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Die Aufenthaltsqualität soll hier besser werden - dafür müssen die Bäume weg. Das ärgert die Grünen.

Altes Rathaus

Darum streitet Bad Vilbel um drei Bäume

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Für den Hessentag soll die Frankfurter Straße als zentrale Einkaufsmeile Bad Vilbels millionenschwer aufgehübscht werden. Ein zentrales Detail des Vorhabens aber missfällt den Grünen gewaltig.

Viel mehr Aufenthaltsqualität, fünf hübsche Plätze, mehr Außengastronomie, vielleicht sogar ein wenig mediterranes Flair – vom zukünftigen Antlitz der Frankfurter Straße im Zentrum von Bad Vilbel lässt sich derzeit nur träumen. Bis 2021 aber soll das alles Realität werden. 5,5 Millionen Euro investiert Bad Vilbel, um die zentrale Einkaufsmeile für den Hessentag 2020 schick zu machen.

Kernstück dürfte dabei die Umgestaltung des Marktplatzes vor dem Alten Rathaus werden. Während der Platz zwischen Volksbank und Nidda als Privatfläche der Bank nicht angetastet werden kann, soll besonders der Blick auf das schöne Fachwerkhaus-Ensemble frei gemacht werden. "Wir wollen die Altstadt in Erinnerung rufen", erklärt Kulturamtsleiter und Hessentagsbeauftragter Claus-Günther Kunzmann. "Sie ist derzeit deutlich unter Wert verkauft." Hier solle die Gastronomie besser zur Geltung kommen: "Sie ist schon attraktiv, aber noch nicht ausreichend aufgewertet."

Die künftigen Besucher von Stadthalle, deren Hotel und der Therme sollen gelockt werden. Das Aufräumen vor dem Alten Rathaus beinhaltet nicht nur, dass die Fläche 2021 neu gepflastert werden soll. Schon vor dem Hessentag sollen hier die alten Sitzbänke wegkommen, das Denkmal vor das Gebäude umgestellt werden. Und es gebe in Zukunft hier "einige Bäume weniger", um eben den Blick auf die Fachwerkhäuser freizumachen, erklärt Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU).

Drei Bäume bleiben erhalten

Just dieses Detail aber bringt die Grünen in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses des Stadtparlaments auf die Palme. Gegen "sechs Bäume weniger am Marktplatz" wendet sich Stadtverordneter Clemens Breest. "Mal ernsthaft", hakt Claus-Günther Kunzmann ein, "wir pflanzen gerade 3400 neue Bäume" für den Hessentag. Außerdem sei längst ein Kompromiss ausgehandelt, korrigiert Wysocki den Grünen: die drei Bäume vor der Metzgerei Lukarsch blieben erhalten. Lediglich drei Bäume gegenüber kämen weg, von denen ohnehin einer schon schadhaft sei. "Auch die sonstigen Bäume entlang der Frankfurter Straße bleiben erhalten und werden in die Neugestaltung einbezogen", beteuert er.

Das aber genügt dem Grünen-Stadtverordneten Peter Paul nicht. "Es ist ein ganz herber Verlust, drei Bäume herauszunehmen." Stattdessen sei es wichtig, die Neugestaltung zu nutzen, um "unbedingt die zehn Bäume wieder zu pflanzen, die in den vergangenen Jahren entlang der Straße gefällt wurden, zum Beispiel gegenüber vom Niddaplatz", fordert Peter Paul.

Marketingchef in Rage

SPD-Stadtrat Udo Landgrebe wiederum wendet sich dagegen, dass die Poller zwischen Fahrbahn und Gehweg entlang der Frankfurter Straße auch nach der Sanierung erhalten bleiben sollen. "Alle Poller radikal weg", fordert er, "dann alle Falschparker abschleppen – dann gewöhnen sich die Leute daran." Was CDU-Stadtverordneten und Stadtmarketingchef Kurt Liebermeister erzürnt: "Das klappt nicht", lehnt er Landgrebes Vorschlag ab, "weil hier nicht Zucht und Ordnung herrscht".

Auch der Erste Stadtrat rät vom Abbau der Poller ab. "Sobald heute mal ein Poller weg ist, wird dort sofort geparkt." Ganz dreist führen Autofahrer dann sogar auf den Niddaplatz und parkten sogar dort. Wofür der noch immer erzürnte Kurt Liebermeister unter Gelächter der übrigen Politiker eine ungewöhnliche Lösung in den Raum wirft: "Poller mit Selbstschussanlage."

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