Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz

Alle suchen nach dem Eisvogel

Begeistert waren Naturfreunde, die an einer Exkursion der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Bad Vilbel teilgenommen haben. Ziel des Ausflugs war die renaturierte Nidda.

Der Eisvogel lässt nicht lange auf sich warten. Kaum sind die rund 40 Naturinteressierten bei der Exkursion der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) am ersten Punkt der renaturierten Nidda angelangt, erklingt der typisch durchdringende Ruf des schillernden Uferbewohners, und kurz darauf fliegt er direkt an der Gruppe vorbei über den Fluss.

Doch nicht nur der Eisvogel ist an der Nidda zu finden, auch Weißstorch, Flussregenpfeifer, Kiebitz, Stieglitz oder Kormoran kann man hier entdecken. Es gibt also wieder Leben an und in der Nidda.

Grund dafür sind die Renaturierungsarbeiten, die seit 1989 an dem kanalisierten Fluss umgesetzt wurden. Die sind auch Thema der Exkursion im Zuge der alljährlichen Herbsttagung der Gesellschaft. Der Bad Vilbeler Gewässerökologe Gottfried Lehr, einer der Initiatoren der Nidda-Renaturierung, führt die Teilnehmer von Karben bis Gronau, um verschiedene Projekte zu zeigen und zu erläutern.

„Von ökologische Elementen wie Buhnen, Mini-Inseln und Röhrichtbermen innerhalb verbauter Ortslagen bis hin zur Verlegung des kompletten Flussbettes können auf acht Kilometern Länge nahezu alle Varianten von Möglichkeiten der Renaturierung als Mosaiksteine zur Gesundung der Nidda gezeigt werden“, erläutert Lehr. Heute leben statt ehemals drei bis fünf wieder rund 30 Fischarten in der Nidda, darunter Döbel, Elritze, Bitterling, Meerforelle, Barbe und sogar die sehr anspruchsvolle Nase.

Außerdem zwei Krebsarten und diverse Muscheln. Auch der Biber ist zurückgekehrt und heute für die Gehölzpflege verantwortlich. In den angrenzenden Feuchtwiesen läuft ein Wiederansiedlungsprojekt für die in Hessen extrem seltene Europäische Sumpfschildkröte.

Die umgesetzten Projekte versteht Lehr ganz klar als „

Hilfe zur Selbsthilfe

“. Denn es sei wichtig, die Natur ihren Weg selbst finden zu lassen. Wie sie das tut, lässt sich an der renaturierten Nidda beobachten. Sie darf wieder in ihrem Tempo fließen, sich schlängeln, und die Ufer beginnen zu verbuschen. „Natur braucht Zeit und Raum“, so Lehr. Das sei die wichtigste Lehre aus dem groß angelegten Renaturierungsprojekt.

Neben Mitteln des Landes Hessen wurden weit über 50 Prozent der Projekte über private Initiativen finanziert. Die Hassia Mineralquellen engagieren sich ebenso wie die Gerty-Strohm-Stiftung. Außerdem gibt es Projekte des Angelvereins Bad Vilbel und Sponsoren-Pools. Ohne dieses „Öko-Sponsoring“ wäre die Renaturierung laut Lehr unmöglich gewesen.

Nach der Besichtigung der Nidda geht es mit dem Bus weiter zum Streuobstzentrum „MainÄppelHaus“ auf dem Frankfurter Lohrberg. Mit einem Glas Apfelsecco gestärkt werden die Teilnehmer dort vom Ersten Vorsitzenden Gerhard Weinrich über das Gelände geführt, auf dem rund 600 Bäume 80 verschiedener Apfelsorten stehen. Denn, wie Weinrich betont: „Es gibt nicht nur Pink Lady!“ Bei Äppler, Handkäs mit Musik und Apfelweineis lassen sie den Exkursionstag gemütlich ausklingen.

Die HGON-Herbsttagung findet an zwei Tagen statt. Der zweite Tag steht dieses Jahr im Zeichen des Themas „Naturschutz in Europa“.

Im Kultur- und Sportforum Dortelweil referieren Experten zu Inhalten wie dem Waldzertifikat FSC, einem zweiten europäischen Brutvogelatlas und EU-subventionierten Naturschutzprojekten in Hessen. Fantastische Natur-Aufnahmen aus verschiedenen Regionen Europas führen dem Publikum noch einmal deutlich vor Augen, wie wertvoll und erhaltenswert unsere heimische Natur ist.

(fnp)

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