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Expedition

Abenteurer Arved Fuchs präsentiert atemberaubende Aufnahmen der Antarktis

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Dem Publikum im Dortelweiler Kultur- und Sportforum wird schon beim Zusehen schlecht, als Abenteurer Arved Fuchs am Dienstagabend seine jüngste Expedition in die Antarktis zeigte. Eindrückliche Videoaufnahmen auf hoher See bei Windstärken jenseits des Erträglichen lassen den ausverkauften Saal erschaudern. Doch Fuchs plagt weit mehr als nur hoher Seegang und Sturm, denn seine Mission endet nicht mit dem erneuten Anlegen im Heimathafen.

Es muss einsam gewesen sein, als Arved Fuchs im Jahr 2015 mit seinem Expeditionstrupp am südlichsten Ende Chiles, dem sagenumwobenen Kap Hoorn, an Land ging. Während draußen auf dem Ozean zuverlässig der Sturm tobt, liegt das Schiff des Abenteurers geschützt in einer Bucht. Die Natur wirkt an diesem Ende der Welt sich selbst überlassen und friedlich – und ist dennoch voller Müll.

Dem Publikum im ausverkauften Saal des Dortelweiler Kultur- und Sportforums stockt der Atem, als sie die Bilder sehen. "Der Müll ist inzwischen überall", mahnt Fuchs mit Wut in der Stimme. Auf einer Landzunge irgendwo im südchilenischen Nirgendwo hat jemand eine Fuhre alter Akkus abgeladen und auf den öden Wiesen liegt Verpackungsmüll als sei hinter dem nächsten Hügel ein Discounter zu finden – dort wo Zivilisation kaum weiter entfernt sein könnte.

Mit eigenen Augen sehen 

Seit mehr als 40 Jahren unternimmt Arved Fuchs Expeditionen an die kältesten Orte der Welt. In jungen Jahren angetrieben von dem Ziel sportliche Höchstleistungen zu vollbringen, vollzog er historische Segelrouten mit minimaler Ausrüstung nach und erreichte in nur einem Jahr sowohl den Nord- als auch den Südpol auf Skiern.

Mit den Jahren entwickelte sich der inzwischen 65-Jährige zum Ideengeber und Projektmanager. Statt selbst den Kick zu suchen, schart er die besten Abenteurer, Wissenschaftler und Filmemacher um sich und nimmt sie als Expeditionsleiter mit auf große Fahrt. "Vieles in der Natur geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit", erklärt der erfolgreiche Buchautor. Denn wem ist es schon vergönnt, die entlegendsten Orte der Welt mit eigenen Augen zu erleben. "Im Grunde mache ich Lobbyarbeit für die Natur", beschreibt Fuchs seine Mission. Seine Erlebnisse und Erfahrungen will er anschließend nicht nur vortragen, sondern dabei auch auf diverse Problematiken hinweisen. So auch beim Vortrag, der am vergangenen Dienstag das Dortelweiler Publikum auch in die Antarktis mitnahm. In eindrucksvoller Sprache berichtet Fuchs live von seinen Erlebnissen, die mit Bildern und kurzen Videos auf einer großen Leinwand präsentiert werden. Es sind unwirkliche Orte und unbegreiflich intensive Wetterereignisse, denen Fuchs uns seine Crew auf ihrem altehrwürdigen Segelschiff, der Dagmar Aaen, immer wieder ausgesetzt sind. Doch wenn sich der Sturm verzieht, sind es auch beeindruckend schöne Naturaufnahmen.

Und just auf diesem Höhepunkt seiner Erzählung führt Fuchs die bedrückende Realität ins Feld. Hat sich das Publikum gerade noch über entzückend tapsige Pinguine gefreut, die sich rund um eine Forschungsstation ansiedeln, folgt unvermittelt der traurige Grund: Längst ist es den Pinguinen weiter nördlich zu warm. Ihre neue Pinguinheimat ist somit kein Wunsch, sie fliehen vor der menschgemachten Erderwärmung.

Demut vor der Natur 

Im Jahr 2002 war es, als Arved Fuchs zum ersten mal den Klimawandel spürte. Dreimal war er in den 90ern beim Versuch die Nord-Ost-Passage durch die Arktis zu durchqueren im Eis gescheitert. Plötzlich, im Jahr 2002, war dies ohne Probleme möglich: "In dieser kurzen Zeitspanne und Intensität schien mir das nicht normal zu sein", erinnert er sich. Auf weiteren Reisen kam er mit Inuit ins Gespräch und sammelte weitere Fakten, die belegen: Die Erde erwärmt sich und die Natur leidet darunter: "Und das muss man zeigen!"

Die spektakulären Aufnahmen der 1931 gebauten Dagmar Aaen im antarktischen Orkan erklären eindrucksvoll wodurch Fuchs seine Demut vor der Natur gewonnen hat. Diese Demut vermisst er häufig bei seinen Mitmenschen. Einen Vorwurf lässt er dabei jedoch nicht mitschwingen, ist ein Leben in der Zivilisation doch kaum ohne Mitschuld am Klimawandel möglich: "Ich habe mich nie als Aussteiger gesehen, ich bin ja selber Schuld, aber ich möchte auch Teil der Lösung sein", betont er. Der Lebenslauf des Arved Fuchs zeigt, dieser Mann kennt keine Grenzen. Doch einen Wunsch wird er sich höchstwahrscheinlich nicht erfüllen können. Gerne würde er mal einige Politiker und Entscheidungsträger der Welt auf seinem Schiff mitnehmen, dorthin wo der Klimawandel nicht mehr zu leugnen ist und hinein in die gigantischen Müllstrudel auf den Ozeanen. Doch Fuchs weiß auch: Es gibt viele, die man nicht mehr überzeugen muss, doch auch viele, die man nicht überzeugen kann." So geht seine größte Mission weiter.

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