktafel an der Stadtschule, bestätigt auch Kulturamtsleiter Claus-Günther Kunzmann. Durch den Antrag Rafael Zurs bei der Stadtverordnetenversammlung konnte sie am Haus des Kinderschutzbundes angebracht werden.

Für die Ablehnung der Grundschule gegenüber der vorgeschlagenen Namensänderung hat Kunzmann eine einfache Erklärung. Die Schule müsste alles ändern, wie zum Beispiel die Briefköpfe. Er vermutet keine persönliche Ablehnung dahinter. Der Aufwand sei einfach zu groß. „Einer Schule eine Namensänderung vorzuschreiben, hieß es im Parlament, sei nicht möglich“, erklärt Zur-Panzer. Die SPD überlegt indessen, mit dem Schulamt und der Schulgemeinde in diesem Jahr einen neuen Anlauf zu wagen. Die Partei hätte sich intensiv darum bemüht, die Erinnerungen an den nationalsozialistischen Terror zu bewahren, sagt Walter Lochmann. Außerdem gibt es für Chambré einen Stolperstein an seinem letzten freiwilligen Wohnort. Das damalige Beamtenhaus steht an der Frankfurter Straße, Ecke Goethestraße.

Auf die Frage, ob Dr. Albert Chambré ein Held war, haben alle drei unterschiedliche Meinungen. Lochmann bezeichnet ihn eher als „Widerstandskämpfer“. Er konnte aufgrund seines jüdischen Glaubens nicht in Frieden leben. „Gerade deswegen sollten wir diesen Teil der deutschen Geschichte in mahnender Erinnerung behalten.“ Als einen Helden betrachtet Claus-Günther Kunzmann Chambré nicht. Er habe sich im Rahmen seiner Möglichkeiten engagiert, was ihn immer noch nicht zum Held mache. Denn ein Stück weit sei das als Rektor auch seine Aufgabe gewesen. Trotzdem müsse man es erstmal schaffen, zwei Jahre mit der Diskriminierung und Verstoßung zu leben.

An Vorbild erinnern

„Dr. Albert Chambré hat die Welt der kleinen Stadt Vilbel und das Leben der Bürger Vilbels verändert.“ Mit seinen „außeralltäglichen Leistungen“ habe er die Realschule in Bad Vilbel gegründet. „Dr. Albert Chambré setzte seine ganze Kraft, Einfluss und Geld ein, um in Vilbel die Bildung und Kultur voran zu entwickeln und eine Schule mit mehr Klassen zu erreichen.“

Chambré sei ein Vorbild, zu dem man aufschauen und sich dran erinnern sollte. Zur-Panzer findet es deshalb sehr wichtig, dass sich die Bürger wieder an Albert Chambré „besinnen und erinnern“.

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