Kein Vilbus für Nachtschwärmer

Antrag für Rufbusse scheitert ? erwartete Nachfrage zu niedrig, Kosten zu hoch

Der Haupt- und Finanzausschuss hat dem Wunsch der Grünen nach einem Rufbus-System in Bad Vilbel eine Absage erteilt, obwohl auch die Alternativen nicht gänzlich überzeugen konnten.

Tagsüber sind die gelben Vilbusse von den Straßen Bad Vilbels kaum wegzudenken. Aber nach 20 Uhr von Montag bis Freitag, nach 15 Uhr am Samstag und den ganzen Sonntag lang ist das anders – dann ruht der Betrieb. Für die Grünen ist das eine unhaltbare Situation. Sie fordern deswegen die Einführung eines Rufbus-Systems.

Die Idee: Fahrgäste sollen den Vilbus per Anruf auch werktags von 20 bis 24 Uhr, samstags von 15 bis 24 Uhr sowie sonntags bestellen können, dieser würde dann eine Linie regulär bedienen. Dazu wird es aber wohl nicht kommen, wie das Abstimmungsergebnis im Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag zeigte.

Der kaufmännische Leiter der Stadtwerke – die den Vilbus betreiben –, Rüdiger Milke, hatte sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und dem Ausschuss seine Ergebnisse präsentiert. Er zählte zunächst auf, welche Alternativen noch fahren, wenn der Vilbus schon stillsteht. Für den Heilsberg nannte er die Linien 30 und 551 mit zusammen 154 Fahrten pro Woche.

Wer von der Innenstadt nach Massenheim will, kann nach Vilbus-Betriebsende hingegen in den 65er-Bus steigen, der in diesem Zeitraum 61 Mal verkehrt. Nach Gronau und Dortelweil fahren das Stockheimer Lieschen und die S-Bahn, führte Milke aus. Er räumte jedoch ein, dass weitere Fußstrecken zu bewältigen seien, wenn man den hinteren Heilsberg, das westliche Massenheim oder gewisse Ecken des Niederbergs erreichen wolle.

Danach rechnete Milke die theoretischen Kosten des Projekts vor. Gehe man davon aus, dass die Nachfrage nach dem Rufbus hoch sei, müssten die Stadtwerke demnach drei Busse einsetzen. Das bedeute jeweils 45 Wochenarbeitszeit für die Fahrer und eine Person in der Rufzentrale. Die Personalkosten bezifferte Milke auf rund

200 000 Euro pro Jahr

. Hinzu kämen Zuschläge und Betriebskosten. Auszugehen sei aber von einer eher mäßigen Nachfrage – sodass das Ansinnen in Relation umso teurer würde.

Auch Taxis, die die Buslinien in diesen Zeiten ersetzen, oder ein Anrufsammeltaxi stellte Milke als unrentabel dar. Zumal ein reguläres Taxi vom Heilsberg in die Innenstadt gerade einmal fünf Euro koste. Für die Stadtwerke hätten deshalb andere Projekte Priorität. Laut Milke sind das die Anbindung des Quellenparks, der geplanten Smart City oder auch des geplanten Kombibads.

Jens Matthias (Grüne) führte an, dass man sich, um den Verkehrskollaps in der Stadt abzufedern, des Themas nicht verschließen dürfe. Immer wieder würden solche Ideen erst einmal skeptisch betrachtet, da alles Geld koste, was den Verkehr entlasten soll. Matthias verwies auf Expressbusse, die in Frankfurt sehr erfolgreich liefen und auf das Ein-Euro-Ticket, das in Karben gut angenommen werde. "Die Stadt sollte sich einen eigenen Busverkehr auch außerhalb der Kernzeiten leisten können und nicht auf die anderen Angebote verweisen", sagte er und befand: Besonders die Möglichkeit, Taxis für Linienfahrten einzusetzen, müsse noch einmal geprüft werden.

Irene Utter (CDU) hingegen erinnerte an frühere Experimente dieser Art. So wurde bereits 2006 auf dem Heilsberg das sogenannte "Vilbussi" eingesetzt. "Nach zehn Fahrten und nur einem einzigen Fahrgast wurde der Versuch eingestellt", erzählte Utter. Mehrere Monate sei ein Anrufsammeltaxi getestet worden. "Ergebnis: Acht Anrufe." Ein neuerlicher Versuch gehe wieder so aus, vermutete sie.

Auch Karl Peter Schäfer (CDU) warnte vor dem Experiment für Nachtschwärmer. "Die Kosten für dieses Privatvergnügen dürfen wir nicht der Allgemeinheit aufbürden", sagte er. Und mit einem Taxi nehme die Anzahl an Autofahrten durch die Stadt ja nicht ab, da könne man auch gleich den eigenen Wagen nehmen. Das wollte Matthias wiederum nicht gelten lassen. Denn er glaubt, bei einem attraktiven Angebot könnte es Menschen geben, die ganz auf ein Auto verzichteten.

SPD-Fraktionschef Christian Kühl wies darauf hin, dass die Idee nicht neu sei und im Heilsberger Ortsbeirat schon oft auf der Tagesordnung gestanden habe. Beim "Vilbussi" damals habe keiner gewusst, dass es das Angebot gibt, deswegen sei es gescheitert. Er sei von dem Antrag durchaus angetan, doch Milkes Ausführungen hätten in "ins Wanken" gebracht. Kühl kündigte an, sich enthalten zu wollen, aber weiter an Alternativen mitzubasteln.

Letztlich fanden Matthias Ausführungen kein Gehör. Am Ende stimmen nur die Grünen ihrem Antrag zu, die SPD enthielt sich, CDU, FDP und FW stimmen dagegen.

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