Kordula Schulz-Asche (von links), Clemens Breest, Marcus Bocklet und Peter Paul diskutieren.
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Kordula Schulz-Asche (von links), Clemens Breest, Marcus Bocklet und Peter Paul diskutieren.

Ehrenamtliche Helfer

Auch die Helfer brauchen Hilfe

  • VonChristine Fauerbach
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Ehrenamtliche Helfer gewinnen für das gesellschaftliche Zusammenleben immer größere Bedeutung, stellen die Bad Vilbeler Grünen fest. In einer Diskussion forderten sie den Abbau bürokratischer Hürden.

Zu der Diskussion „Ehrenamt aufwerten“ begrüßte der Grünen-Bürgermeisterkandidat Clemens Breest im Haus der Begegnung die gebürtige Berliner Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche, die im Main-Taunus-Kreis wohnt, und den Frankfurter Landtagsabgeordneten Marcus Bocklet. Beide treten für eine Verbesserung der Bedingungen für ehrenamtlich Engagierte ein.

Das Trio diskutierte unter Beteiligung von Parteimitgliedern und Besuchern, inwieweit der vielfältige ehrenamtliche Einsatz von Bürgern, der für das gesellschaftliche Zusammenleben immer wichtiger werde, durch die Politik besser gefördert und unterstützt werden könne. Ehrenamtliches Engagement sei beispielsweise bei der Freiwilligen Feuerwehr, Rettungsdiensten, bei Nachbarschaftshilfen oder Flüchtlingsinitiativen, in Vereinen, Umweltorganisationen oder der Kommunalpolitik gefragt. Durch ihr Engagement füllten diese Bürger Lücken im staatlichen und behördlichen Handeln.

Von Pontius zu Pilatus

Um ihnen ihre Arbeit zu erleichtern, sollten bürokratische Hürden (Steuern, Gema-Gebühren, Brandschutz, Hygienevorschriften) durch Ausnahmen und Erleichterungen gesenkt werden, wurde gefordert. Bei Flüchtlingshilfen und in der Integrationsarbeit sollten Freiwillige für ihre Dienste Unterstützung durch einen hauptamtlichen Koordinator in der Verwaltung erhalten.

Clemens Breest sagte: „In Bad Vilbel rennen Ehrenamtliche von Pontius zu Pilatus, um Gesundheitsscheine für Flüchtlinge zu bekommen. Die Aufbruchstimmung und das große Engagement der Bürger passt nicht zur Verwaltung und Stadtpolitik. Bad Vilbel hat eine Halbtagsstelle bei geringer Entlohnung ausgeschrieben, die mit einem Auszubildenden im dritten Lehrjahr besetzt wurde.“

Dazu Kordula Schulz-Asche: „Konflikte beginnen auf den unteren Ebenen, nicht auf Bundes- oder Landesebene. Deshalb ist ein Hauptamtlicher vor Ort zur Betreuung der Ehrenamtlichen sinnvoll, da die neuen Formen des Engagements mit bestehenden Strukturen in Berührung kommen.“

Koordination gefragt

Die Bundestagsabgeordnete weiter: „Viele Ehrenamtler sind jung, hochgebildet, haben Migrationshintergrund. Oft organisieren sie sich über Facebook-Gruppen, wodurch es zu Kommunikationsproblemen kommt. Deshalb ist ein Hauptamtlicher wichtig.“ Die Leistungen könne man mit einem „Danke-Tag“ in der Wasserburg honorieren, so Breest. Oder mit Ehrenamtskarten für freien Eintritt, etwa in Schwimmbäder, einer Anerkennungskultur mit Urkunden und einem Einstellungsbonus für Ehrenamtliche im öffentlichen Dienst.

Im Gegensatz zum Bund habe Hessen mit 1,3 Milliarden Euro Rahmenbedingungen für die Hilfe und Integration von Flüchtlingen geschaffen, betonte Marcus Bocklet. Allein 60 000 offene Stellen in Hessen belegten den Fachkräftemangel. „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz“, forderte er.

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