Vortrag beim Seniorenbeirat

Im Alter zuhause bleiben können

  • vonDieter Deul
    schließen

Wie man sich auch im Alter das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern kann, dafür gab die Beraterin Melanie Ludwig vom Sozialverband VdK viele praktische Tipps. Eingeladen hatte sie der Seniorenbeirat zum Vortrag im Haus der Begegnung.

Sehr viele Senioren möchten auch im Alter noch selbstbestimmt zu Hause wohnen, doch die Realität sieht eher mühevoll aus. Zum Beginn ihrer Ausführungen über „Barrierefreiheit in der eigenen Wohnung schaffen“ nannte Melanie Ludwig den knapp 20 Besuchern deutliche Zahlen.

Zwei Drittel der über 90-Jährigen, aber auch ebenso viele Pflegebedürftige nutzen noch die eigene Wohnung oder ihr Haus. Doch 75 Prozent müssen dazu Stufen überwinden, nur 15 Prozent haben eine bodengleiche Dusche. Das Fazit: „Maximal fünf Prozent der Wohnungen sind einigermaßen barrierefrei“, schlussfolgert Ludwig. Bei Neubauten ist das barrierefreie Bauen zwar inzwischen verpflichtend – aber auch nur in einer Etage, meist im Erdgeschoss, um teure Aufzüge zu sparen, merkt sie an.

Sodann stellt sie nicht nur diverse Umbaumöglichkeiten und Hilfsmittel vor, sondern gibt auch praktische Tipps aus ihrer Erfahrung. Ludwig ist Leiterin der VdK-Fachstelle für Barrierefreiheit. Diese ist seit 1999 angeschlossen an die Frankfurter Fachhochschule (heute: Frankfurt University of Applied Sciences) am Nibelungenplatz. Es gibt eine Zusammenarbeit mit dem dortigen Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit und auch eine barrierefreie Musterwohnung, in der alle baulichen und technischen Möglichkeiten erkundet werden können.

Viele davon stellt Ludwig in projizierten Bildern vor, gibt aber auch weitere Hinweise. Dass die Badezimmertür besser von innen nach außen zu öffnen oder geöffnet sein sollte, damit im Ernstfall der gestürzte Bewohner nicht selbst die Tür blockiere. Oder, dass der Frankfurter Trend zu Passivhäusern auch Nachteile hat: Wegen der Leichtbauweise ließen sich kaum Haltegriffe in die Wand schrauben. Aber es gibt auch Haltegriffe, die sich per Vakuum an die Fliesen pressen lassen – und sie können auch bei Reisen mitgenommen werden.

Nicht schick, aber durchaus hilfreich sind auch Hüftprotektoren, dicke Hosen, die Stürze abmildern. Auch Stoppersocken können für festen Halt sorgen und Stürze verhindern.

Doch nicht alles, was simpel aussieht, ist auch im Alltag brauchbar. Ludwig zeigt eine mobile Rampe, die eine steile Treppenstufe überbrücken soll. Viel zu steil ist der Neigungswinkel, der für Rollstuhlfahrer oder Rollatoren maximal sechs Grad betragen sollte. In dem fotografierten Negativbeispiel hätte die Rampe dann mindestens 15 Meter lang sein müssen, um den Neigungswinkel zu erfüllen.

Viel getan hat sich auch im Bereich der Technik. Die Hausnotrufsysteme sind längst den Kinderkrankheiten entwachsen und erkennen Notfälle im Haushalt selbst. Etwa durch Sensoren, die messen, ob noch regelmäßig Wasser verbraucht oder der Kühlschrank geöffnet wird. Es gibt auch Falldetektoren, die Erschütterungen am Boden messen.

Schwieriger ist die Sache mit den Liften. Es gibt welche, die am Treppengeländer geführt werden, einige sogar, wenn es ganz eng ist, über eine Schiene an der Decke. Das, schildert Ludwig, werde von den Senioren jedoch sehr schlecht angenommen.

Auch gewöhnungsbedürftig sind die Treppensteigegeräte, die nach dem Prinzip einer Sackkarre den Rollstuhl aufnehmen und von einer vertrauensvollen Person Stufe für Stufe über Treppen bewegt werden. Im Gegensatz zu anderen Ländern wenig verbreitet ist auch das Dusch-Bidet, bei dem hinterher sogar geföhnt wird.

Es gebe für alles eine Lösung, aber die sei zunächst auch eine

Frage des Geldes

, betont Ludwig zum Schluss. Sie erklärt, dass Zuschüsse nicht von einem Schwerbehindertenausweis, sondern der Pflegestufe abhängig seien.

Für barrierefreie Umbauten der Wohnung gebe es bis zu 4000 Euro Zuschüsse der KFW-Bank. Mieter müssten sich jedoch an die Pflegekasse wenden.

Eine Zuhörerin sagt, ihr falle es als Mieterin inzwischen schwer, den Waschkeller zu erreichen, sie wolle die Waschmaschine lieber in der Wohnung anschließen. Solche Veränderungen, entgegnet Ludwig, dürfe der Vermieter nicht verweigern. Höchstens, wenn es dadurch zu Problemen mit dem Brandschutz komme.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare