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Mit diesem Schild kündigte sich das Ende aller Einkaufsmöglichkeiten in Gronau an. Ob es einen Nachfolger gibt: ungewiss.

Supermarkt fehlt

Außengelegener Stadtteil: Gronau fühlt sich abgehängt

Mit einem Antrag, die Stadt zu beauftragen, möglichst schnell einen Nachfolger für den vor wenigen Tagen geschlossenen Nahkauf in Gronau zu finden, war die SPD im Ortsbeirat vor zwei Wochen abgeschmettert. Doch luden die Sozialdemokraten am Dienstagabend zur Diskussion, um Ideen zusammenzutragen, wie die Versorgungslage in Gronau gerettet werden kann. Denn es fehlt an deutlich mehr als einer Einkaufsmöglichkeit.

Ein Dutzend Gronauer sind der Einladung der SPD gefolgt, um über die Nahversorgungslage in dem Bad Vilbeler Stadtteil zu diskutieren. Seit dem ersten September ist der Nahkauf von Willi und Gerlinde Kroh geschlossen, somit gibt es neben Gastronomie in Gronau nur noch einen Metzger. Möglichst schnell wollte die SPD in der Ortsbeiratssitzung vor zwei Wochen den Weg zu einer Lösung ebnen, doch wurde der Antrag abgelehnt. Man wolle vorerst in eine Phase der Ideenfindung starten, meinten die anderen Parteien.

Es müsse zuerst einmal herausgefunden werden, wie es zukünftig machbar sei, dass die Gronauer wieder in einem eigenen kleinen Laden im Ort einkaufen gehen, statt im Umland zu den großen Märkten zu fahren. „Es ist natürlich unrealisitsch, dass hier ein riesiger Einkaufsmarkt hingestellt wird“, beginnt Mirjam Fuhrmann (SPD) die Diskussionsrunde. „Wir wollen wissen, wie der Bedarf ist und welche Alternativen eventuell gefunden werden könnten.“

Schnell wird in den ersten Minuten der Diskussion klar, es mangelt im Ort nicht nur an einer Einkaufsmöglichkeit. Die Worte Geldautomat und Arzt fallen immer wieder. „Kümmert man sich denn gar nicht mehr um uns, hier in Gronau?“, fragt eine ältere Dame enttäuscht in die Runde, nachdem sie eine vernichtende Bestandsaufnahme der Versorgung im Ort gemacht hat. „Es wäre schon wichtig, dass es etwas gibt für Leute, die nicht mehr so mobil sind“, meint ihre Nachbarin. Doch muss die Lage realistisch betrachtet werden, das weiß die Gruppe.

Nur hin und wieder im Laden im Ort mal ein paar Brötchen holen, das reicht nicht, um ein Geschäft dauerhaft zu halten. Doch findet der Gronauer SPD-Beisitzer Jürgen Ahäuser: „An der Metzgerei sieht man, wie ein Geschäft auch hier funktionieren kann, wenn das erstmal bekannt ist.“ Doch bis es mal soweit ist, muss eine Übergangslösung her. Mirjam Fuhrmann schlägt vor: „Die Arbeiterwohlfahrt wäre eine Option, um einen Fahrdienst einzurichten, der ältere Menschen von Tür zu Tür zum Supermarkt fährt.“.

Auch ein kleiner Wochenmarkt könnte eine attraktive Lösung darstellen. Sie wisse von Marktbeschickern, dass diese es durchaus begrüßen, nach einem Markttag auf dem Heimweg noch einmal anzuhalten, um den Laden für weitere zwei bis drei Stunden zu öffnen. Beschicker des Massenheimer Marktes könnte man vielleicht für einen Zwischenstopp in Gronau gewinnen. Auch der Name Bernd Kaffenberger fällt in der Diskussion. „Der hat doch immer innovative Ideen.“ Fuhrmann verspricht, mit dem Rewe-Händler Kontakt aufzunehmen, und zu sehen, ob dieser eine Idee für eine Übergangslösung hat und bereit sei, mit seinen Märkten zur Verfügung zu stehen.

Möglicherweise könnte Kaffenberger mit einer Art mobilem Supermarkt an einem oder zwei Wochentagen nach Gronau kommen, überlegen die Gronauer. Für eine langfristige Lösung könnte Kaffenberger ebenfalls in Frage kommen, denn wie Jürgen Ahäuser erklärt: „In Okarben gibt es einen Markt, der von Auszubildenden des Berufsbildungswerks (BBW) geführt wird.“

Vielleicht wäre das zukünftig ja ein Modell für Kaffenberger, doch wolle man auch das BBW dementsprechend kontaktieren. Eine langfristige Lösung könnte auch aus einer Synergie verschiedener Läden entstehen, überlegt die Runde.

Ein Supermarkt mit Postfiliale und Geldautomat könnte mehr Einkäufer anziehen, als „nur“ ein kleiner Tante-Emma-Laden. Die SPD verspricht zudem Gerlinde und Willi Kroh zu kontaktieren, ob diese gegenüber einer Vermietung der bisherigen Ladenfläche aufgeschlossen wären.

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