Bilder der Brunnenstadt

Wie das alte Vilbel modern wurde

  • vonDieter Deul
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Eine Gelegenheit zum Schmökern, erinnern und erzählen bietet der neue Fotoband „Bad Vilbel früher und heute“. Auf 170 Seiten stellt der Verleger Peter Gschwilm Motive von einst und heute gegenüber. Die Bilder verblüffen mit längst vergessenen Details.

Bildbände über Städte gibt es viele, aber einen, der die Vergangenheit und Gegenwart kontrastiert, dafür musste der Verleger Peter Gschwilm erst nach San Antonio im US-Bundesstaat Texas reisen. So etwas sollte es auch für Bad Vilbel geben, fand er. Denn es gebe kaum noch waschechte Vilbeler – schon deswegen, weil der Ort nach dem Krieg nur 6000 Einwohner hatte, heute sind es 33 000. Mit seinem druckfrischen Fotobuch „können jetzt alle Leute, die ein Heimatgefühl entwickelt haben, sehen, wie es einmal war.“ Vier bis fünf Jahre hat er der ehemalige Verleger des Bad Vilbeler Anzeigers fafür seine eigenen Bildbestände und die des Stadtarchivs durchstöbert.

Die Kontraste sind eindrucksvoll. Eine wunderschöne Barockkirche, St. Nikolaus, wurde im 217. Jahr ihres Bestehens 1969 in einer Nacht-und Nebelaktion abgebrochen, heute steht dort ein anonymes Büro- und Ladengebäude. Die Frankfurter Straße zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ist festlich geschmückt, doch auf der Fahrbahn verlieren sich ein Kutschgespann und ein neugieriges Huhn. Wie anders sieht die Flaniermeile heute während des Straßenfestes aus. Oder der „Krughof“, wo von 1873 bis in die 1950er Jahre der „Vilbeler Doppelkümmel“ gebrannt wurde. Heute steht dort eine Filiale der Sparda-Bank.

Ein seltenes Bild nicht nur für Alte-Mühle-Besucher ist das sepiafarbene Bild von der einstigen Mühle dort mit ihrem Wehr, das einst ein beliebter Badeplatz war. Auch an das alte Krankenhaus Am Felsenkeller, 1980 geschlossen, erinnern sich viele Bad Vilbeler. Deutlich sieht man die Veränderungen auch auf dem Areal gegenüber dem Kurhaus. Was später als Zentralparkplatz genutzt wurde und heute der Niddaplatz mit Brückenbücherei ist, erscheint auf einem alten Schwarzweißfoto wie eine verschlafene Dorfmitte. Zwischen niedrigen Häusern und einer Scheune sprudelt auf einer wiese ein Brünnchen, daneben der alte Kurhaussteg. Ungewohnt ist auch der Anblick des Bad Vilbeler Kurparks, der sich bis zum Terrain des späteren Hallenbades erstreckte – das nächstes Jahr selbst Geschichte sein wird.

Neben der Innenstadt sind auch die Stadtteile vertreten, der Dottenfelderhof, das alte Rathaus in Massenheim, das sich nicht verändert hat, und der Holzhausenhof in Dortelweil, der heute in frischem Glanz erstrahlt.

Schon einmal hat Gschwilm die Stadt illustriert mit dem Bildband „Bad Vilbel – die schönsten Seiten einer liebenswerten Stadt“. So aufwendige Bildbände gebe es in Städten vergleichbarer Größe nicht, sagt Gschwilm. Allein sein Zeitaufwand bei der Bildersuche sei nicht zu kalkulieren. Er dankt den Sponsoren und appelliert gleich an Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), dass auch die Stadt Bände ankauft und verschenkt.

Im Anhang des Buches gibt Gschwilm einen kurzen Rückblick auf die Stadtgeschichte. Das ist auch Thema seines nächsten Buchprojekts, einer zweiteiligen Geschichte Bad Vilbels, die nächstes Frühjahr erscheinen soll – von der Urzeit bis zur Hessentagsstadt 2020. Zwei Bände mit je 300 Seiten sind geplant, sollen fortschreiben, was 1969 und zuletzt 1989 der Lokalchronist Willi Giegerich als Standardwerk über die Vilbeler Geschichte zusammenstellte. Heute ab 16.30 Uhr stellt der umtriebige Verleger im Massenheimer Autohaus Fischer-Schädler neben dem Fotoband auch die Bände 17 bis 20 seiner „Vilbeler Geschichten“ vor.

Hier erhältlich

Den Fotoband gibt es zum Preis von 19.95 Euro in Bad Vilbeler Apotheken, Buchhandlungen, der Massenheimer Hessol-Tankstelle und weiteren Läden.

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